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Flache Illustration einer Industriestadt des 19. Jahrhunderts: rote Backsteinfabriken mit rauchenden Schornsteinen, ein Förderturm, eine Dampflok auf einer Eisenbrücke über einen Fluss und Reihen kleiner Arbeiterhäuser.

Geschichte · Niedersachsen · Sek I

Industrialisierung und soziale Frage

Eine Unterrichtsreihe für Klasse 8 zur Industrialisierung in Deutschland und zur sozialen Frage. Die Schülerinnen und Schüler erklären Ursachen und Merkmale der Industrialisierung, untersuchen Arbeitsalltag und Kinderarbeit an Bildquellen von Adolph Menzel und Lewis Hine, beschreiben Wohnungsnot und Klassengesellschaft und vergleichen die Lösungsansätze von Unternehmern, Kirchen, Arbeiterbewegung und Staat an gemeinfreien Textquellen. Zum Schluss urteilen sie mit offengelegten Kriterien, ob die Industrialisierung Fortschritt oder Rückschritt war.

Klassen
8
Schulformen
Gymnasium, Oberschule
Umfang
8 Unterrichtsstunden
Fach
Geschichte
Bundesland
Niedersachsen

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Lernziele

  • Die Schülerinnen und Schüler beschreiben Merkmale und Voraussetzungen der Industrialisierung und erklären den späteren Beginn in Deutschland.
  • Die Schülerinnen und Schüler beschreiben den Arbeitsalltag in Fabriken und analysieren ein Gemälde als Bildquelle.
  • Die Schülerinnen und Schüler erklären Ursachen und Folgen der Kinderarbeit und geben die Bestimmungen des Preußischen Regulativs von 1839 wieder.
  • Die Schülerinnen und Schüler erläutern die soziale Frage und den Wandel von der Stände- zur Klassengesellschaft.
  • Die Schülerinnen und Schüler vergleichen Lösungsansätze von Unternehmern, Kirchen, Arbeiterbewegung und Staat anhand von Quellen und Darstellungen.
  • Die Schülerinnen und Schüler unterscheiden Revolution und Evolution sowie Fortschritt und Rückschritt als Deutungen und urteilen kriteriengeleitet.

Bezug zum Kerncurriculum

Kerncurriculum für das Gymnasium Schuljahrgänge 5–10 Geschichte (Niedersachsen, 2015) (öffnet eine externe Seite)

  • Inhaltsbereich: Industrialisierung und Soziale Frage (z. B. Arbeitsalltag, Kinderarbeit, verschiedene Lösungsansätze)
  • Kompetenzerwartung: wenden Strukturierungskonzepte zeitlicher Verläufe sinnvoll an (Ereignis – Struktur; Kontinuität als Dauer und Wandel)
  • Kompetenzerwartung: unterscheiden verschiedene normative Konzeptualisierungen zeitlicher Verläufe (Fortschritt – Rückschritt; Evolution – Revolution)
  • Kompetenzerwartung: vergleichen, vernetzen und hierarchisieren neu erlernte Fachbegriffe mit bekannten
  • Kompetenzerwartung: erweitern ihr Spektrum verfügbarer logischer Verknüpfungen zwischen historischen Sachverhalten, z. B. konditional, konzessiv, final, modal, …
  • Kompetenzerwartung: geben den Inhalt sprachgebundener Gattungen wieder
  • Kompetenzerwartung: erläutern deren gattungstypische Funktion
  • Kompetenzerwartung: vergleichen Perspektiven in Darstellungen
  • Kompetenzerwartung: erläutern die historische Bedingtheit heutiger Phänomene (Identität – Alterität)

Ablauf

  1. Abschnitt 1

    Industrielle Revolution: von England nach Deutschland

    Merkmale der Industrialisierung, England als Vorreiter, Zollverein und Eisenbahn, Urbanisierung, Revolution oder Evolution.

  2. Abschnitt 2

    Arbeitsalltag in der Fabrik

    Lohnarbeit und Kapitalismus, Arbeitszeit, Fabrikordnung, Gefahren, Bildanalyse von Menzels Eisenwalzwerk.

  3. Abschnitt 3

    Kinderarbeit in der Industrialisierung

    Gründe und Folgen der Kinderarbeit, Preußisches Regulativ 1839, Verbot 1891, Foto von Lewis Hine, Kinderarbeit heute.

    • Lektion

      Kinderarbeit in der Industrialisierung

      Ein neunjähriges Kind, das morgens um fünf Uhr in die Spinnerei geht und abends erst um acht nach Hause kommt: Im 19. Jahrhundert war das in Europa…

    • Hinweis

      Das Foto von Lewis Hine stammt aus den USA. Für Kinderarbeit in Deutschland sind Fotos aus der Zeit vor 1880 selten, weil Fabrikfotografie damals aufwendig war. Denk beim Besprechen daran, dass das Mädchen eine echte Person war.

  4. Abschnitt 4

    Die soziale Frage und die Klassengesellschaft

    Pauperismus, Wohnungsnot und Mietskasernen, Klassengesellschaft, Kommunistisches Manifest als Quelle und Deutung.

  5. Abschnitt 5

    Lösungsansätze für die soziale Frage

    Betriebliche Fürsorge bei Krupp, kirchliche Hilfe, Gewerkschaften und SPD, Sozialistengesetz und Sozialversicherung.

    • Lektion

      Lösungsansätze der sozialen Frage: Unternehmer, Kirche, Arbeiter, Staat

      Wenn du heute krank bist, zahlt die Krankenkasse den Arzt. Wer einen Arbeitsunfall hat, ist versichert, und im Alter gibt es eine Rente. Diese…

    • Aufgabe

      Gruppenpuzzle: Wer löst die soziale Frage?

      Ihr arbeitet in vier Expertengruppen: Unternehmer, Kirchen, Arbeiterbewegung, Staat.

      1. Arbeitet aus der Lektion Ziel, Mittel und Grenzen eures Ansatzes heraus. Nutzt die Quellen.
      2. Bereitet eine Rede von höchstens zwei Minuten vor, in der eine Person eurer Gruppe 1885 ihren Ansatz verteidigt.
      3. Notiert nach allen Reden in einer Tabelle die Stärken und Schwächen aller vier Ansätze.

      Ladet Rede und Tabelle hoch.

  6. Abschnitt 6

    Fortschritt oder Rückschritt? Urteil und Selbsttest

    Fortschritt und Rückschritt als Wertungen, Sach- und Werturteil, Begriffe, Selbsttest, Bezüge zur Gegenwart.

Hinweise für Lehrkräfte

Einordnung in das Kerncurriculum

Das Kerncurriculum Geschichte für das Gymnasium (2015) nennt für die Schuljahrgänge 7/8 verbindlich den Inhalt „Industrialisierung und Soziale Frage (z. B. Arbeitsalltag, Kinderarbeit, verschiedene Lösungsansätze)“ mit den Begriffen Industrielle Revolution, Kapitalismus, Soziale Frage und Klassengesellschaft. Die Reihe deckt alle vier Begriffe und alle drei Beispielfelder ab. Für die Sachkompetenz in 7/8 bietet sie die Konzepte Ereignis und Struktur sowie die normativen Begriffspaare Fortschritt und Rückschritt, Evolution und Revolution (Lektionen 1 und 6). An der Oberschule liegt das Thema ebenfalls in 7/8.

Zeitplan (8 Stunden)

StundeAbschnitt
1Industrielle Revolution: England und Deutschland
2Arbeitsalltag in der Fabrik, Bildanalyse Menzel
3Kinderarbeit, Regulativ 1839, Foto von Lewis Hine
4Soziale Frage, Wohnen, Klassengesellschaft
5–6Lösungsansätze, Gruppenpuzzle mit vier Perspektiven
7–8Fortschritt oder Rückschritt, Selbsttest

Zu den Quellen und zur Kontroversität

Alle Textquellen sind gemeinfrei und stehen im Wortlaut der Vorlage: Hottinger’s Volksblatt 1878 (über Krupp), das Kommunistische Manifest (1848) und die Kaiserliche Botschaft (1881). Das Krupp-Zitat von 1877 ist nach Wikipedia wiedergegeben, die Auslassung ist markiert. Das Preußische Regulativ von 1839 wird inhaltlich wiedergegeben. Das Manifest wird als historische Position einer Strömung der Arbeiterbewegung behandelt, nicht als Lösung, die der Unterricht nahelegt. Lektion 4 nennt ausdrücklich, dass sich spätere Diktaturen auf Marx und Engels beriefen. Lassen Sie die vier Lösungsansätze gleichwertig erarbeiten (Beutelsbacher Konsens: Was kontrovers war, erscheint kontrovers) und erst im Urteil gewichten.

Typische Fehlvorstellungen

  • „Kinderarbeit wurde mit der Industrialisierung erfunden.“ Neu war die Fabrikarbeit außer Haus unter fremder Aufsicht.
  • „Bismarck führte die Sozialversicherung aus Mitleid ein.“ Die Kaiserliche Botschaft verbindet sie ausdrücklich mit der Bekämpfung der Sozialdemokratie.
  • „Das Regulativ von 1839 entstand, weil das Militär keine gesunden Rekruten mehr fand.“ Diese verbreitete Erklärung ist umstritten. Entscheidend war vor allem die Durchsetzung der Schulpflicht.
  • „Alle Unternehmer waren rücksichtslos“ oder umgekehrt „Krupp war ein reiner Wohltäter“. Lektion 5 zeigt Fürsorge und Kontrolle zugleich.

Differenzierung

  • Grundlegend: Bildbeschreibung mit Leitfragen, Tabelle der Lösungsansätze mit Lücken, nur die kurzen Quellenauszüge.
  • Erweitert: Vergleich der Kaiserlichen Botschaft mit dem Sozialistengesetz, Recherche zur Industriegeschichte in Niedersachsen (Hannover, Peine, Salzgitter, Osnabrück, Delmenhorst).
  • Sprachbildung: Operatorenkarten (wiedergeben, erklären, erläutern, vergleichen, beurteilen, erörtern) mit Satzanfängen.

Operatoren und prozessbezogene Kompetenzen

Die Aufgaben verwenden die Operatoren aus Anhang A4 des Kerncurriculums in allen drei Anforderungsbereichen. Methodenkompetenz: sprachgebundene Gattungen (Zeitschriftenartikel, Programmschrift, Thronrede) unterscheiden und wiedergeben, visuelle Gattungen (Historiengemälde, Sozialfotografie) in ihrer Funktion erläutern. Urteilskompetenz: Perspektiven von Unternehmern, Arbeiterschaft, Kirchen und Staat vergleichen, Sach- und Werturteil trennen.

Häufige Fragen

In welcher Klasse wird die Industrialisierung in Niedersachsen unterrichtet?

Das Kerncurriculum Geschichte legt „Industrialisierung und Soziale Frage“ in die Schuljahrgänge 7/8. Meist wird das Thema in Klasse 8 behandelt, nach den bürgerlichen Revolutionen.

Wie viele Stunden plane ich ein?

Acht Unterrichtsstunden mit Gruppenpuzzle. Ohne Gruppenpuzzle und Urteilsaufgabe kommen Sie mit sechs Stunden aus.

Wie gehe ich mit dem Kommunistischen Manifest um?

Als historische Quelle einer Strömung der Arbeiterbewegung, gleichrangig neben Unternehmern, Kirchen und Staat. Die Lektion nennt die Absicht der Schrift und weist auf ihre spätere Nutzung durch Diktaturen hin.

Passt die Reihe für die Oberschule?

Ja. Das Oberschul-Kerncurriculum sieht das Thema ebenfalls in 7/8 vor. Nutzen Sie dort die Grundlagen-Übungen und kürzen Sie die Quellen bei Bedarf auf ein bis zwei Sätze.

Quellen

Bildnachweise

Die Vorlage in Ihrem Kurs

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