Darum geht es
„Wir sollten im Sommer länger Ferien haben, weil es zu heiß ist.“ Klingt erst einmal gut. Aber überzeugt das deine Schulleiterin? Wahrscheinlich nicht. Ihr fehlen Belege, und sie kann leicht kontern: Es gibt doch Hitzefrei. Wer andere überzeugen will, braucht mehr als eine Meinung. Er braucht Argumente, die gut gebaut sind. Sie sind das Fundament jeder Erörterung, also eines Aufsatzes, in dem du eine Frage gründlich abwägst und begründet beantwortest.
Erklärung
Der Dreischritt: These, Argument, Beispiel
Ein vollständiges Argument hat drei Teile:
| Teil | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| These (Behauptung) | Was behaupte ich? | Schulen sollten einen Schulgarten anlegen. |
| Argument (Begründung) | Warum ist das so? | Im Garten lernen Schülerinnen und Schüler Biologie praktisch und nachhaltig. |
| Beleg oder Beispiel | Woran sieht man das? | Wer selbst Bohnen gesät und geerntet hat, versteht Keimung und Wachstum besser als durch ein Schaubild. |
Verbunden wird das Ganze mit Wörtern wie „weil“, „denn“, „da“ und „zum Beispiel“, „das zeigt sich daran, dass …“.
Arten von Belegen
| Art | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Faktenbeleg | überprüfbare Tatsache, Zahl, Studie | eine Statistik aus einer genannten Quelle |
| Erfahrungsbeleg | eigene oder allgemein bekannte Erfahrung | „Wer schon einmal ein Referat frei gehalten hat, weiß …“ |
| Autoritätsbeleg | Aussage einer Fachperson oder Institution | „Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt …“ |
| Normativer Beleg | Berufung auf Werte, Rechte, Regeln | „Jeder Mensch hat ein Recht auf Bildung.“ |
Faktenbelege überzeugen am stärksten, wenn die Quelle genannt wird. Erfahrungsbelege sind anschaulich, aber leicht angreifbar, weil sie nur Einzelfälle zeigen.
Schwache Argumente erkennen
- Verallgemeinerung: „Alle Jugendlichen sind handysüchtig.“ Ein Einzelfall wird zur Regel gemacht.
- Scheinbegründung: „Hausaufgaben sind sinnlos, weil sie nichts bringen.“ Die Begründung wiederholt nur die These.
- Angriff auf die Person: „Herr Meyer ist gegen das Projekt, aber er ist ja auch schon alt.“ Statt auf die Sache wird auf die Person gezielt.
Argumente gewichten
Nicht jedes Argument ist gleich stark. Ein Argument wiegt schwerer, wenn es viele Menschen betrifft, langfristig wirkt oder Gesundheit und Sicherheit berührt. In einer Erörterung ordnest du Argumente deshalb nach ihrem Gewicht.
Beispiele
Beispiel 1: Ein schwaches Argument verbessern
Schwach:
Wir sollten länger Sommerferien haben, weil es zu heiß ist.
Was fehlt? Die These ist da, die Begründung ist zu knapp, ein Beleg fehlt ganz.
Besser:
Die Sommerferien sollten in heißen Jahren flexibel verlängert werden können, weil Unterricht bei großer Hitze kaum noch wirksam ist. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass viele Klassenräume sich im Sommer stark aufheizen und konzentriertes Arbeiten dann für viele kaum möglich ist. Hitzefrei hilft nur stundenweise und lässt sich nicht planen.
Die These ist genauer, die Begründung nennt eine Ursache, der Beleg ist anschaulich, und ein möglicher Einwand (Hitzefrei) wird gleich entkräftet.
Beispiel 2: Ein Argument im Dreischritt
Frage: Sollten Schulen ein Fach „Alltagskompetenzen“ einführen?
These: Ein Fach „Alltagskompetenzen“ wäre sinnvoll.
Argument: Viele Jugendliche verlassen die Schule, ohne zu wissen, wie man einen Vertrag liest, einen Haushalt plant oder eine Steuererklärung macht.
Beispiel: Wer mit 18 den ersten Handyvertrag abschließt, kann ohne Grundwissen über Laufzeiten und Kündigungsfristen schnell in eine teure Falle geraten.
Merksatz
Ein überzeugendes Argument besteht aus These, Begründung und Beleg oder Beispiel. Belege können Fakten, Erfahrungen, Aussagen von Fachleuten oder Werte sein. Vermeide Verallgemeinerungen, Scheinbegründungen und Angriffe auf Personen. Ordne Argumente nach ihrem Gewicht.
Übungen
Grundlagen
- Bestimme These, Argument und Beispiel: „Haustiere sind gut für Kinder. Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen. Wer jeden Tag den Hund ausführen muss, merkt, dass ein anderes Lebewesen von ihm abhängt.“
- Um welche Art von Beleg handelt es sich? a) „Laut Straßenverkehrsordnung müssen Radfahrende …“ b) „Ich habe selbst erlebt, dass …“ c) „Die Polizei rät dazu, …“
Weiter
- Ergänze zu der These „Klassenfahrten sollten in jeder Jahrgangsstufe stattfinden“ zwei vollständige Argumente im Dreischritt.
- Welcher Fehler steckt in diesem Argument? Verbessere es. „Computerspiele machen aggressiv. Mein Cousin spielt jeden Tag und ist total aggressiv.“
Knobeln
- Ordne diese drei Argumente für einen späteren Schulbeginn nach ihrem Gewicht und begründe deine Reihenfolge. a) Jugendliche haben morgens weniger Stress im Bus. b) Der Schlafrhythmus von Jugendlichen verschiebt sich in der Pubertät nach hinten, was Konzentration und Gesundheit betrifft. c) Man kann vor der Schule noch in Ruhe frühstücken.
Lösungen
- These: „Haustiere sind gut für Kinder.“ Argument: „Sie lernen, Verantwortung zu übernehmen.“ Beispiel: „Wer jeden Tag den Hund ausführen muss, merkt, dass ein anderes Lebewesen von ihm abhängt.“
- a) normativer Beleg (Regel, Gesetz). b) Erfahrungsbeleg. c) Autoritätsbeleg.
- Zum Beispiel: „Klassenfahrten stärken die Gemeinschaft, weil Schülerinnen und Schüler sich außerhalb des Unterrichts anders kennenlernen. Wer gemeinsam eine Wanderung bewältigt oder ein Zimmer teilt, entdeckt bei Mitschülerinnen und Mitschülern Seiten, die im Klassenraum verborgen bleiben.“ und „Klassenfahrten ermöglichen Lernen am Ort, denn viele Themen lassen sich vor Ort besser verstehen. Ein Besuch in einer Gedenkstätte etwa macht Geschichte greifbarer als jedes Schulbuch.“
- Verallgemeinerung: Ein Einzelfall (der Cousin) wird zur Regel gemacht. Außerdem bleibt offen, ob das Spielen die Ursache ist. Verbessert zum Beispiel: „Manche Fachleute vermuten, dass sehr gewalthaltige Spiele bei manchen Jugendlichen kurzfristig aggressive Gefühle verstärken können. Ob dauerhaft aggressives Verhalten entsteht, ist umstritten.“ Die These wird vorsichtiger, und der Beleg stützt sich nicht mehr auf einen Einzelfall.
- Sinnvolle Reihenfolge vom schwächsten zum stärksten: c, a, b. Frühstück (c) ist angenehm, aber eine persönliche Gewohnheit. Weniger Stress im Bus (a) betrifft viele, ist aber eher Komfort. Das biologische Argument (b) betrifft alle Jugendlichen und berührt Gesundheit und Lernerfolg. Es wiegt deshalb am schwersten.