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Aus der Vorlage Argumentieren und Erörtern: Stellungnahme, Leserbrief, Debatte

Stellungnahme und Leserbrief schreiben

Lektion 3 von 6

Darum geht es

In der Regionalzeitung steht: «Gemeinderat will Busverbindung am Abend streichen.» Ab 20 Uhr fährt dann kein Bus mehr von deinem Dorf in die Stadt. Du ärgerst dich, denn du hast zweimal pro Woche Training in der Stadt. Was kannst du tun? Du kannst einen Leserbrief schreiben. Darin nimmst du öffentlich Stellung und versuchst, andere zu überzeugen. In dieser Lektion lernst du, wie eine Stellungnahme aufgebaut ist und wie ein Leserbrief wirkt.

Erklärung

Die lineare Argumentation

In einer Stellungnahme vertrittst du eine Position. Du baust die Argumente linear auf, also nacheinander in einer Linie. Meist steigerst du dabei: vom weniger wichtigen zum stärksten Argument. So bleibt das stärkste Argument am Schluss im Kopf.

Aufbau einer Stellungnahme:

  1. Einleitung: Anlass nennen (worauf beziehst du dich?) und deine Position klar sagen.
  2. Hauptteil: zwei bis drei Argumente, je mit Begründung und Beleg, steigernd geordnet. Ein Gegenargument aufgreifen und entkräften.
  3. Schluss: Position bekräftigen, eine Forderung oder einen Vorschlag formulieren.

Der Leserbrief

Ein Leserbrief ist eine Stellungnahme, die in einer Zeitung oder auf einem Onlineportal veröffentlicht wird. Er hat ein paar Besonderheiten:

  • Bezug: Er bezieht sich auf einen Artikel oder ein aktuelles Thema. Titel und Datum des Artikels werden oft genannt.
  • Kürze: Viele Zeitungen drucken nur 1200 bis 2000 Zeichen. Jeder Satz muss sitzen.
  • Titel: Eine kurze Überschrift macht neugierig und zeigt die Position.
  • Name und Wohnort: Ein Leserbrief erscheint mit vollem Namen und Wohnort. Anonyme Leserbriefe werden nicht gedruckt.
  • Ton: sachlich und respektvoll, auch wenn du dich ärgerst. Persönliche Angriffe schwächen deine Position und werden oft nicht veröffentlicht.

Sprachliche Mittel

  • Position klar machen: «Ich halte es für falsch, dass …», «Meiner Meinung nach …»
  • Argumente verbinden: «Ein erster Grund ist …», «Hinzu kommt, dass …», «Am schwersten wiegt aber …»
  • Gegenargument aufgreifen: «Der Gemeinderat argumentiert, dass … Dabei übersieht er …»
  • Schluss: «Darum fordere ich …», «Ich bitte den Gemeinderat, …»
  • Rhetorische Frage, sparsam: «Wie sollen Jugendliche ohne Auto am Abend nach Hause kommen?»

Beispiele

Beispiel 1: Ein Leserbrief

Der Abendbus ist für uns kein Luxus

Zum Artikel «Gemeinderat will Busverbindung am Abend streichen» vom 3. November

Ich bin 15 Jahre alt und halte es für falsch, dass der Gemeinderat den Bus nach 20 Uhr streichen will.

Ein erster Grund: Viele Jugendliche aus unserem Dorf sind am Abend in Vereinen in der Stadt aktiv, beim Fussball, in der Musikschule oder im Jugendchor. Ohne Bus müssten die Eltern sie jedes Mal fahren. Das bedeutet mehr Autoverkehr und mehr Abgase.

Hinzu kommt, dass auch ältere Menschen ohne Auto betroffen sind. Wer am Abend ins Theater oder zu Besuch in die Stadt will, bleibt künftig zu Hause.

Am schwersten wiegt für mich aber die Sicherheit. Wenn kein Bus fährt, gehen manche zu Fuss über die unbeleuchtete Kantonsstrasse oder fahren bei anderen Jugendlichen mit, die erst seit Kurzem den Führerausweis haben.

Der Gemeinderat argumentiert, der Bus sei am Abend oft fast leer. Das stimmt vielleicht an manchen Tagen. Dann könnte aber ein kleinerer Bus oder ein Rufbus fahren, statt die Verbindung ganz zu streichen.

Ich bitte den Gemeinderat, eine solche Lösung zu prüfen, bevor er entscheidet.

Mia Baumann, Hinwil

Aufbau: Bezug und Position (Absatz 1 bis 2), drei Argumente steigernd (Vereine, ältere Menschen, Sicherheit), Gegenargument entkräftet, Schluss mit Forderung.

Beispiel 2: Einen unsachlichen Satz verbessern

Unsachlich: «Der Gemeinderat hat offenbar keine Ahnung, wie Jugendliche leben.»

Sachlich: «Ich habe den Eindruck, dass die Bedürfnisse von Jugendlichen bei diesem Entscheid zu wenig berücksichtigt wurden.»

Merksatz

Eine Stellungnahme vertritt eine Position und ordnet die Argumente linear und steigernd. Ein Leserbrief bezieht sich auf einen Anlass, ist kurz und sachlich, hat einen Titel und erscheint mit Name und Wohnort. Ein entkräftetes Gegenargument macht ihn überzeugender.

Übungen

Grundlagen

  1. Ordne die Teile eines Leserbriefs: Forderung, Titel, Argumente, Bezug zum Artikel, Name und Wohnort, Position.
  2. Welches der drei Argumente in Mias Leserbrief ist das stärkste? Woran erkennst du, dass sie es selbst so sieht?

Weiter

  1. Mach die Sätze sachlicher: a) «Diese Idee ist einfach nur dumm.» b) «Die Erwachsenen denken sowieso nur an sich.»
  2. Schreib eine Einleitung (zwei bis drei Sätze) für einen Leserbrief zum Thema «Die Gemeinde will das Freibad nur noch an Wochenenden öffnen».

Knobeln

  1. Schreib einen vollständigen Leserbrief (180 bis 250 Wörter) zu einem Thema aus deiner Gemeinde oder deiner Schule. Halte dich an den Aufbau aus der Lektion.
  2. Warum veröffentlichen Zeitungen keine anonymen Leserbriefe? Nenne zwei Gründe.

Lösungen

  1. Titel, Bezug zum Artikel, Position, Argumente, Forderung, Name und Wohnort.
  2. Die Sicherheit. Mia leitet es mit «Am schwersten wiegt für mich aber …» ein und stellt es an den Schluss der Argumente.
  3. Zum Beispiel: a) «Ich halte diese Idee für wenig durchdacht, weil …» b) «Ich habe den Eindruck, dass die Anliegen der Jugendlichen zu wenig gehört werden.»
  4. Zum Beispiel: «Im Artikel ‹Freibad nur noch am Wochenende› vom 12. Mai lese ich, dass die Gemeinde Kosten sparen will. Ich verstehe das Anliegen, halte den Vorschlag aber für den falschen Weg.»
  5. Individuelle Lösung. Prüfe: Titel, Bezug, klare Position, mindestens zwei Argumente mit Beleg, steigernde Reihenfolge, ein entkräftetes Gegenargument, Forderung, sachlicher Ton, Name und Wohnort.
  6. Wer öffentlich Stellung nimmt, soll dafür einstehen. Das schützt vor beleidigenden oder falschen Behauptungen. Ausserdem können Leserinnen und Leser einschätzen, wer schreibt, zum Beispiel eine Betroffene oder ein Gemeinderat.

Zur Vorlage: Argumentieren und Erörtern: Stellungnahme, Leserbrief, Debatte

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