Darum geht es
Im Schriftlichen hast du Zeit, jedes Argument zu überlegen. In einer Debatte musst du sofort reagieren: Jemand bringt ein Argument, und du antwortest darauf, ohne die Fassung zu verlieren. Debattieren hat in der Schweiz Tradition, von der Gemeindeversammlung bis zur Arena im Fernsehen. Für Schülerinnen und Schüler gibt es sogar einen nationalen Wettbewerb. In dieser Lektion lernst du, wie eine Debatte abläuft, wie du auf Argumente anderer eingehst und warum der Perspektivenwechsel dich stärker macht.
Erklärung
Ablauf einer Pro-Contra-Debatte im Klassenzimmer
- Streitfrage festlegen, zum Beispiel: «Soll an unserer Schule eine Handyregel für die Pausen gelten?»
- Rollen verteilen: je zwei bis vier Personen Pro und Contra, eine Gesprächsleitung, der Rest beobachtet.
- Vorbereitung: Jede Seite sammelt Argumente und überlegt, welche Gegenargumente kommen werden.
- Eröffnungsrunde: Jede Person spricht ohne Unterbrechung eine Minute, abwechselnd Pro und Contra.
- Freie Aussprache: Die Seiten gehen aufeinander ein. Die Gesprächsleitung achtet darauf, dass alle zu Wort kommen.
- Schlussrunde: Jede Person sagt in einem Satz, was sie nach der Debatte denkt.
- Auswertung: Die Beobachtenden geben Rückmeldungen. Die Klasse stimmt ab, ob sich Meinungen verändert haben.
Auf Argumente eingehen
In einer guten Debatte reden die Seiten nicht aneinander vorbei. Du greifst auf, was jemand gesagt hat, und beziehst dein Argument darauf. Diese Schritte helfen:
- Aufgreifen: «Du hast gesagt, dass …»
- Bewerten: «Da hast du recht, was … betrifft.» oder «Das sehe ich anders.»
- Antworten: mit einem eigenen Argument oder einer Frage. «Aber gerade deshalb …», «Wie erklärst du dann, dass …?»
Der Perspektivenwechsel
Wer die Argumente der Gegenseite kennt, kann besser darauf antworten. Darum ist es eine gute Übung, auch einmal die Position zu vertreten, die man selbst nicht teilt. Du merkst dabei, welche Argumente der anderen Seite wirklich stark sind. Das macht deine eigene Position genauer und fairer.
Gesprächsregeln und Gesprächsleitung
- Ausreden lassen, nicht unterbrechen.
- Sachlich bleiben, keine persönlichen Angriffe.
- Kurz sprechen, damit alle zu Wort kommen.
- Die Gesprächsleitung eröffnet, erteilt das Wort, fasst zwischendurch zusammen («Bisher wurden vor allem Argumente zur Sicherheit genannt …») und beendet die Debatte.
Stimme und Körper
Auch in der Debatte wirken paraverbale und nonverbale Mittel: deutlich und nicht zu schnell sprechen, die anderen anschauen, ruhige Gesten. Wer laut wird, wirkt nicht überzeugender, sondern unsicher.
Beispiele
Beispiel 1: Auf ein Argument eingehen
Contra: «Ein Handyverbot in der Pause ist unnötig. Wir sind alt genug, um selbst zu entscheiden.»
Schwache Antwort: «Nein, das stimmt nicht.»
Starke Antwort (Pro): «Du hast gesagt, dass wir alt genug sind, selbst zu entscheiden. Da hast du recht, im Unterricht klappt das ja auch. Aber in der Pause sehen wir, dass fast alle am Handy sind, auch die, die eigentlich lieber Fussball spielen würden. Eine gemeinsame Regel nimmt den Druck weg, ständig erreichbar zu sein.»
Beispiel 2: Die Gesprächsleitung fasst zusammen
«Ich fasse kurz zusammen: Die Pro-Seite betont vor allem die Gemeinschaft auf dem Pausenplatz. Die Contra-Seite sagt, dass Jugendliche selbst Verantwortung übernehmen sollen und das Handy für Abmachungen brauchen. Gibt es einen Vorschlag, der beides verbindet?»
Merksatz
In einer Debatte greifst du die Aussagen anderer auf, bewertest sie und antwortest mit einem eigenen Argument. Der Perspektivenwechsel zeigt dir die Stärken der Gegenseite. Gesprächsregeln und eine Gesprächsleitung sorgen dafür, dass alle fair zu Wort kommen.
Übungen
Grundlagen
- Bring die Phasen einer Debatte in die richtige Reihenfolge: Schlussrunde, Vorbereitung, freie Aussprache, Eröffnungsrunde, Auswertung.
- Nenne drei Aufgaben der Gesprächsleitung.
Weiter
- Antworte mit den drei Schritten Aufgreifen, Bewerten, Antworten auf: «Hausaufgaben sind sinnlos, man lernt in der Schule genug.»
- Schreib für eine Gesprächsleitung eine Zusammenfassung (drei Sätze) zur Debatte «Soll das Pausenkiosk-Angebot nur noch gesunde Produkte enthalten?», nachdem beide Seiten zwei Argumente genannt haben. Erfinde die Argumente.
Knobeln
- Führt in der Klasse eine Debatte durch. Wer eigentlich für Pro ist, vertritt diesmal Contra und umgekehrt. Notiert nachher: Welches Argument der Gegenseite hat euch am meisten überrascht?
- Erkläre, warum in einer Debatte eine Frage manchmal stärker ist als eine Behauptung. Gib ein Beispiel.
Lösungen
- Vorbereitung, Eröffnungsrunde, freie Aussprache, Schlussrunde, Auswertung.
- Zum Beispiel: die Debatte eröffnen, das Wort erteilen, auf die Gesprächsregeln achten, zwischendurch zusammenfassen, die Debatte beenden.
- Zum Beispiel: «Du sagst, dass man in der Schule genug lernt. Für das Verstehen im Unterricht stimmt das oft. Aber Wörter lernen oder Rechnen üben braucht Wiederholung, und dafür reicht die Zeit in der Lektion nicht.»
- Zum Beispiel: «Die Pro-Seite betont die Gesundheit und die Vorbildrolle der Schule. Die Contra-Seite befürchtet, dass die Schülerinnen und Schüler im Laden nebenan Süsses kaufen und dass die eigene Wahl eingeschränkt wird. Wie könnte ein Angebot aussehen, das gesund ist und trotzdem gekauft wird?»
- Individuelle Lösung.
- Eine Frage zwingt die Gegenseite, ihr Argument zu begründen, und deckt Lücken auf. Beispiel: «Wie soll sich jemand ohne gemeinsame Regel gegen den Druck wehren, in der Pause ständig erreichbar zu sein?» Eine Frage darf aber nichts unterstellen, was nicht stimmt. Sonst wirkt sie unfair.