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Aus der Vorlage Erörterung schreiben

Erörterung überarbeiten: Musteraufsatz und Checkliste

Lektion 6 von 6

Darum geht es

Du hast alle Bausteine einer Erörterung kennengelernt. Hier siehst du, wie sie in einem vollständigen Aufsatz zusammenwirken. Danach prüfst du mit einer Checkliste, lernst die häufigsten Fehler kennen und testest dich selbst. So bist du auf die Klassenarbeit vorbereitet.

Erklärung

Checkliste

BereichPrüffrage
AufgabePasst der Aufbau zur Frage (linear oder antithetisch)? Sind Begriffe geklärt?
EinleitungFührt sie zur Fragestellung, ohne die Position zu verraten?
ArgumenteHat jedes Argument These, Begründung und Beleg?
ReihenfolgeIst die Gewichtung erkennbar (Sanduhr oder Steigerung)?
GegenseiteWird sie fair und stark dargestellt?
ÜberleitungenSind Absätze und Blöcke sprachlich verbunden?
MaterialienSind sie ausgewertet, gekennzeichnet (vgl. M1) und erklärt?
SchlussAbwägung, klare Position, keine neuen Argumente?
Sprachesachlich, Präsens, keine Umgangssprache, Ich-Form nur im Schluss oder sparsam?

Die fünf häufigsten Fehler

  1. Argumente ohne Beleg: Behauptungen stehen unbegründet nebeneinander.
  2. Aufzählung statt Erörterung: Jedes Argument bekommt nur einen Satz.
  3. Gegenseite als Strohmann: Die Gegenargumente sind so schwach formuliert, dass sie niemand vertreten würde.
  4. Position im Schluss fehlt oder kippt: Der Schluss widerspricht dem Hauptteil.
  5. Umgangssprache: „voll nervig“, „mega wichtig“ gehören nicht in einen sachlichen Text.

Beispiele

Musteraufsatz (antithetisch, Sanduhr-Prinzip)

Frage: Sollten private Handys an Schulen während der gesamten Schulzeit verboten werden?

Einleitung: In einer gewöhnlichen Doppelstunde vibriert irgendwo im Raum fast ständig ein Handy. Viele Schulen ziehen daraus Konsequenzen und verbieten private Smartphones im Unterricht, manche auch in den Pausen. Gemeint ist damit, dass die Geräte während der Schulzeit ausgeschaltet in der Tasche bleiben. Ist ein solches Verbot für die gesamte Schulzeit sinnvoll?

Gegenseite: Gegen ein Verbot spricht vor allem, dass das Handy ein nützliches Lernwerkzeug sein kann. Begriffe lassen sich schnell nachschlagen, Tafelbilder fotografieren und Lernapps nutzen. Gerade an Schulen, die nicht genügend eigene Tablets haben, würden diese Möglichkeiten ohne private Geräte wegfallen.

Ein weiteres Argument ist die Erreichbarkeit. Wenn sich nachmittags Pläne ändern, weil etwa ein Training ausfällt, möchten Eltern ihr Kind schnell erreichen können. In Notfällen kann diese Erreichbarkeit beruhigend sein.

Schließlich lässt sich ein Verbot nur mit großem Aufwand kontrollieren. Lehrkräfte müssten ständig nachsehen und Geräte einsammeln, was zu Streit führt und Zeit kostet.

Überleitung: Diese Einwände sind ernst zu nehmen. Dennoch sprechen aus meiner Sicht gewichtigere Gründe für ein Verbot.

Eigene Seite: Zunächst schafft ein Verbot gleiche Bedingungen für alle. Wer kein neues Smartphone besitzt, fällt nicht auf, und der Vergleich darüber, wer welches Gerät hat, verliert an Bedeutung.

Darüber hinaus schützt ein Verbot vor Cybermobbing in der Schule. Heimlich aufgenommene Fotos oder Videos, die in Gruppenchats verbreitet werden, können Mitschülerinnen und Mitschüler schwer verletzen. Ohne Handys in der Schule entfällt zumindest diese Gelegenheit.

Am schwersten wiegt jedoch, dass Handys die Konzentration erheblich stören. Selbst ein lautloses Gerät auf dem Tisch zieht die Aufmerksamkeit auf sich, weil man ständig mit neuen Nachrichten rechnet. Jede Unterbrechung kostet Zeit, bis man wieder in eine Aufgabe hineinfindet. Da die Schule in erster Linie ein Ort des Lernens ist, sollte dieses Argument den Ausschlag geben.

Schluss: Nach Abwägung aller Argumente halte ich ein Verbot privater Handys während der gesamten Schulzeit für richtig, weil Konzentration und ein ungestörtes Miteinander schwerer wiegen als die Vorteile ständiger Erreichbarkeit. Damit digitales Lernen nicht zu kurz kommt, sollten Schulen eigene Geräte für den Unterricht bereitstellen, und für Notfälle bleibt das Sekretariat erreichbar. So ließe sich der Nutzen der Technik erhalten, ohne dass das Handy den Schulalltag bestimmt.

Der Aufsatz hat etwa 350 Wörter und ist damit eine knappe Fassung. In der Klassenarbeit belegst du die Argumente meist ausführlicher. Die fett gedruckten Teilüberschriften schreibst du nicht hin. Sie zeigen hier nur den Aufbau.

Einen schwachen Absatz verbessern

Schwach:

Handys sind voll ablenkend. Außerdem gibt es Cybermobbing. Und manche haben kein teures Handy.

Probleme: Umgangssprache („voll“), drei Argumente in drei Sätzen ohne Begründung und Beleg, keine Gewichtung, keine Überleitung.

Verbessert: siehe die drei Absätze der eigenen Seite im Musteraufsatz.

Merksatz

Prüfe deine Erörterung mit der Checkliste. Achte besonders auf vollständige Argumente, eine faire Gegenseite, erkennbare Gewichtung, Überleitungen und einen Schluss, der abwägt und nichts Neues einführt.

Übungen

Grundlagen

  1. Selbsttest: Richtig oder falsch? a) Im Schluss darf man ein besonders starkes neues Argument nennen. b) Beim Sanduhr-Prinzip steht das stärkste eigene Argument am Ende. c) Eine W-Frage verlangt immer eine antithetische Erörterung. d) Materialien werden mit „vgl. M…“ gekennzeichnet.
  2. Finde im Musteraufsatz alle Überleitungswörter, die eine Steigerung anzeigen.

Weiter

  1. Schreib den Absatz „Erreichbarkeit“ des Musteraufsatzes so um, dass er das Material M2 aus Lektion 5 als Beleg nutzt.
  2. Plane eine vollständige Erörterung zur Frage „Sollte an Schulen ein Unterrichtsfach ‚Alltagskompetenzen‘ eingeführt werden?“: Fragetyp, Begriffsklärung, Stoffsammlung, Gliederung nach dem Sanduhr-Prinzip.

Knobeln

  1. Schreib zur Frage aus Aufgabe 4 die Erörterung aus (etwa 400 bis 600 Wörter) und prüfe sie mit der Checkliste. Markiere die Überleitung zwischen den Blöcken.

Lösungen

  1. a) falsch. Neue Argumente gehören in den Hauptteil. b) richtig. c) falsch. W-Fragen werden meist linear erörtert, Entscheidungsfragen antithetisch, entscheidend ist aber die ganze Aufgabenstellung. d) richtig.
  2. „Zunächst“, „Darüber hinaus“, „Am schwersten wiegt jedoch“. Auf der Gegenseite markieren „vor allem“, „Ein weiteres Argument“ und „Schließlich“ die Reihenfolge.
  3. Zum Beispiel: „Ein weiteres Argument ist die Erreichbarkeit. In einer Umfrage der Schülervertretung gaben 41 Prozent an, ihr Handy in der Schule zu brauchen, um für ihre Eltern erreichbar zu sein (vgl. M2). Wenn sich Pläne ändern oder ein Notfall eintritt, wollen Familien schnell Kontakt aufnehmen können.“
  4. Zum Beispiel: Entscheidungsfrage, also antithetisch. Begriffsklärung: „Alltagskompetenzen“ meint etwa Umgang mit Geld und Verträgen, Ernährung, Haushalt, Behördengänge. Kontra (stärkstes zuerst): Stundentafel ist schon voll, andere Fächer müssten gekürzt werden; Aufgabe der Eltern; Inhalte könnten in bestehende Fächer eingebaut werden. Überleitung. Pro (schwächstes zuerst): praktische Abwechslung im Schulalltag; Vorbereitung auf Ausbildung und Studium; gleiche Chancen für alle, auch für Jugendliche, die zu Hause nicht lernen, wie man einen Vertrag liest. Schluss: Abwägung, Position, Kompromiss (zum Beispiel als Projektwoche oder Wahlpflichtkurs).
  5. Individuelle Lösung. Prüfe mit der Checkliste: Jede These hat Begründung und Beleg, die Gegenseite ist fair, die Überleitung ist deutlich, der Schluss bringt nichts Neues.

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