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Aus der Vorlage Erörterung schreiben

Die antithetische Erörterung: Sanduhr und Pingpong

Lektion 4 von 6

Darum geht es

„Sollten private Handys an Schulen verboten werden?“ Auf diese Frage gibt es keine Antwort, die alle zufriedenstellt. Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler haben gute Gründe auf beiden Seiten. Wer hier überzeugen will, darf die Gegenseite nicht verschweigen. Er muss sie ernst nehmen, abwägen und dann begründet entscheiden. Genau das leistet die antithetische Erörterung, auch dialektische oder Pro-Kontra-Erörterung genannt.

Erklärung

These und Antithese

  • Die These ist die Position, die du am Ende vertrittst.
  • Die Antithese ist die Gegenposition.
  • Am Schluss steht deine Abwägung: eine begründete Entscheidung oder ein Kompromiss (Synthese).

Bevor du schreibst, musst du also wissen, welche Seite du am Ende vertreten willst. Diese Seite kommt zuletzt, denn was am Ende steht, bleibt am besten im Gedächtnis.

Zwei Bauformen

Sanduhr-Prinzip (Blockbauweise): Erst kommen alle Argumente der Gegenseite, vom stärksten zum schwächsten. Dann folgt eine Überleitung. Danach kommen die eigenen Argumente, vom schwächsten zum stärksten. Die Argumente werden zur Mitte hin schwächer und danach wieder stärker, wie eine Sanduhr.

Interaktive Grafik

Pingpong-Prinzip (Reißverschluss): Argument und Gegenargument wechseln sich ab. Zu jedem Gesichtspunkt (zum Beispiel Lernen, Sicherheit, Gemeinschaft) stellst du erst die Gegenseite und dann deine Sicht dar. Diese Form wirkt lebendig, verlangt aber, dass sich die Argumente wirklich aufeinander beziehen.

Für den Anfang ist das Sanduhr-Prinzip sicherer. Es ist übersichtlich und lässt sich gut planen.

Die Überleitung

Die Überleitung zwischen den Blöcken ist der wichtigste Satz des Hauptteils. Sie zeigt, dass jetzt die Gegenseite abgeschlossen ist und die stärkere Seite folgt:

  • „Diesen Argumenten stehen jedoch gewichtige Gründe gegenüber.“
  • „So nachvollziehbar diese Einwände sind, überzeugen mich die Gründe für ein Verbot mehr.“

Der Schluss

Im Schluss wägst du ab. Du nennst noch einmal das entscheidende Argument, formulierst deine Position und kannst einen Kompromiss vorschlagen oder einen Ausblick geben. Neue Argumente gehören nicht in den Schluss.

Beispiele

Beispiel 1: Ein Absatz der Gegenseite

Gegen ein Verbot spricht vor allem, dass das Handy ein nützliches Werkzeug für den Unterricht sein kann. Mit ihm lassen sich Begriffe schnell nachschlagen, Lernvideos ansehen oder Ergebnisse fotografieren. In vielen Fächern werden heute Lernapps eingesetzt, die ohne eigenes Gerät nicht nutzbar wären, wenn die Schule zu wenige Tablets hat. Ein vollständiges Verbot würde diese Möglichkeiten verschenken.

Die Gegenseite wird fair und stark dargestellt. Das macht die eigene Position am Ende glaubwürdiger.

Beispiel 2: Überleitung und ein eigener Absatz

Diese Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen. Dennoch sprechen gewichtigere Gründe für ein Verbot.

Am schwersten wiegt, dass Handys die Konzentration im Unterricht erheblich stören. Schon ein Gerät, das stumm auf dem Tisch liegt, lenkt viele ab, weil sie ständig auf neue Nachrichten warten. Wer während einer Matheaufgabe dreimal auf das Display schaut, verliert jedes Mal den Faden und braucht Zeit, um wieder hineinzufinden. Da die Schule vor allem ein Ort des Lernens ist, sollte dieses Argument den Ausschlag geben.

Beispiel 3: Schluss mit Kompromiss

Nach Abwägung aller Argumente halte ich ein Verbot privater Handys im Unterricht und in den Pausen für richtig, weil Konzentration und ein Miteinander ohne Bildschirm schwerer wiegen als die Vorteile der ständigen Erreichbarkeit. Damit das Lernen mit digitalen Medien nicht zu kurz kommt, sollte die Schule eigene Tablets bereitstellen, die gezielt im Unterricht eingesetzt werden. So bliebe der Nutzen der Geräte erhalten, ohne dass private Handys den Schulalltag bestimmen.

Merksatz

Die antithetische Erörterung beantwortet eine Entscheidungsfrage, indem sie Antithese und These abwägt. Beim Sanduhr-Prinzip steht zuerst die Gegenseite (stärkstes bis schwächstes Argument), dann eine Überleitung, dann die eigene Seite (schwächstes bis stärkstes). Der Schluss wägt ab und begründet die eigene Position, oft mit einem Kompromiss.

Übungen

Grundlagen

  1. Ordne nach dem Sanduhr-Prinzip. Deine Position: für ein Handyverbot. Argumente: a) Kontra: Erreichbarkeit in Notfällen (mittel), b) Pro: Konzentration (stark), c) Kontra: Lernwerkzeug (stark), d) Pro: gleiche Bedingungen (schwach), e) Kontra: Kontrolle aufwendig (schwach), f) Pro: Schutz vor Cybermobbing (mittel).
  2. Schreib zwei eigene Überleitungen zwischen Antithese und These.

Weiter

  1. Schreib einen Absatz der Gegenseite zur Frage „Sollte es an Schulen eine Schuluniform geben?“ Deine eigene Position ist dagegen.
  2. Formuliere einen Schluss mit Kompromissvorschlag zur Frage „Sollten Hausaufgaben abgeschafft werden?“

Knobeln

  1. Wandle Beispiel 1 und Beispiel 2 in einen Pingpong-Abschnitt zum Gesichtspunkt „Lernen“ um. Beziehe beide Argumente ausdrücklich aufeinander.

Lösungen

  1. Einleitung, dann c (Lernwerkzeug, stark), a (Notfälle, mittel), e (Kontrolle, schwach), Überleitung, dann d (gleiche Bedingungen, schwach), f (Cybermobbing, mittel), b (Konzentration, stark), Schluss.
  2. Zum Beispiel: „Trotz dieser Einwände überwiegen aus meiner Sicht die Gründe für ein Verbot.“ und „Betrachtet man die Frage jedoch aus der Sicht des Lernens, ergibt sich ein anderes Bild.“
  3. Zum Beispiel: „Für eine Schuluniform spricht, dass sie den Druck durch Markenkleidung verringern kann. Wenn alle gleich gekleidet sind, fällt weniger auf, wer sich teure Kleidung leisten kann und wer nicht. Gerade Schülerinnen und Schüler aus Familien mit wenig Geld könnten so vor Spott und Ausgrenzung geschützt werden.“ Die Gegenseite wird fair dargestellt, obwohl man selbst dagegen ist.
  4. Zum Beispiel: „Nach Abwägung der Argumente halte ich eine vollständige Abschaffung der Hausaufgaben nicht für sinnvoll, weil das selbstständige Üben für den Lernerfolg wichtig bleibt. Allerdings sollten Hausaufgaben so gestaltet sein, dass alle sie ohne Hilfe der Eltern lösen können, und ein Teil der Übungszeit könnte in betreute Lernzeiten in der Schule verlegt werden.“
  5. Zum Beispiel: „Wer die Handynutzung befürwortet, betont, dass Smartphones im Unterricht als Werkzeug dienen können, etwa zum Nachschlagen oder für Lernapps. Dieser Vorteil lässt sich jedoch auch mit schuleigenen Tablets erreichen, die nur im Unterricht ausgegeben werden. Private Handys bringen dagegen eine Ablenkung mit, die Schulgeräte nicht haben: Nachrichten, soziale Medien und Spiele. Beim Gesichtspunkt Lernen spricht deshalb mehr für ein Verbot privater Geräte als dagegen.“

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