Darum geht es
Im Schülerrat wird diskutiert, ob die Handys während der grossen Pause erlaubt sein sollen. Elin sagt: «Das ist doch klar, Handys gehören dazu.» Noah sagt: «Wenn alle am Handy sind, redet niemand mehr miteinander. Letzten Winter haben wir in der Pause noch Unihockey gespielt. Seit die Regel gelockert wurde, steht der Ball in der Ecke.» Wer überzeugt mehr? Wahrscheinlich Noah. Er hat nicht einfach eine Meinung, sondern ein Argument. In dieser Lektion lernst du, wie ein gutes Argument gebaut ist.
Erklärung
Die drei Teile eines Arguments
| Teil | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| These (Behauptung) | Was meine ich? | Die Schule sollte in der grossen Pause ein Handyverbot einführen. |
| Begründung | Warum? | Ohne Handy spielen und reden die Schülerinnen und Schüler mehr miteinander. |
| Beleg oder Beispiel | Woran sieht man das? | Seit die Regel gelockert wurde, wird auf dem Pausenplatz kaum mehr Unihockey gespielt. |
Typische Verbindungswörter: weil, denn, da, deshalb, zum Beispiel, das zeigt sich daran, dass …
Eine These allein ist nur eine Meinung. Erst mit Begründung und Beleg wird daraus ein Argument.
Arten von Belegen
| Art | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Fakt | überprüfbare Tatsache, Zahl, Studie mit Quelle | eine Zahl aus einer Umfrage des Bundesamts für Statistik |
| Erfahrung | eigenes oder allgemein bekanntes Erlebnis | «Wer schon einmal ohne Velolicht im Dunkeln gefahren ist, weiss …» |
| Fachperson | Aussage einer Expertin oder Institution | «Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) empfiehlt …» |
| Wert oder Regel | Berufung auf Rechte, Gesetze, gemeinsame Werte | «Alle Kinder haben das Recht auf Bildung.» |
Fakten mit genannter Quelle überzeugen am stärksten. Erfahrungen sind anschaulich, zeigen aber oft nur einen Einzelfall.
Schwache Argumente erkennen
- Verallgemeinerung: «Alle Jugendlichen sind ständig am Handy.» Ein Teil wird zum Ganzen.
- Scheinbegründung (Zirkel): «Hausaufgaben sind unnötig, weil man sie nicht braucht.» Die Begründung wiederholt die These.
- Angriff auf die Person: «Die ist nur dagegen, weil sie alt ist.» Statt der Sache wird die Person angegriffen.
- Mehrheit als Beweis: «Alle machen das, also ist es richtig.»
Argumente gewichten
Nicht jedes Argument wiegt gleich viel. Ein Argument ist stärker, wenn es viele Menschen betrifft, langfristig wirkt oder Gesundheit, Sicherheit oder Rechte berührt. In einem argumentativen Text stellst du darum das stärkste Argument meist an den Schluss.
Beispiele
Beispiel 1: Ein schwaches Argument verbessern
Schwach: «Wir sollten länger Mittagspause haben, weil es besser wäre.»
Problem: Die Begründung ist eine Scheinbegründung, ein Beleg fehlt.
Besser: «Die Mittagspause sollte von 60 auf 75 Minuten verlängert werden, weil viele Schülerinnen und Schüler einen langen Heimweg haben. Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass in unserer Klasse sieben Personen mit dem Postauto aus den Aussenwachten kommen und zu Hause kaum zehn Minuten zum Essen haben.»
Beispiel 2: Ein Argument im Dreischritt
Frage: Soll die Gemeinde beim Schulhaus einen Skatepark bauen?
These: Die Gemeinde sollte beim Schulhaus einen Skatepark bauen.
Begründung: Jugendliche brauchen Orte, an denen sie sich draussen bewegen und treffen können, ohne zu stören.
Beleg: Zurzeit fahren viele auf dem Parkplatz beim Gemeindehaus. Dort kommt es immer wieder zu Konflikten mit Autofahrenden, und die Polizei musste schon mehrmals eingreifen.
Merksatz
Ein Argument besteht aus These, Begründung und Beleg oder Beispiel. Belege können Fakten, Erfahrungen, Aussagen von Fachleuten oder Werte sein. Vermeide Verallgemeinerungen, Scheinbegründungen und Angriffe auf Personen, und ordne Argumente nach ihrem Gewicht.
Übungen
Grundlagen
- Bestimme These, Begründung und Beleg: «Klassenlager sind wichtig. Man lernt, Verantwortung zu übernehmen. Wer im Lager für das Znacht der ganzen Klasse zuständig ist, merkt, dass sich alle auf ihn verlassen.»
- Welche Art von Beleg ist es? a) «Laut Strassenverkehrsgesetz müssen Velofahrende …» b) «Die BFU rät …» c) «Als ich letzten Sommer …»
Weiter
- Schreib zur These «Jede Sekundarschule sollte einen Schulgarten haben» zwei vollständige Argumente.
- Welcher Fehler steckt im Argument? Verbessere es. «Videogames machen dumm. Mein Bruder spielt jeden Tag und hat schlechte Noten.»
Knobeln
- Ordne die drei Argumente für einen späteren Schulbeginn nach ihrem Gewicht und begründe: a) Man kann morgens länger frühstücken. b) Der Schlafrhythmus verschiebt sich in der Pubertät nach hinten, was Konzentration und Gesundheit betrifft. c) Im Winter ist es um 7.30 Uhr noch dunkel auf dem Schulweg.
- Finde zu Elins Satz aus dem Einstieg («Handys gehören dazu») eine Begründung und einen Beleg, sodass ein vollständiges Argument entsteht.
Lösungen
- These: «Klassenlager sind wichtig.» Begründung: «Man lernt, Verantwortung zu übernehmen.» Beleg (Beispiel): «Wer im Lager für das Znacht der ganzen Klasse zuständig ist, merkt, dass sich alle auf ihn verlassen.»
- a) Regel oder Gesetz. b) Fachperson (Institution). c) Erfahrung.
- Zum Beispiel: «Ein Schulgarten ist sinnvoll, weil man im Garten Biologie praktisch lernt. Wer selbst Bohnen gesät und geerntet hat, versteht Keimung und Wachstum besser als durch ein Schaubild.» Und: «Ein Schulgarten stärkt die Klassengemeinschaft, denn die Arbeit lässt sich nur gemeinsam bewältigen. Giessen in den Sommerferien funktioniert nur, wenn ein Plan eingehalten wird.»
- Verallgemeinerung: Ein Einzelfall wird zur Regel. Ausserdem ist unklar, ob das Spielen die Ursache ist. Verbessert: «Wer sehr viel Zeit mit Videogames verbringt, hat weniger Zeit für Schlaf und Hausaufgaben. Fachleute empfehlen darum, die Bildschirmzeit unter der Woche zu begrenzen.»
- Vom schwächsten zum stärksten: a, c, b. Das Frühstück ist eine persönliche Gewohnheit. Die Dunkelheit betrifft die Sicherheit vieler, aber nur im Winter. Der Schlafrhythmus betrifft alle Jugendlichen und ihre Gesundheit das ganze Jahr.
- Zum Beispiel: «Handys sollten in der Pause erlaubt bleiben, weil viele damit wichtige Abmachungen treffen. Wer nach der Schule ins Training geht, muss oft kurzfristig wissen, ob es stattfindet.»