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Deutsch · Deutschschweiz · Zyklus 3
Kurzgeschichten untersuchen: Kurzgeschichte, Kalendergeschichte, Parabel
Eine Reihe für die 2. und 3. Sekundarschule zu kurzen Erzähltexten. Die Schülerinnen und Schüler weisen an der eigens geschriebenen Kurzgeschichte «Gleis 3» die Merkmale der Textsorte nach, bestimmen Erzähler, Perspektive und Zeitgestaltung und vergleichen sie mit Johann Peter Hebels Kalendergeschichte «Unverhofftes Wiedersehen». An Franz Kafkas «Kleiner Fabel» üben sie Deutungshypothese, Textbeleg und literarisches Gespräch. Am Schluss schreiben sie selbst eine Kurzgeschichte nach Muster.
- Schuljahre
- 8–9
- Schultypen
- Sekundarschule, Gymnasium
- Umfang
- 6 Unterrichtsstunden
- Fach
- Deutsch
- Region
- Deutschschweiz
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Inhalt
Lernziele
- Die Schülerinnen und Schüler weisen typische Merkmale der Kurzgeschichte mit Textbelegen nach.
- Die Schülerinnen und Schüler bestimmen Erzählform, Erzählverhalten, Darbietungsformen und Zeitgestaltung und beschreiben deren Wirkung.
- Die Schülerinnen und Schüler erschliessen Figuren aus ihrer Sprechweise und ihrem Handeln, auch wenn Gefühle und Absichten nicht ausgesprochen werden.
- Die Schülerinnen und Schüler unterscheiden Kurzgeschichte, Kalendergeschichte und Parabel und setzen einen Text aus einer anderen Zeit in Bezug zu heute.
- Die Schülerinnen und Schüler formulieren Deutungshypothesen, belegen sie am Text und vergleichen im literarischen Gespräch verschiedene Lesarten.
- Die Schülerinnen und Schüler schreiben eine eigene Kurzgeschichte mit Wendepunkt, Leerstelle und offenem Ende.
Bezug zum Lehrplan 21
Lehrplan 21 (Deutschschweiz), Fachbereichslehrplan Deutsch (öffnet eine externe Seite)
- Kompetenz: D.6.C.1 Die Schülerinnen und Schüler erfahren, erkennen und reflektieren, dass literarische Texte in Bezug auf Inhalt, Form und Sprache bewusst gestaltet sind, um eine ästhetische Wirkung zu erzielen. Sie kennen wesentliche Merkmale von Genres und literarischen Gattungen.
- Kompetenzstufe: D.6.C.1.h können sich mit unvertrauten literarischen Texten auseinandersetzen (z.B. aus einer anderen Zeit, Theater, unbekanntes Filmgenre) und sich darüber austauschen. können eindeutige oder gebräuchliche inhaltliche Gestaltungsprinzipien der Texte erkennen (z.B. Elemente von Spannung, Motive). können unterschiedliche Wirkung von Fiktion und Realität in komplexeren Geschichten erklären. kennen einzelne typische inhaltliche, formale oder sprachliche Merkmale von Erzähltexten (z.B. Kurzgeschichte, Roman) und lyrischen Texten (z.B. Ballade).
- Kompetenzstufe: D.6.C.1.i können typische Perspektiven von Figuren in literarischen Texten nachvollziehen. können die Sprechweise der Figuren analysieren, um die Figuren und deren Motive genauer zu erfassen.
- Kompetenz: D.6.A.2 Die Schülerinnen und Schüler können über literarische Texte und die Art, wie sie die Texte lesen, ein literarisches Gespräch führen. Sie reflektieren dabei, wie sie die Texte verstehen und die Texte auf sie wirken.
- Kompetenzstufe: D.6.A.2.h können ihr Leseverhalten reflektieren: Wann und wo lesen sie was? können im Gespräch ihr Verstehen eines literarischen Textes formulieren und dieses dialogisch weiterentwickeln. können im Gespräch verschiedene Bedeutungen eines literarischen Textes erkennen und daher unterschiedliche Verstehensweisen entwickeln.
- Kompetenzstufe: D.6.A.2.i können sich darauf einlassen, ihr erstes Verstehen eines literarischen Textes zu hinterfragen und zu relativieren. können erkennen, dass andere einen literarischen Text anders verstehen.
- Kompetenzstufe: D.6.A.2.j können Nicht-Verstandenes erkennen, reflektieren und sind bereit, es im Gespräch zu formulieren. Sie halten die sich daraus ergebenden Ungereimtheiten und Ambivalenzen aus. können im literarischen Gespräch ihr Verstehen bzw. Nicht-Verstehen erläutern und beziehen sich dabei auf den literarischen Text.
- Kompetenzstufe: D.6.A.1.h können historische Informationen und Tatsachen aus der realen Welt in einem Buch finden, sie mit anderen Quellen vergleichen und darstellen (z.B. auf einem Plakat). können nach dem Muster eines literarischen Textes (z.B. Gedicht, Kurzgeschichte, Fantasy, Fotoroman) selber einen Text mit den entsprechenden Merkmalen schreiben.
- Kompetenzstufe: D.2.C.1.i können sich eine Meinung zu einem Text bilden und diese begründen. können Eigenschaften, Stimmungen und Absichten der Figuren erschliessen und erklären, auch wenn diese nicht explizit erwähnt sind.
Ablauf
Abschnitt 1
Merkmale einer Kurzgeschichte
Unvermittelter Anfang, Wendepunkt, offenes Ende, Leerstellen und Symbol an der Kurzgeschichte «Gleis 3» nachweisen.
Lektion
Merkmale einer Kurzgeschichte an «Gleis 3»Manche Geschichten sind nach zwei Minuten fertig gelesen und beschäftigen dich trotzdem den ganzen Tag. Sie beginnen mitten im Geschehen, erklären…
Material
Kurzgeschichte: Begriff und Geschichte (öffnet eine externe Seite)Wikipedia, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Abschnitt 2
Erzähler, Perspektive und Zeitgestaltung
Erzählform, Erzählverhalten, Darbietungsformen, Erzählzeit und erzählte Zeit bestimmen und die Sprechweise von Figuren untersuchen.
Lektion
Erzähler und Erzählperspektive bestimmenStell dir vor, «Gleis 3» würde so beginnen: «Ich stand auf Gleis 3 und schaute auf meine Hände.» Oder so: «Der alte Herr Huber fütterte wie jeden…
Hinweis
Merkhilfe: Die Autorin oder der Autor schreibt, der Erzähler erzählt. Schreib in deiner Analyse darum «Der Erzähler berichtet …» oder «Es wird erzählt …».
Abschnitt 3
Kalendergeschichte: Hebels «Unverhofftes Wiedersehen»
Eine Kalendergeschichte von 1811 lesen, den auktorialen Erzähler und den berühmten Zeitraffer untersuchen und mit der Kurzgeschichte vergleichen.
Lektion
Kalendergeschichte: Hebels «Unverhofftes Wiedersehen»Vor gut 200 Jahren lasen viele Familien im Jahr nur ein einziges Buch neben der Bibel: den Kalender. Darin standen Mondphasen, Markttage und kurze…
Material
Johann Peter Hebel: Unverhofftes Wiedersehen (Volltext) (öffnet eine externe Seite)Projekt Gutenberg, Lizenz: Text gemeinfrei, Seite: Alle Rechte vorbehalten, nur verlinkt
Material
Kalendergeschichte: Begriff und Geschichte (öffnet eine externe Seite)Wikipedia, Lizenz: CC BY-SA 4.0
Aufgabe
Die Geschichte aus Sicht der Braut
Schreib einen inneren Monolog der alten Frau (150 bis 250 Wörter) in dem Moment, in dem sie ihren Bräutigam nach fünfzig Jahren wiedererkennt.
- Ich-Form, Präsens
- Erinnerungen an den letzten Morgen und an das Halstuch
- Bezug zu mindestens zwei Stellen aus Hebels Text
Unterstreiche die Stellen, die sich auf den Originaltext beziehen.
Abschnitt 4
Parabel deuten: Kafkas «Kleine Fabel»
Eine Deutungshypothese aufstellen, im Dreischritt belegen und im literarischen Gespräch verschiedene Lesarten prüfen.
Lektion
Kafkas «Kleine Fabel» deuten: Hypothese, Beleg, GesprächDer folgende Text hat nur drei Sätze. Trotzdem streiten Leserinnen und Leser seit fast hundert Jahren darüber, was er bedeutet. Er stammt von Franz…
Material
Franz Kafka: Kleine Fabel (Volltext) (öffnet eine externe Seite)Projekt Gutenberg, Lizenz: Text gemeinfrei, Seite: Alle Rechte vorbehalten, nur verlinkt
Aufgabe
Deutung im Dreischritt
Schreib zu Kafkas «Kleiner Fabel» eine kurze Deutung (200 bis 300 Wörter).
- Ein Satz zum ersten Leseeindruck
- Deine Deutungshypothese (beginnend mit «Der Text lässt sich lesen als …»)
- Zwei Absätze im Dreischritt Behauptung, Zitat, Erklärung
- Ein Satz zu einer anderen möglichen Lesart
Markiere die drei Schritte in deinen Absätzen farbig.
Abschnitt 5
Eigene Kurzgeschichte und Übungsmix
Eine Kurzgeschichte nach Muster planen und schreiben, Gefühle zeigen statt erklären, Wissen mit einem Übungsmix sichern.
Lektion
Eine eigene Kurzgeschichte schreibenDu hast drei sehr verschiedene kurze Erzähltexte untersucht: eine Kurzgeschichte von heute, eine Kalendergeschichte von 1811 und eine Parabel von…
Aufgabe
Meine Kurzgeschichte
Schreib eine Kurzgeschichte (300 bis 450 Wörter) zu einer Alltagssituation, in der für deine Hauptfigur etwas auf dem Spiel steht.
- Gib zuerst deine Planungsnotizen ab (Situation, Wunsch, Angst, Wendepunkt, Symbol, Leerstelle).
- Prüfe den Text vor der Abgabe mit der Checkliste aus der Lektion.
- Gib der Geschichte einen Titel, der nicht alles verrät.
Hinweise für Lehrpersonen
Bezug zum Lehrplan 21
Die Reihe setzt vor allem den Kompetenzbereich D.6 Literatur im Fokus um:
- D.6.C.1.h: «kennen einzelne typische inhaltliche, formale oder sprachliche Merkmale von Erzähltexten (z.B. Kurzgeschichte, Roman)» und «können sich mit unvertrauten literarischen Texten auseinandersetzen (z.B. aus einer anderen Zeit …)» (Lektion 1, 3, 4).
- D.6.C.1.i: typische Perspektiven von Figuren nachvollziehen, die Sprechweise der Figuren analysieren (Lektion 2 und 3).
- D.6.A.2.h bis j: im literarischen Gespräch das eigene Verstehen formulieren, verschiedene Bedeutungen erkennen, Nicht-Verstandenes aushalten (Lektion 4).
- D.6.A.1.h: nach dem Muster eines literarischen Textes (z.B. Kurzgeschichte) selbst einen Text schreiben (Lektion 5).
- Dazu D.2.C.1.i: Eigenschaften, Stimmungen und Absichten von Figuren erschliessen, auch wenn sie nicht explizit erwähnt sind.
Texte und Rechte
- «Gleis 3» ist eigens für diese Reihe geschrieben (rund 350 Wörter, Absatznummern). Sie dürfen den Text im Kurs frei verwenden.
- Johann Peter Hebel (1760 bis 1826, geboren in Basel) und Franz Kafka (1883 bis 1924) sind gemeinfrei. «Unverhofftes Wiedersehen» und «Kleine Fabel» stehen vollständig in den Lektionen, in der Rechtschreibung der Textgrundlage (Projekt Gutenberg), also mit Eszett. Die Lektionen weisen darauf hin, dass Zitate im eigenen Text nach Schweizer Regel mit ss geschrieben werden.
- Bekannte Schweizer Kurzgeschichten wie Peter Bichsels «San Salvador» oder Texte von Franz Hohler sind urheberrechtlich geschützt. Sie eignen sich als Vergleichs- oder Prüfungstexte aus Ihrem Lehrmittel und werden hier nicht abgedruckt. Auch Robert Walser (gestorben 1956) ist bis Ende 2026 noch geschützt.
Zeitplan (6 Lektionen)
| Kurslektion | Inhalt | Unterrichtslektionen |
|---|---|---|
| 1 | Merkmale der Kurzgeschichte an «Gleis 3» | 1 |
| 2 | Erzähler, Perspektive, Zeitgestaltung, Sprechweise | 1 |
| 3 | Hebels Kalendergeschichte, Vergleich mit der Kurzgeschichte | 1 |
| 4 | Kafkas «Kleine Fabel»: Deuten und literarisches Gespräch | 1 |
| 5 | Eigene Kurzgeschichte planen, schreiben, überarbeiten; Übungsmix | 2 |
Die Lektionsnummern in diesen Hinweisen beziehen sich auf die fünf Kurslektionen.
Didaktische Hinweise
- Lassen Sie vor jeder Analyse einen ersten Leseeindruck und offene Fragen notieren. Die Leerstellen der Texte erzeugen echte Gesprächsanlässe.
- Hebels Text ist sprachlich anspruchsvoll. Lesen Sie ihn vor; die Geschichte wurde für das Vorlesen geschrieben. Die Worterklärungen stehen in der Lektion.
- Der Bezug zu Basel macht Hebel für Schweizer Klassen greifbar. Hebel schrieb auch alemannische Gedichte, ein Anknüpfungspunkt für den Vergleich von Mundart und Standardsprache.
- Beim literarischen Gespräch in Lektion 4 bewährt sich eine feste Rolle für die Gesprächsleitung und eine Regel: Wer eine Lesart vorschlägt, nennt die Textstelle.
- Bestehen Sie darauf, dass Zitate gedeutet werden. Die Formel «Behauptung, Zitat, Erklärung» eignet sich als Korrekturzeichen.
Typische Schwierigkeiten
- Nacherzählen statt Deuten.
- Verwechslung von Autorin oder Autor und Erzähler.
- Merkmale werden als Liste aufgezählt, ohne Nachweis am Text. Nicht jede Kurzgeschichte hat jedes Merkmal.
- Bei Kafka: Deutungen, die auf der Bildebene bleiben («Katzen sind gefährlich»), oder beliebige Deutungen ohne Textsignal.
- In eigenen Geschichten werden Gefühle benannt statt gezeigt.
Differenzierung
- Grundlagen: Merkmalstabelle mit vorgegebenen Belegen zum Zuordnen, Hebels Text mit Lesehilfe in Abschnitten.
- Weiter: eigene Belege, Umschreiben in eine andere Perspektive, Dreischritt-Absätze.
- Knobeln: zweite eigene Deutung zu Kafka, Vergleich der drei Enden, vollständige eigene Kurzgeschichte mit Symbol.
Beurteilung
Für die eigene Kurzgeschichte (Lektion 5) eignet sich die Checkliste der Lektion als Beurteilungsraster. Für eine schriftliche Prüfung empfiehlt sich eine kurze, unbekannte Kurzgeschichte aus Ihrem Lehrmittel mit Fragen zu Merkmalen, Perspektive und einer Deutung im Dreischritt.
Häufige Fragen
Für welches Schuljahr ist die Reihe gedacht?
Für die 2. und 3. Sekundarschule (8. und 9. Schuljahr). Der Lehrplan 21 nennt die Merkmale der Kurzgeschichte und das literarische Gespräch über Texte aus einer anderen Zeit für den Zyklus 3.
Welche Texte werden verwendet, und darf ich sie abgeben?
Die eigens geschriebene Kurzgeschichte «Gleis 3», Hebels «Unverhofftes Wiedersehen» und Kafkas «Kleine Fabel». Alle drei stehen vollständig in den Lektionen. Hebel und Kafka sind gemeinfrei, «Gleis 3» dürfen Sie im Kurs frei verwenden.
Wie viele Lektionen brauche ich?
Sechs Lektionen, davon zwei für das eigene Schreiben. Für eine Prüfung mit Besprechung kommen zwei weitere hinzu.
Ist Hebels Text nicht zu schwierig?
Die Sprache ist alt, die Geschichte aber kurz und berührend. Mit Vorlesen und den Worterklärungen in der Lektion kommen auch schwächere Lesende gut mit. Für das Niveau mit Grundansprüchen reichen die Grundlagenaufgaben.
Quellen
- Lehrplan 21, Deutsch, D.6.C.1 Literarische Texte: Beschaffenheit und Wirkung (Bildungsdirektion Kanton Zürich, Lizenz: Amtliches Werk, abgerufen am 03.11.2026)
- Lehrplan 21, Deutsch, D.6.A.2 Literarisches Gespräch (Bildungsdirektion Kanton Zürich, Lizenz: Amtliches Werk, abgerufen am 03.11.2026)
- Johann Peter Hebel: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes (Textgrundlage) (Projekt Gutenberg, Lizenz: Text gemeinfrei, abgerufen am 03.11.2026)
- Franz Kafka: Erzählungen II (Textgrundlage) (Projekt Gutenberg, Lizenz: Text gemeinfrei, abgerufen am 03.11.2026)
- Unverhofftes Wiedersehen (Wikipedia, Lizenz: CC BY-SA 4.0, abgerufen am 03.11.2026)
- Kleine Fabel (Wikipedia, Lizenz: CC BY-SA 4.0, abgerufen am 03.11.2026)
Bildnachweise
- Titelbild: KI-generiert
- Porträt Johann Peter Hebels, Bleistiftzeichnung (1810): Bild: Christian Friedrich Müller, Public Domain, Wikimedia Commons (öffnet eine externe Seite)
- Franz Kafka, um 1906: Bild: Atelier Jacobi (Sigismund Jacobi), Public Domain, Wikimedia Commons (öffnet eine externe Seite)
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