Darum geht es
Du kennst jetzt alle wichtigen Satzglieder. Jetzt geht es um zwei Dinge: Du sollst sie in jedem Satz sicher bestimmen können, auch in schwierigen. Und du sollst merken, wofür das gut ist. Wer Satzglieder kennt, kann eigene Texte besser machen. Ein Beispiel aus einer Erzählung:
Ich ging in den Keller. Ich hörte ein Geräusch. Ich hatte Angst. Ich machte das Licht an.
Vier Sätze, viermal „Ich“ vorn. Mit der Umstellprobe wird daraus in einer Minute ein lebendiger Text.
Erklärung
Die vier Proben im Überblick
| Probe | So geht sie | Wofür du sie nutzt |
|---|---|---|
| Umstellprobe | Satzglieder an eine andere Stelle schieben, besonders ins Vorfeld vor das gebeugte Verb | Grenzen der Satzglieder finden |
| Frageprobe | mit Wer oder was? Wen oder was? Wem? Wann? Wo? Wie? Warum? fragen | Art des Satzglieds bestimmen |
| Ersatzprobe | ein Satzglied durch ein Pronomen oder ein anderes Wort ersetzen | Fall prüfen, Wiederholungen vermeiden |
| Weglassprobe | Satzglieder streichen und prüfen, ob der Satz vollständig bleibt | notwendige von zusätzlichen Angaben trennen, Texte kürzen |
Satzglieder bestimmen in fünf Schritten
- Prädikat suchen: gebeugtes Verb an zweiter Stelle, weitere Verbteile am Satzende.
- Satzglieder abgrenzen: Umstellprobe.
- Subjekt erfragen: Wer oder was + Prädikat? Mit der Mehrzahlprobe prüfen.
- Objekte erfragen: Wen oder was? Wem? (selten: Wessen?)
- Adverbiale Bestimmungen erfragen: Wann? Wo? Wie? Warum?
Satzglieder beim Schreiben nutzen
- Satzanfänge abwechseln: Stell eine Zeit- oder Ortsangabe ins Vorfeld. „Im Keller hörte ich ein Geräusch.“
- Wichtiges betonen: Was im Vorfeld steht, fällt auf. „Einen Schrei hörte ich.“ wirkt spannender als „Ich hörte einen Schrei.“
- Wiederholungen vermeiden: Ersetze wiederholte Nomen durch Pronomen.
- Genauer werden: Ergänze adverbiale Bestimmungen, wo Leserinnen und Leser sonst Fragen hätten.
Beispiele
Beispiel 1: Ein schwieriger Satz
Satz: Nach langem Suchen hat der Hausmeister den Kindern den verlorenen Ball aus der Regenrinne geholt.
- Prädikat: hat … geholt.
- Satzglieder: Nach langem Suchen / hat … geholt / der Hausmeister / den Kindern / den verlorenen Ball / aus der Regenrinne.
- Subjekt: Wer hat geholt? der Hausmeister.
- Wem? den Kindern → Dativobjekt. Wen oder was? den verlorenen Ball → Akkusativobjekt.
- Wann? Nach langem Suchen → Zeit. Woher? aus der Regenrinne → Ort.
Beispiel 2: Einen Text überarbeiten
Vorher:
Ich ging in den Keller. Ich hörte ein Geräusch. Ich hatte Angst. Ich machte das Licht an.
Nachher:
Langsam ging ich in den Keller. Plötzlich hörte ich ein Geräusch. Vor Angst blieb mir fast das Herz stehen. Mit zitternder Hand machte ich das Licht an.
Was wurde gemacht? Vor jedes „ich“ wurde eine adverbiale Bestimmung gestellt: Art und Weise (Langsam), Zeit (Plötzlich), Grund (Vor Angst), Art und Weise (Mit zitternder Hand). Im dritten Satz wurde zusätzlich das Verb geändert. Der Text ist genauer und spannender, ohne länger zu werden als nötig.
Merksatz
Bestimme Satzglieder immer in derselben Reihenfolge: Prädikat, Grenzen, Subjekt, Objekte, adverbiale Bestimmungen. Beim Schreiben hilft dir die Umstellprobe, Satzanfänge abzuwechseln und Wichtiges zu betonen.
Übungen
Grundlagen
- Bestimme alle Satzglieder. a) Morgen schreibt die Klasse 6c eine Mathearbeit. b) Der Postbote bringt meiner Mutter ein Paket. c) Vor Freude sprang Elif in die Luft.
- Welche Probe hilft hier? Ordne zu: Umstellprobe, Ersatzprobe, Weglassprobe. a) Du willst wissen, ob „meinem Onkel“ im Dativ steht. b) Du willst einen zu langen Satz kürzen. c) Du willst herausfinden, ob „das rote Auto“ ein Satzglied ist.
Weiter
- Überarbeite den Text mit der Umstellprobe und der Ersatzprobe: „Wir fuhren an die Ostsee. Wir bauten eine Sandburg. Die Sandburg wurde immer größer. Wir mussten die Sandburg am Abend verlassen.“
- Finde den Fehler in der Bestimmung und verbessere ihn: „Am Abend (Subjekt) / liest (Prädikat) / meine Oma (Akkusativobjekt) / ein Buch (Akkusativobjekt).“
Knobeln
- Bilde einen Satz mit genau sechs Satzgliedern: Prädikat, Subjekt, Dativobjekt, Akkusativobjekt, adverbiale Bestimmung der Zeit und des Ortes. Bestimme danach jedes Satzglied.
- Der Satz „Ich beobachte den Mann mit dem Fernglas.“ kann zwei verschiedene Dinge bedeuten. Erkläre beide Bedeutungen. Zeig mit der Umstellprobe, wie man jede Bedeutung eindeutig machen kann.
Lösungen
- a) Morgen (adverbiale Bestimmung der Zeit) / schreibt (Prädikat) / die Klasse 6c (Subjekt) / eine Mathearbeit (Akkusativobjekt). b) Der Postbote (Subjekt) / bringt (Prädikat) / meiner Mutter (Dativobjekt) / ein Paket (Akkusativobjekt). c) Vor Freude (adverbiale Bestimmung des Grundes) / sprang (Prädikat) / Elif (Subjekt) / in die Luft (adverbiale Bestimmung des Ortes, Wohin?).
- a) Ersatzprobe („ihm“ zeigt den Dativ). b) Weglassprobe. c) Umstellprobe.
- Zum Beispiel: „In den Ferien fuhren wir an die Ostsee. Am Strand bauten wir eine Sandburg. Sie wurde immer größer. Am Abend mussten wir sie leider verlassen.“ Wichtig: verschiedene Satzanfänge und Pronomen statt der Wiederholung von „die Sandburg“.
- „Am Abend“ ist kein Subjekt, sondern eine adverbiale Bestimmung der Zeit (Wann?). „meine Oma“ ist kein Akkusativobjekt, sondern das Subjekt (Wer oder was liest?). Richtig: Am Abend (Zeit) / liest (Prädikat) / meine Oma (Subjekt) / ein Buch (Akkusativobjekt).
- Zum Beispiel: „Gestern hat mein Bruder mir im Garten sein Baumhaus gezeigt.“ Gestern (Zeit) / hat … gezeigt (Prädikat) / mein Bruder (Subjekt) / mir (Dativobjekt) / im Garten (Ort) / sein Baumhaus (Akkusativobjekt).
- Bedeutung 1: Ich schaue durch ein Fernglas und sehe den Mann. Dann ist „mit dem Fernglas“ ein eigenes Satzglied (adverbiale Bestimmung der Art und Weise, Womit beobachte ich?). Eindeutig wird es durch Umstellen: „Mit dem Fernglas beobachte ich den Mann.“ Bedeutung 2: Der Mann trägt ein Fernglas. Dann gehört „mit dem Fernglas“ zum Satzglied „den Mann mit dem Fernglas“ und beschreibt ihn genauer. Eindeutig: „Den Mann mit dem Fernglas beobachte ich.“ Die Umstellprobe zeigt also, welche Wörter zusammengehören, und damit auch, was gemeint ist.