Darum geht es
Deine Schule sucht Freiwillige für eine Hausaufgabenhilfe, und du sollst in der Schülerzeitung erklären, warum sich das Mitmachen lohnt. Hier geht es nicht um Pro und Kontra. Du willst eine Position begründen, und zwar so, dass sich die Überzeugungskraft von Absatz zu Absatz steigert. Dafür eignet sich die lineare oder steigernde Erörterung.
Erklärung
Wann linear?
Die lineare Erörterung passt zu Ergänzungsfragen (W-Fragen) wie:
- Warum lohnt es sich, ein Ehrenamt zu übernehmen?
- Welche Gründe sprechen für ein Schülerpraktikum?
- Wie kann eine Schule klimafreundlicher werden?
Du entwickelst die Antwort in eine Richtung. Ein möglicher Einwand wird meist kurz aufgegriffen und entkräftet. Das macht deine Position glaubwürdiger.
Aufbau
Der Einwand kann auch vor dem stärksten Argument stehen. Dann endet der Hauptteil mit deinem besten Punkt.
Jedes Argument ein Absatz
Ein Argumentationsabsatz folgt dem Dreischritt aus Lektion 1 und wird mit dem vorigen verknüpft:
- Einstieg und These: „Ein erster Grund ist …“, „Hinzu kommt, dass …“
- Begründung: „…, weil …“, „Das liegt daran, dass …“
- Beleg oder Beispiel: „Das zeigt sich etwa …“, „So kann zum Beispiel …“
- Rückbezug: „Damit lohnt sich ein Ehrenamt bereits, weil …“
Steigernde Überleitungen
| Stufe | Überleitungen |
|---|---|
| Einstieg | Zunächst einmal …, Ein erster Grund ist … |
| Weiterführung | Darüber hinaus …, Außerdem …, Hinzu kommt … |
| Steigerung | Noch wichtiger ist …, Vor allem aber …, Entscheidend ist schließlich … |
| Einwand | Zwar …, aber …; Man könnte einwenden, dass … Dem lässt sich entgegenhalten, dass … |
Beispiele
Beispiel: Hauptteil einer linearen Erörterung
Frage: Warum lohnt es sich für Jugendliche, ein Ehrenamt zu übernehmen?
Ein erster Grund ist, dass ein Ehrenamt Spaß macht und neue Kontakte schafft. Wer beim Sportverein ein Kindertraining betreut oder in der Bücherei vorliest, lernt Menschen kennen, denen er sonst kaum begegnet wäre. Aus solchen Begegnungen entstehen oft Freundschaften über die eigene Klasse hinaus.
Darüber hinaus erwirbt man Fähigkeiten, die in der Schule zu kurz kommen. Eine Gruppe von zehn Kindern zu leiten, verlangt Planung, Geduld und Durchsetzungsvermögen. Diese Erfahrungen sind auch später wertvoll, zum Beispiel bei der Bewerbung um einen Ausbildungsplatz, denn viele Betriebe achten auf soziales Engagement.
Vor allem aber erfährt man, dass das eigene Handeln etwas bewirkt. Wenn ein Grundschulkind dank der Hausaufgabenhilfe endlich die Malaufgaben beherrscht, sieht man direkt, was die eigene Zeit wert war. Dieses Gefühl stärkt das Selbstvertrauen mehr als jede gute Note.
Man könnte einwenden, dass Jugendliche mit Schule und Hobbys schon genug zu tun haben. Das stimmt, doch ein Ehrenamt muss nicht viel Zeit kosten. Schon zwei Stunden in der Woche reichen für eine Hausaufgabenhilfe, und viele Vereine sind froh über jede Unterstützung.
Was du daran siehst:
- Die Argumente steigern sich: von Spaß und Kontakten (persönlicher Gewinn) über Fähigkeiten (Zukunft) zur Erfahrung von Wirksamkeit (Persönlichkeit).
- Jeder Absatz hat These, Begründung und Beispiel.
- Die Überleitungen zeigen die Steigerung: „Ein erster Grund“, „Darüber hinaus“, „Vor allem aber“.
- Der Einwand wird nicht verschwiegen, sondern entkräftet.
Merksatz
Die lineare (steigernde) Erörterung beantwortet eine W-Frage in eine Richtung. Ordne die Argumente vom schwächsten zum stärksten, schreib zu jedem einen Absatz im Dreischritt und verbinde die Absätze mit steigernden Überleitungen. Greif einen möglichen Einwand auf und entkräfte ihn.
Übungen
Grundlagen
- Ordne die Überleitungen der richtigen Stufe zu (Einstieg, Weiterführung, Steigerung): „Am schwersten wiegt …“, „Zunächst …“, „Außerdem …“.
- Bestimme in dem Musterbeispiel die These des zweiten Absatzes und das Beispiel des dritten Absatzes.
Weiter
- Schreib einen Argumentationsabsatz zur Frage „Welche Gründe sprechen für ein Schülerpraktikum?“ mit These, Begründung, Beispiel und Rückbezug.
- Formuliere einen möglichen Einwand gegen Schülerpraktika und entkräfte ihn in zwei bis drei Sätzen.
Knobeln
- Ein Mitschüler hat seine Argumente zur Frage „Warum sollte man regelmäßig lesen?“ so geordnet: 1. Lesen erweitert den Wortschatz und verbessert die Rechtschreibung. 2. Lesen ist ein schönes Hobby. 3. Lesen hilft, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Beurteile die Reihenfolge und verbessere sie, falls nötig.
Lösungen
- Einstieg: „Zunächst …“. Weiterführung: „Außerdem …“. Steigerung: „Am schwersten wiegt …“.
- These Absatz 2: „Darüber hinaus erwirbt man Fähigkeiten, die in der Schule zu kurz kommen.“ Beispiel Absatz 3: Ein Grundschulkind beherrscht dank der Hausaufgabenhilfe die Malaufgaben.
- Zum Beispiel: „Ein wichtiger Grund für ein Schülerpraktikum ist, dass man die Berufswelt von innen kennenlernt. In der Schule hört man über Berufe meist nur Beschreibungen, im Betrieb erlebt man dagegen echte Arbeitsabläufe. Wer zwei Wochen in einer Tischlerei mitarbeitet, merkt schnell, ob ihm handwerkliche Arbeit liegt. Das Praktikum hilft also, die eigene Berufswahl auf Erfahrung zu gründen.“
- Zum Beispiel: „Man könnte einwenden, dass ein Praktikum Unterrichtszeit kostet. Allerdings lernen Schülerinnen und Schüler im Betrieb vieles, was der Unterricht nicht leisten kann, etwa Pünktlichkeit im Arbeitsalltag und den Umgang mit Kundschaft. Die verlorenen Stunden werden durch diese Erfahrungen mehr als ausgeglichen.“
- Die Reihenfolge ist nicht steigernd: Das schwächste Argument (2: schönes Hobby, eine persönliche Vorliebe) steht in der Mitte. Sinnvoller ist 2, 1, 3. Das Hobby-Argument ist am schwächsten, Wortschatz und Rechtschreibung sind ein klarer schulischer Nutzen, das Hineinversetzen in andere (Empathie) betrifft das Zusammenleben und die Persönlichkeit und wiegt deshalb am schwersten. Wer Wortschatz und Rechtschreibung für wichtiger hält, kann 2, 3, 1 begründen. Entscheidend ist die Begründung.