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Aus der Vorlage Argumentieren und Erörtern: Stellungnahme, Leserbrief, Debatte

Dialektische Erörterung schreiben: Aufbau und Überleitungen

Lektion 4 von 6

Darum geht es

Nicht jede Frage hat eine einfache Antwort. «Sollen Schulen Smartphones im Unterricht nutzen?» Darauf gibt es gute Gründe dafür und gute Gründe dagegen. Wer eine solche Frage gründlich beantworten will, schreibt eine Erörterung. Darin wägst du beide Seiten ab und kommst zu einem begründeten Urteil. Die Erörterung ist auch eine häufige Aufgabe in Aufnahmeprüfungen und Abschlussarbeiten. In dieser Lektion lernst du den Aufbau der dialektischen Erörterung (Pro und Contra).

Erklärung

Lineare und dialektische Erörterung

  • Lineare Erörterung: Du vertrittst eine Seite und ordnest die Argumente steigernd. Das kennst du von der Stellungnahme.
  • Dialektische Erörterung: Du stellst beide Seiten dar, wägst sie ab und kommst am Schluss zu einem eigenen Urteil. Diese Form passt zu Entscheidungsfragen wie «Soll …?» oder «Ist es sinnvoll, dass …?».

Aufbau einer dialektischen Erörterung

1. Einleitung

  • Hinführung zum Thema: ein aktueller Anlass, ein Beispiel, eine Zahl, eine Frage.
  • Die Streitfrage nennen.
  • Noch keine eigene Meinung verraten.

2. Hauptteil

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Argumente zu ordnen:

Blockmodell (Sanduhr)Pingpong-Modell (Reissverschluss)
Zuerst alle Argumente der Seite, die du am Schluss nicht vertrittst, vom stärksten zum schwächsten. Dann eine Überleitung. Dann die Argumente deiner Seite, vom schwächsten zum stärksten.Argument und Gegenargument wechseln sich ab, jeweils zum selben Teilaspekt (zum Beispiel Kosten, Gesundheit, Lernen).
übersichtlich, gut für den Einstieganspruchsvoller, zeigt genaues Abwägen

So steht beim Blockmodell das stärkste Argument deiner Seite ganz am Ende des Hauptteils, direkt vor dem Schluss.

3. Schluss

  • Die wichtigsten Argumente kurz abwägen.
  • Ein begründetes Urteil formulieren: Welche Seite überzeugt dich mehr und warum?
  • Möglich: ein Kompromiss, ein Vorschlag oder ein Ausblick.

Überleitungen

Überleitungen verbinden die Teile und machen den Text lesbar:

  • zum ersten Argument: «Für … spricht zunächst, dass …»
  • zum nächsten Argument: «Ein weiteres Argument ist …», «Ausserdem …»
  • zur Gegenseite: «Auf der anderen Seite …», «Dagegen lässt sich einwenden, dass …»
  • zum Schluss: «Wägt man die Argumente ab, …», «Insgesamt überzeugt mich …»

Sprache

  • sachlich, in der Standardsprache
  • Präsens als Grundzeitform
  • keine Ich-Sätze im Hauptteil, ausser du willst eine eigene Erfahrung als Beleg nennen. Die eigene Meinung gehört in den Schluss.

Beispiele

Beispiel 1: Gliederung im Blockmodell

Streitfrage: Sollen Sekundarschulen Smartphones im Unterricht nutzen?

  1. Einleitung: Viele Schulen in der Schweiz verbieten Handys im Schulhaus, andere setzen sie im Unterricht ein. Streitfrage.
  2. Contra (wird am Schluss nicht vertreten), vom stärksten zum schwächsten:
    • Ablenkung durch Nachrichten und Spiele
    • Nicht alle besitzen ein gleich gutes Gerät, was zu Ungleichheit führt.
    • mehr Bildschirmzeit
  3. Überleitung: «Auf der anderen Seite gibt es gewichtige Gründe, Smartphones gezielt einzusetzen.»
  4. Pro, vom schwächsten zum stärksten:
    • schnelles Nachschlagen
    • Fotos und Videos für Projekte
    • Medienkompetenz: Wer den Umgang mit dem Smartphone in der Schule übt, nutzt es auch im Alltag verantwortungsvoller.
  5. Schluss: Abwägen, Urteil: Smartphones ja, aber mit klaren Regeln und nur in geplanten Phasen.

Beispiel 2: Ein Hauptteil-Absatz

«Für den Einsatz von Smartphones spricht vor allem, dass Schülerinnen und Schüler den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien lernen müssen. Smartphones gehören für die meisten Jugendlichen zum Alltag. Wenn die Schule sie nur verbietet, bleibt der Umgang damit dem Zufall überlassen. Im Unterricht kann man dagegen üben, Quellen zu prüfen, Falschmeldungen zu erkennen und die eigene Bildschirmzeit zu planen. Der Lehrplan 21 verlangt diese Medienkompetenzen ausdrücklich.»

Aufbau: These (erster Satz), Begründung (Sätze 2 und 3), Beleg und Beispiel (Sätze 4 und 5).

Merksatz

Eine dialektische Erörterung stellt Pro und Contra dar und endet mit einem begründeten Urteil. Die Einleitung führt zur Streitfrage hin, ohne die eigene Meinung zu verraten. Im Blockmodell kommt die Gegenseite zuerst, die eigene Seite zuletzt mit dem stärksten Argument am Ende. Überleitungen verbinden die Teile.

Übungen

Grundlagen

  1. Ordne die Sätze den Teilen Einleitung, Hauptteil oder Schluss zu: a) «Wägt man die Argumente ab, überwiegen für mich die Vorteile.» b) «Immer mehr Gemeinden diskutieren, ob …» c) «Ein weiteres Argument dagegen ist …»
  2. Was ist am Einleitungssatz falsch? «Ich finde, Schuluniformen sind eine schlechte Idee, und das werde ich jetzt beweisen.»

Weiter

  1. Erstelle eine Gliederung im Blockmodell zur Frage «Soll das Klassenlager ohne Handys stattfinden?»
  2. Schreib eine Einleitung (drei bis vier Sätze) zu dieser Frage.

Knobeln

  1. Schreib den Hauptteil derselben Erörterung im Pingpong-Modell (mindestens zwei Teilaspekte mit je Pro und Contra).
  2. Schreib eine vollständige Erörterung (350 bis 500 Wörter) zu einer Frage aus der Liste: «Soll der Unterricht an Sekundarschulen erst um 8.30 Uhr beginnen?», «Sollen Hausaufgaben abgeschafft werden?», «Soll jede Gemeinde einen Jugendtreff haben?»

Lösungen

  1. a) Schluss. b) Einleitung. c) Hauptteil.
  2. Die Einleitung verrät schon die eigene Meinung und ist zu persönlich. Besser: «Immer wieder wird diskutiert, ob Schuluniformen an Schweizer Schulen sinnvoll wären. Wer dafür ist, erhofft sich weniger Druck durch Markenkleidung. Doch ist eine einheitliche Kleidung wirklich die Lösung?»
  3. Zum Beispiel: Einleitung (Anlass, Streitfrage). Pro Handy, also Gegenseite (vom stärksten): Erreichbarkeit für Eltern im Notfall, Fotos als Erinnerung, Musik am Abend. Überleitung. Contra Handy, also eigene Seite (zum stärksten): ungestörter Schlaf, mehr Spiele und Gespräche, die Gemeinschaft wächst. Schluss: Urteil (Lager ohne Handy, Notfallnummer über die Lagerleitung).
  4. Zum Beispiel: «Am Ende der ersten Lagernacht lagen viele noch um Mitternacht mit dem Handy im Schlafsack. Seither wird an unserer Schule diskutiert, ob die Geräte im Lager eingesammelt werden sollen. Soll das Klassenlager ohne Handys stattfinden?»
  5. Individuelle Lösung. Beispiel für einen Teilaspekt: «Für Handys spricht die Erreichbarkeit: Eltern möchten im Notfall ihr Kind direkt erreichen. Dagegen lässt sich einwenden, dass die Lagerleitung jederzeit erreichbar ist und Notfälle über sie schneller geregelt werden.»
  6. Individuelle Lösung. Prüfe mit der Checkliste in Lektion 6.

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