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Aus der Vorlage Erörterung schreiben

Erörterung planen: Thema erschließen, Stoff sammeln, gliedern

Lektion 2 von 6

Darum geht es

In der Klassenarbeit hast du 90 Minuten. Viele fangen sofort an zu schreiben und merken nach einer Seite, dass ihnen die Argumente ausgehen oder dass sie am Thema vorbeischreiben. Gute Erörterungen entstehen vorher: beim genauen Lesen der Aufgabe, beim Sammeln und beim Ordnen. Wer zehn bis fünfzehn Minuten plant, schreibt danach schneller und besser.

Erklärung

Schritt 1: Die Fragestellung genau lesen

Unterstreiche die Schlüsselwörter der Aufgabe. Achte besonders auf die Art der Frage:

FragetypBeispielAufbau
Ergänzungsfrage (W-Frage)Welche Gründe sprechen für ein Ehrenamt? Wie kann die Schule Müll vermeiden?linear (steigernd): Argumente für eine Seite, nach Gewicht geordnet
Entscheidungsfrage (Ja-Nein-Frage)Sollten Handys an Schulen verboten werden? Ist ein Pflichtjahr für alle sinnvoll?antithetisch (Pro und Kontra): beide Seiten abwägen, dann entscheiden

Kläre außerdem unklare Begriffe. Bei „Sollten Handys an Schulen verboten werden?“ musst du festlegen: Geht es um den Unterricht, die Pausen oder das ganze Schulgelände? Wer genau definiert, schreibt genauer.

Schritt 2: Stoff sammeln

Schreib alles auf, was dir einfällt, zunächst ohne zu bewerten. Hilfreich sind:

  • eine Mindmap mit der Frage in der Mitte,
  • eine Pro-Kontra-Tabelle bei Entscheidungsfragen,
  • Perspektiven wechseln: Was sagen Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern, Fachleute?
  • Bereiche abklopfen: Gesundheit, Lernen, Gemeinschaft, Kosten, Umwelt, Sicherheit, Freiheit.

Schritt 3: Ordnen und gewichten

  • Fasse Ähnliches zusammen. Zwei Stichpunkte, die dasselbe meinen, werden ein Argument.
  • Streiche schwache oder doppelte Punkte.
  • Ordne die Argumente nach Gewicht: das stärkste ans Ende der eigenen Seite (Steigerung).
  • Notiere zu jedem Argument einen Beleg oder ein Beispiel.

Schritt 4: Gliederung

Die Gliederung ist dein Bauplan. Sie enthält Stichworte, keine ganzen Sätze.

Beispiele

Beispiel 1: Stoffsammlung zu einer Entscheidungsfrage

Frage: Sollten private Handys an Schulen während der gesamten Schulzeit verboten werden?

Begriffsklärung: Gemeint ist die Nutzung im Unterricht und in den Pausen, nicht der Besitz.

Pro (Verbot)Kontra (kein Verbot)
mehr Konzentration im UnterrichtHandy als Werkzeug im Unterricht (Recherche, Lernapps)
Pausen mit Bewegung und GesprächenErreichbarkeit für Eltern in Notfällen
weniger Cybermobbing und heimliche FotosJugendliche lernen keinen verantwortungsvollen Umgang, wenn alles verboten ist
weniger Vergleich und Druck durch soziale MedienKontrolle ist aufwendig, Streit über Regeln
gleiche Bedingungen für alleVerbote verschieben die Nutzung nur auf den Nachmittag

Beispiel 2: Ordnen und gewichten

Zusammenfassen: „mehr Konzentration“ und „weniger Ablenkung durch Nachrichten“ sind ein Argument.

Gewichten auf der Pro-Seite (vom schwächsten zum stärksten):

  1. gleiche Bedingungen für alle
  2. Pausen mit Bewegung und Gesprächen
  3. weniger Cybermobbing
  4. mehr Konzentration im Unterricht

Warum ist „Konzentration“ hier am stärksten? Weil sie den eigentlichen Zweck der Schule betrifft und alle Schülerinnen und Schüler jeden Tag angeht. Über die Reihenfolge kann man streiten. Wichtig ist, dass du sie begründen kannst.

Beispiel 3: Gliederung

  • A Einleitung: Anlass (Diskussion um Handyverbote), Begriffsklärung, Fragestellung
  • B Hauptteil
    • I Argumente gegen ein Verbot
      1. Verantwortung lernen statt verbieten
      2. Handy als Lernwerkzeug
      3. Erreichbarkeit in Notfällen
      4. Kontrolle aufwendig
    • II Argumente für ein Verbot
      1. gleiche Bedingungen
      2. Pausen mit Bewegung und Gesprächen
      3. Schutz vor Cybermobbing
      4. Konzentration im Unterricht
  • C Schluss: Abwägung, eigene Position, Ausblick

Diese Gliederung folgt dem Sanduhr-Prinzip: Erst kommt die Gegenseite, vom stärksten zum schwächsten Argument, dann die eigene Position, vom schwächsten zum stärksten Argument. Wie das genau funktioniert, lernst du in Lektion 4.

Merksatz

Plane vor dem Schreiben: Fragetyp bestimmen (W-Frage: linear, Ja-Nein-Frage: antithetisch), Begriffe klären, Stoff sammeln, ordnen und gewichten, gliedern. Das stärkste Argument der eigenen Seite steht am Ende.

Übungen

Grundlagen

  1. Linear oder antithetisch? a) Sollte das Wahlalter auf 16 gesenkt werden? b) Welche Vorteile hat ein Auslandsjahr? c) Ist Schuluniform sinnvoll? d) Wie können Jugendliche das Klima schützen?
  2. Welche Begriffe musst du in der Frage „Sollte Fast Food an Schulen verboten werden?“ klären?

Weiter

  1. Lege eine Pro-Kontra-Tabelle zur Frage an: „Sollten Hausaufgaben abgeschafft werden?“ Mindestens vier Punkte pro Seite.
  2. Fasse zusammen und gewichte die Pro-Seite deiner Tabelle aus Aufgabe 3. Begründe, welches Argument am stärksten ist.

Knobeln

  1. Die Frage lautet: „Welche Vor- und Nachteile hat Online-Unterricht?“ Ist das eine Ergänzungs- oder eine Entscheidungsfrage? Welcher Aufbau passt? Begründe.

Lösungen

  1. a) antithetisch (Entscheidungsfrage). b) linear (Ergänzungsfrage). c) antithetisch. d) linear.
  2. „Fast Food“ (Pommes, Burger, Süßigkeiten, Softdrinks?), „an Schulen“ (Mensa, Kiosk, Automaten, mitgebrachtes Essen?), „verboten“ (Verkaufsverbot oder Verbot des Verzehrs?).
  3. Zum Beispiel: Pro (abschaffen): mehr Freizeit und Erholung; Ungleichheit, weil nicht alle zu Hause Hilfe bekommen; Streit in Familien; Übungszeit kann in den Unterricht verlegt werden. Kontra (beibehalten): Üben festigt das Gelernte; Selbstständigkeit und Zeitmanagement werden trainiert; Lehrkräfte sehen, wo Probleme liegen; Eltern erfahren, was gelernt wird.
  4. Zum Beispiel: „Streit in Familien“ und „mehr Freizeit“ lassen sich als „Entlastung des Familienlebens“ zusammenfassen. Gewichtung: Entlastung, Verlegung in den Unterricht, Bildungsungleichheit. Am stärksten ist die Ungleichheit, weil sie die Chancengerechtigkeit betrifft: Hausaufgaben belohnen vor allem diejenigen, die zu Hause Unterstützung bekommen.
  5. Formal ist es eine Ergänzungsfrage (W-Frage), sie verlangt aber ausdrücklich Vor- und Nachteile, also zwei Seiten. Passend ist ein antithetischer Aufbau. Eine eigene Entscheidung ist nicht unbedingt gefordert, ein abwägender Schluss aber sinnvoll. Lies also immer die ganze Aufgabe, nicht nur das Fragewort.

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