Darum geht es
Burgen, Ritter, Mönche und Marktplätze: Viele Bilder vom Mittelalter kennst du aus Filmen, Spielen oder vom Mittelaltermarkt. Aber wie lange dauerte das Mittelalter eigentlich? Und woher wissen wir überhaupt etwas über Menschen, die vor 800 Jahren gelebt haben? In dieser Lektion ordnest du das Mittelalter auf einem Zeitstrahl ein und lernst den wichtigsten Unterschied im Fach Geschichte kennen: den Unterschied zwischen Quelle und Darstellung.
Erklärung
Eine Epoche von rund 1000 Jahren
Historikerinnen und Historiker teilen die Geschichte Europas in große Abschnitte ein. Solche Abschnitte heißen Epochen. Die drei bekanntesten sind:
- Antike: von den ersten Hochkulturen am Mittelmeer bis etwa 500 nach Christus,
- Mittelalter: etwa 500 bis 1500,
- Neuzeit: seit etwa 1500 bis heute.
Das Wort „Mittelalter“ stammt nicht aus dem Mittelalter selbst. Gelehrte im 15. und 16. Jahrhundert nannten die Zeit so, weil sie für sie „in der Mitte“ lag: zwischen der bewunderten Antike und ihrer eigenen Gegenwart. Die Menschen des Mittelalters wussten also nicht, dass sie „im Mittelalter“ leben.
Weil 1000 Jahre eine sehr lange Zeit sind, teilt man das Mittelalter noch einmal ein: in Früh-, Hoch- und Spätmittelalter. Die Grenzen sind Vereinbarungen. Für den Anfang nennt man oft das Ende des Weströmischen Reiches (476), für das Ende die Erfindung des Buchdrucks (um 1450), die Fahrt des Kolumbus nach Amerika (1492) oder den Beginn der Reformation (1517).
Rechnen mit Jahrhunderten
Ein Jahrhundert umfasst 100 Jahre. Das 13. Jahrhundert sind die Jahre 1201 bis 1300, umgangssprachlich auch „die 1200er-Jahre“. Die Faustregel: Die erste Zahl plus 1 ergibt das Jahrhundert. 1230 liegt also im 13. Jahrhundert.
Quellen und Darstellungen
Niemand von uns war im Mittelalter dabei. Was wir wissen, stammt aus Überresten jener Zeit. Fachleute unterscheiden zwei Arten von Material:
- Quellen sind alle Zeugnisse, die aus der Zeit selbst stammen: Urkunden, Briefe, Chroniken, Gedichte, Bilder in Handschriften, aber auch Gegenstände wie Münzen, Werkzeuge, Kleidung oder Gebäude. Es gibt Textquellen, Bildquellen und Sachquellen.
- Darstellungen sind Texte, Bilder oder Filme, die später über die Vergangenheit gemacht wurden. Dein Schulbuchtext, ein Lexikonartikel, eine Dokumentation oder ein Mittelalterfilm sind Darstellungen.
Darstellungen beruhen im besten Fall auf Quellen. Trotzdem sind sie immer eine Deutung: Jemand hat ausgewählt, was wichtig ist, und hat Lücken gefüllt. Auch Quellen zeigen nie die ganze Wahrheit. Sie haben eine Verfasserin oder einen Verfasser mit eigenen Absichten. Im Mittelalter konnten nur wenige Menschen schreiben, vor allem Geistliche. Darum erfahren wir aus Texten viel über Klöster, Könige und Adlige, aber wenig darüber, was Bäuerinnen und Bauern selbst dachten.
Fragen an eine Quelle
Wenn du eine Quelle untersuchst, helfen dir diese W-Fragen:
- Wer hat sie gemacht?
- Wann und wo ist sie entstanden?
- Was zeigt oder sagt sie?
- Für wen und wozu wurde sie gemacht?
Beispiele
Beispiel 1: Quelle oder Darstellung?
| Material | Einordnung | Begründung |
|---|---|---|
| Ein Burgtor aus dem 13. Jahrhundert | Quelle (Sachquelle) | Es stammt aus der Zeit selbst. |
| Ein Erklärvideo über Ritter von 2024 | Darstellung | Es wurde viel später über das Mittelalter gemacht. |
| Eine Urkunde Kaiser Friedrichs I. von 1158 | Quelle (Textquelle) | Sie wurde damals geschrieben. |
| Ein Foto einer Burgruine von heute | Darstellung, die eine Sachquelle zeigt | Das Foto ist von heute, die Ruine ist eine Quelle. |
Das letzte Beispiel zeigt: Manchmal musst du genau hinsehen, was eigentlich gemeint ist.
Beispiel 2: Ein Jahr einordnen
Der Sachsenspiegel, ein berühmtes Rechtsbuch, entstand um 1230.
- Jahrhundert: 12 + 1 = 13. Jahrhundert.
- Abschnitt: 1230 liegt zwischen 1050 und 1250, also im Hochmittelalter.
- Abstand zu heute (2026): 2026 − 1230 = 796 Jahre.
Merksatz
Merke: Das Mittelalter reicht von etwa 500 bis 1500. Quellen stammen aus der Zeit selbst, Darstellungen wurden später über diese Zeit gemacht. Beide musst du kritisch befragen: Wer, wann, wo, was, wozu?
Übungen
Grundlagen
- Nenne die drei großen Epochen der europäischen Geschichte mit ihren ungefähren Jahreszahlen.
- Ordne zu: Quelle oder Darstellung? a) ein Kettenhemd im Museum, b) dein Geschichtsbuch, c) ein Gebet, das ein Mönch um 900 aufgeschrieben hat, d) ein Computerspiel über Burgen.
- In welchem Jahrhundert liegen 529, 1120 und 1492?
Weiter
- Erkläre, warum das Wort „Mittelalter“ selbst schon eine Deutung ist.
- Erkläre mit eigenen Worten, warum wir aus Textquellen wenig über das Denken von Bauern erfahren.
Knobeln
- Ein Mittelaltermarkt in deiner Stadt verkauft „echtes Ritteressen mit Kartoffeln“. Überprüfe diese Werbung. Tipp: Woher kommt die Kartoffel, und wann kam sie nach Europa?
- Ist ein Gemälde aus dem Jahr 1880, das eine Ritterschlacht zeigt, eine Quelle oder eine Darstellung? Begründe und überlege, wofür es doch eine Quelle sein kann.
Lösungen
- Antike (bis etwa 500 nach Christus), Mittelalter (etwa 500 bis 1500), Neuzeit (seit etwa 1500).
- a) Quelle (Sachquelle), b) Darstellung, c) Quelle (Textquelle), d) Darstellung.
- 529: 6. Jahrhundert. 1120: 12. Jahrhundert. 1492: 15. Jahrhundert.
- Gelehrte der frühen Neuzeit gaben der Zeit den Namen. Sie sahen sie als Zwischenzeit zwischen der von ihnen bewunderten Antike und ihrer eigenen Zeit. Der Name enthält also eine Bewertung von außen.
- Im Mittelalter konnten vor allem Geistliche lesen und schreiben. Sie schrieben aus ihrer Sicht und meist über Kirche, Herrscher und Adel. Bauern hinterließen selbst kaum Texte.
- Die Werbung stimmt nicht. Die Kartoffel stammt aus Südamerika und kam erst nach 1492, in größerem Umfang sogar erst im 17. und 18. Jahrhundert, nach Europa. Ritter des Mittelalters aßen Brot, Brei, Gemüse wie Rüben und Kohl, Hülsenfrüchte und, wenn sie es sich leisten konnten, Fleisch.
- Für das Mittelalter ist das Gemälde eine Darstellung, weil es 1880 gemalt wurde. Es ist aber eine Quelle für das 19. Jahrhundert: Es zeigt, wie Menschen um 1880 sich das Mittelalter vorstellten.