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Aus der Vorlage Leben im Mittelalter: Stände, Lehnswesen, Kloster und Stadt

Selbsttest Mittelalter: Begriffe, Fälle und Urteil

Lektion 6 von 6

Darum geht es

Du hast das Leben im Mittelalter aus vier Blickwinkeln kennengelernt: Stände, Lehnswesen und Grundherrschaft, Kloster und Stadt. In dieser Lektion verbindest du das Wissen, prüfst dich selbst und übst, mit Quellen und Darstellungen zu arbeiten. Am Ende steht eine kleine Urteilsaufgabe.

Erklärung

Die wichtigsten Begriffe auf einen Blick

BegriffBedeutung in einem Satz
StandGruppe mit gleichen Rechten und Pflichten, in die man hineingeboren wird
Lehenverliehenes Land, Amt oder Recht
VasallEmpfänger eines Lehens, schuldet Treue, Rat und Hilfe
GrundherrschaftHerrschaft eines Grundherrn über Land und abhängige Bauern
FrondienstArbeit, die abhängige Bauern für den Grundherrn leisten mussten
ZehntAbgabe an die Kirche
KlosterGemeinschaft von Mönchen oder Nonnen nach einer Regel
Stadtrechtbesondere Rechte einer Stadt wie Markt, Mauer, Gericht und Selbstverwaltung
ZunftZusammenschluss der Handwerker eines Berufs
QuelleZeugnis aus der Zeit selbst
Darstellungspäter entstandene Deutung der Vergangenheit

Wie alles zusammenhängt

Die Ordnungen griffen ineinander. Ein Abt war Geistlicher (erster Stand), oft Vasall des Königs (Lehnswesen) und Grundherr vieler Bauern (Grundherrschaft). Ein Bauernsohn, der in die Stadt floh, verließ die Grundherrschaft und konnte Bürger werden. Die Lehre von den drei Ständen passte immer weniger zur Wirklichkeit, je mehr Menschen in den Städten als Handwerker und Kaufleute lebten.

So gehst du bei einer Urteilsaufgabe vor

Wenn eine Aufgabe mit beurteilen beginnt, sollst du zu einer begründeten Einschätzung kommen. Gehe in vier Schritten vor:

  1. Lege fest, wonach du urteilst (Kriterien), zum Beispiel Freiheit, Sicherheit, Versorgung.
  2. Sammle Argumente aus Quellen und Wissen für jede Seite.
  3. Wäge ab: Was wiegt schwerer?
  4. Formuliere dein Urteil in einem Satz mit Begründung.

Beispiele

Beispiel 1: Begriffe in einem Fall anwenden

Fall: Graf Konrad hat vom Herzog ein Dorf erhalten. Er schwört dem Herzog Treue und zieht mit ihm in den Krieg. Die Bauern des Dorfes liefern Konrad jedes Jahr Getreide und arbeiten drei Tage in der Woche auf seinen Feldern.

  • Herzog und Konrad: Lehnswesen. Der Herzog ist Lehnsherr, Konrad Vasall, das Dorf das Lehen.
  • Konrad und die Bauern: Grundherrschaft. Getreide sind Abgaben, die Arbeit auf den Feldern ist Frondienst.

Beispiel 2: Ein kurzes Urteil

Frage: War das Leben in der Stadt besser als auf dem Land?

  • Kriterien: Freiheit und Sicherheit.
  • Für die Stadt: Bürger hatten mehr Rechte, Unfreie konnten frei werden, die Mauer schützte.
  • Gegen die Stadt: Viele Einwohner hatten kein Bürgerrecht, es war eng, Krankheiten verbreiteten sich schnell, und Minderheiten wie Juden waren nicht sicher.
  • Urteil: Für Bürger mit Besitz bot die Stadt mehr Freiheit und Sicherheit als das Dorf. Für Arme, Gesellen und Juden war das nur eingeschränkt so. Die Antwort hängt also davon ab, um wen es geht.

Merksatz

Das Mittelalter war eine Gesellschaft der Stände, der persönlichen Bindungen und der Abhängigkeit. Klöster und Städte schufen eigene Lebensformen. Wer über diese Zeit urteilt, muss sagen, aus wessen Sicht und nach welchen Kriterien.

Übungen

Grundlagen

  1. Ordne die Begriffe Vasall, Zunft, Abt, Frondienst und Stadtrecht jeweils den Bereichen Lehnswesen, Grundherrschaft, Kloster oder Stadt zu.
  2. Richtig oder falsch? Begründe kurz. a) Die meisten Menschen im Mittelalter lebten in Städten. b) „Ora et labora“ steht wörtlich in der Benediktsregel. c) Die Ständepyramide ist eine Quelle aus dem Mittelalter.
  3. Erkläre am Beispiel der Benediktsregel, was eine Textquelle ist.

Weiter

  1. Wende die Begriffe Lehnsherr, Vasall, Grundherr und Abgaben auf diesen Fall an: Das Kloster Corvey erhält vom König Land an der Weser. Bauern auf diesem Land liefern dem Kloster Getreide und Honig.
  2. Vergleiche das Leben eines Mönchs mit dem eines Ritters. Nenne zwei Gemeinsamkeiten und zwei Unterschiede.

Knobeln

  1. Beurteile die Aussage: „Im Mittelalter hing das ganze Leben von der Geburt ab.“ Gehe nach den vier Schritten vor.
  2. In einem Spiel heißt es: „Mittelalterliche Städte waren schmutzig und gefährlich.“ Überprüfe die Aussage mit dem, was du gelernt hast. Was fehlt in diesem Bild?

Lösungen

  1. Vasall: Lehnswesen. Frondienst: Grundherrschaft. Abt: Kloster (oft auch Lehnswesen und Grundherrschaft). Zunft und Stadtrecht: Stadt.
  2. a) Falsch: Etwa neun von zehn Menschen lebten auf dem Land. b) Falsch: Der Spruch ist eine spätere Zusammenfassung. c) Falsch: Sie ist eine heutige Darstellung.
  3. Die Benediktsregel wurde im 6. Jahrhundert von Benedikt geschrieben. Sie stammt aus der Zeit selbst und ist ein geschriebener Text, also eine Textquelle.
  4. Der König ist Lehnsherr, das Kloster Corvey (vertreten durch den Abt) ist Vasall und erhält das Land als Lehen. Gegenüber den Bauern ist das Kloster Grundherr. Getreide und Honig sind Abgaben.
  5. Gemeinsamkeiten: Beide gehören zu den oberen Ständen, beide stehen in festen Treue- oder Gehorsamsverhältnissen (Vasall, Gelübde). Unterschiede: Der Mönch betet und arbeitet im Kloster, lebt ehelos und ohne eigenen Besitz. Der Ritter kämpft, besitzt ein Lehen und hat eine Familie.
  6. Erwartungshorizont: Kriterien zum Beispiel Beruf, Rechte, Aufstiegsmöglichkeiten. Dafür: Stand, Rechte und Beruf ergaben sich meist aus der Familie, Bauernkinder blieben fast immer Bauern. Dagegen: Über das Kloster war ein Aufstieg möglich, Flucht in die Stadt konnte Freiheit bringen, Zünfte nahmen Lehrlinge auf. Urteil: Die Geburt bestimmte das Leben sehr stark, aber nicht vollständig.
  7. Erwartungshorizont: Enge, Schmutz und Krankheiten gab es, und Minderheiten waren gefährdet. Das Bild ist aber einseitig: Städte boten Schutz durch Mauern, Rechte und Selbstverwaltung, Märkte, Handwerk, Schulen und Spitäler. Für viele Menschen bedeuteten sie mehr Freiheit als das Leben auf dem Dorf.

Zur Vorlage: Leben im Mittelalter: Stände, Lehnswesen, Kloster und Stadt

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