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Aus der Vorlage Argumentieren und Erörtern: Stellungnahme, Leserbrief, Debatte

Argumentieren üben: Checkliste und typische Fehler

Lektion 6 von 6

Darum geht es

Du kennst jetzt die Bausteine: Argumente bauen, Pro und Contra abwägen, Stellung nehmen, erörtern und debattieren. In dieser letzten Lektion überprüfst du deine Texte mit einer Checkliste, lernst die häufigsten Fehler kennen und übst alles in einem gemischten Übungsteil. So bist du für eine Prüfung oder eine Aufnahmeprüfung gut vorbereitet.

Erklärung

Checkliste für argumentative Texte

Inhalt

  • Die Streitfrage ist genau formuliert.
  • Jedes Argument hat These, Begründung und Beleg oder Beispiel.
  • Die Argumente sind gewichtet und sinnvoll geordnet.
  • Mindestens ein Gegenargument wird aufgegriffen und entkräftet.
  • Der Schluss enthält ein klares, begründetes Urteil.

Aufbau

  • Die Einleitung führt zum Thema hin (bei der Erörterung ohne eigene Meinung).
  • Jedes Argument steht in einem eigenen Absatz.
  • Überleitungen verbinden die Teile.

Sprache

  • sachlicher Ton, keine persönlichen Angriffe
  • Standardsprache, Präsens als Grundzeitform
  • abwechslungsreiche Satzanfänge und Verbindungswörter
  • Rechtschreibung und Zeichensetzung geprüft, durchgehend ss

Die häufigsten Fehler

FehlerBeispielBesser
Meinung statt Argument«Ich finde das gut.»These mit Begründung und Beleg
Verallgemeinerung«Alle Jugendlichen …»«Viele Jugendliche …» mit Beleg
Nur eine Seite in der Erörterungausschliesslich Pro-Argumentebeide Seiten darstellen, dann urteilen
Urteil schon in der Einleitung«Ich zeige jetzt, dass …»Hinführung und offene Streitfrage
Neues Argument im Schluss«Ausserdem ist noch …»neue Argumente gehören in den Hauptteil
Aufzählung ohne Verbindung«Erstens … Zweitens … Drittens …» ohne BegründungÜberleitungen, Begründungen ausformulieren

Argumentationsfehler anderer erkennen

Auch in Werbung, sozialen Medien und politischen Kampagnen begegnen dir schwache Argumente. Prüfe bei jeder Behauptung: Wird sie begründet? Gibt es einen Beleg, und woher stammt er? Wird die Person statt der Sache angegriffen? Wer diese Fragen stellt, lässt sich weniger leicht beeinflussen.

Beispiele

Beispiel 1: Einen Schluss überarbeiten

Schwach:

«Also, ich finde Hausaufgaben doof. Und ausserdem machen viele sie sowieso nicht.»

Probleme: Umgangssprache, kein Abwägen, neues Argument im Schluss.

Besser:

«Wägt man die Argumente ab, zeigt sich: Hausaufgaben sind nicht grundsätzlich sinnlos. Das Üben zu Hause festigt, was im Unterricht gelernt wurde. Allerdings sollten sie kürzer sein und so gestellt werden, dass alle sie ohne Hilfe der Eltern lösen können. Ich spreche mich deshalb nicht für eine Abschaffung aus, sondern für weniger und gezieltere Hausaufgaben.»

Beispiel 2: Eine Werbeaussage prüfen

Werbung: «Neun von zehn Jugendlichen trinken Energy Drinks. Mach mit.»

Prüfung: Die Zahl hat keine Quelle. Selbst wenn sie stimmt, ist «viele tun es» kein Argument dafür, dass es gut ist (Mehrheit als Beweis). Über die gesundheitlichen Folgen sagt die Aussage nichts.

Merksatz

Prüfe argumentative Texte mit einer Checkliste zu Inhalt, Aufbau und Sprache. Achte besonders auf vollständige Argumente, ein entkräftetes Gegenargument und ein begründetes Urteil im Schluss. Prüfe auch die Argumente anderer kritisch.

Übungen

Übungsmix

Grundlagen

  1. Ist es eine Meinung oder ein Argument? a) «Der Sporttag ist das Beste am Schuljahr.» b) «Der Sporttag ist wichtig, weil sich dabei Schülerinnen und Schüler aus allen Klassen begegnen. Viele lernen dort Kolleginnen und Kollegen aus anderen Klassen kennen.»
  2. Welcher Fehler aus der Tabelle steckt im Satz? «Alle Lehrpersonen geben viel zu viele Hausaufgaben.»

Weiter

  1. Verbessere den Schluss: «Das waren meine Argumente. Übrigens ist auch die Umwelt ein Grund.»
  2. Prüfe die Aussage einer Kampagne: «Wer gegen die neue Turnhalle stimmt, ist gegen unsere Kinder.» Welche Schwäche hat sie?

Knobeln

  1. Schreib eine dialektische Erörterung (400 bis 500 Wörter) zur Frage «Soll das Stimmrechtsalter in der Schweiz auf 16 Jahre gesenkt werden?» Prüfe sie mit der Checkliste und markiere, wo jeder Punkt erfüllt ist.
  2. Tauscht eure Erörterungen zu zweit aus. Gebt euch zu drei Punkten der Checkliste eine konkrete Rückmeldung und einen Verbesserungsvorschlag.

Lösungen

  1. a) Meinung: Es gibt keine Begründung. b) Argument: These, Begründung und Beispiel.
  2. Verallgemeinerung. Besser: «Manche Lehrpersonen geben so viele Hausaufgaben, dass …» mit einem Beleg.
  3. Das neue Argument gehört in den Hauptteil. Ein Schluss könnte lauten: «Wägt man die Argumente ab, überwiegen für mich die Vorteile, vor allem die Sicherheit auf dem Schulweg. Ich unterstütze darum den Vorschlag.»
  4. Die Aussage greift die Personen an, die anders denken, statt ein Argument zur Sache zu nennen. Sie unterstellt eine schlechte Absicht. Es fehlt eine Begründung, warum die Turnhalle nötig ist.
  5. Individuelle Lösung. Mögliche Pro-Argumente: Mitbestimmung bei Entscheiden, die die Zukunft der Jungen betreffen; politische Bildung in der Schule wird direkt angewendet; im Kanton Glarus dürfen 16-Jährige bereits auf kantonaler und kommunaler Ebene abstimmen. Mögliche Contra-Argumente: Mündigkeit und Stimmrecht sollten zusammengehören (18 Jahre); viele Jugendliche fühlen sich noch nicht bereit; in mehreren Kantonen wurde die Senkung an der Urne abgelehnt.
  6. Individuelle Lösung. Die Rückmeldungen sollen sich auf konkrete Textstellen beziehen.

Zur Vorlage: Argumentieren und Erörtern: Stellungnahme, Leserbrief, Debatte

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