Darum geht es
Eine Nachricht im Klassenchat lautet nur: „Kommt morgen.“ Alle fragen sofort zurück: Wer kommt? Der Satz ist unvollständig, weil ein wichtiges Satzglied fehlt. Umgekehrt sagt „Herr Yilmaz morgen“ auch nichts, denn nun fehlt, was Herr Yilmaz tut. Ein vollständiger Satz braucht zwei Satzglieder als Kern: das Prädikat und das Subjekt.
Erklärung
Das Prädikat: Was geschieht?
Das Prädikat sagt, was jemand tut oder was geschieht. Es wird immer von einem Verb gebildet. Im Aussagesatz steht das gebeugte Verb an zweiter Stelle.
Das Prädikat kann aus einem Teil bestehen:
Mia lacht.
Oft besteht es aber aus mehreren Teilen. Dann steht der gebeugte Teil an zweiter Stelle und der Rest am Satzende. Die beiden Teile umschließen den Satz wie eine Klammer. Man nennt das Satzklammer.
| Fall | Beispiel | Prädikat |
|---|---|---|
| Verb mit abtrennbarem Teil | Tim ruft seine Oma heute Abend an. | ruft … an |
| zusammengesetzte Zeitform | Die Klasse hat das Theaterstück geprobt. | hat … geprobt |
| Zukunft | Wir werden im Mai ins Schullandheim fahren. | werden … fahren |
| Modalverb | Ich will morgen früher aufstehen. | will … aufstehen |
Wichtig: Alle Teile zusammen bilden ein Prädikat. Das Prädikat ist das einzige Satzglied, das du nicht ins Vorfeld schieben kannst.
Das Subjekt: Wer oder was?
Das Subjekt sagt, wer etwas tut oder um wen oder was es geht. Du findest es mit der Frage „Wer oder was?“ plus Prädikat.
Der Hund unserer Nachbarn bellt jede Nacht.
Wer oder was bellt jede Nacht? Der Hund unserer Nachbarn.
Das Subjekt steht immer im Nominativ (1. Fall).
Der Trick mit der Mehrzahl
Subjekt und Prädikat passen immer zusammen. Wenn du das Subjekt in die Mehrzahl setzt, ändert sich auch das gebeugte Verb:
Das Kind spielt im Garten. → Die Kinder spielen im Garten.
So kannst du prüfen, ob du wirklich das Subjekt gefunden hast. Ändert sich das Verb nicht mit, war es nicht das Subjekt.
Das Subjekt steht nicht immer vorn
Viele denken, das erste Satzglied sei das Subjekt. Das stimmt oft, aber nicht immer:
Heute Abend kommt meine Tante zu Besuch.
Wer oder was kommt? Meine Tante. Das Subjekt steht hier hinter dem Verb, weil „Heute Abend“ das Vorfeld besetzt.
Beispiele
Beispiel 1
Satz: Gestern hat mein Bruder sein Fahrrad repariert.
- Gebeugtes Verb an zweiter Stelle suchen: „hat“.
- Weitere Verbteile am Satzende suchen: „repariert“. Prädikat: hat … repariert.
- Subjekt erfragen: Wer oder was hat repariert? mein Bruder.
- Mehrzahlprobe: „Gestern haben meine Brüder ihr Fahrrad repariert.“ Das Verb ändert sich mit. Passt.
Beispiel 2
Satz: Im Herbst fallen die Blätter von den Bäumen.
- Gebeugtes Verb: „fallen“. Kein weiterer Verbteil am Ende. Prädikat: fallen.
- Wer oder was fällt? die Blätter. Nicht „die Bäume“, denn die fallen nicht.
- Probe mit Einzahl: „Im Herbst fällt das Blatt von den Bäumen.“ Das Verb ändert sich mit. Passt.
Beispiel 3
Satz: Ruf mich nach dem Training an.
Das ist ein Aufforderungssatz. Das gebeugte Verb „Ruf“ steht hier an erster Stelle, „an“ am Ende. Prädikat: Ruf … an. Ein Subjekt steht nicht da, gemeint ist die angesprochene Person (du). Bei Aufforderungen ist das normal. Auch in Fragen ohne Fragewort steht das gebeugte Verb vorn: „Kommst du mit?“
Merksatz
Das Prädikat sagt, was geschieht. Es besteht aus dem gebeugten Verb und manchmal weiteren Verbteilen am Satzende (Satzklammer). Das Subjekt findest du mit „Wer oder was?“. Es steht im Nominativ und passt in Einzahl oder Mehrzahl zum gebeugten Verb. Prädikat und Subjekt bilden den Kern des Satzes.
Übungen
Grundlagen
- Unterstreiche das Prädikat (alle Teile) und kreise das Subjekt ein. a) Die Sonne scheint. b) Unsere Lehrerin erklärt die Aufgabe. c) Am Abend kommt der Pizzabote.
- Finde das mehrteilige Prädikat. a) Jonas hat seine Hausaufgaben vergessen. b) Der Zug kommt pünktlich in Bremen an. c) Wir können heute leider nicht kommen.
Weiter
- Bestimme in jedem Satz Prädikat und Subjekt. Mach die Mehrzahlprobe. a) Nach dem Regen sieht man einen Regenbogen. b) Seit Montag fehlt im Klassenzimmer ein Stuhl.
- Schreib den Satz mit der Satzklammer um, ohne den Sinn zu ändern: „Die Feuerwehr löschte den Brand.“ Verwende einmal das Perfekt und einmal das Modalverb „konnte“.
Knobeln
- In „Mich hat ein Hund gebissen.“ steht vorn nicht das Subjekt. Welches ist es? Begründe mit zwei verschiedenen Proben.
- Leon sagt: „In ‚Das Mädchen sieht der Junge.‘ ist ‚das Mädchen‘ das Subjekt, weil es vorn steht.“ Hat er recht? Erkläre.
Lösungen
- a) Prädikat: scheint. Subjekt: Die Sonne. b) Prädikat: erklärt. Subjekt: Unsere Lehrerin. c) Prädikat: kommt. Subjekt: der Pizzabote.
- a) hat … vergessen b) kommt … an c) können … kommen
- a) Prädikat: sieht. Subjekt: man. Mehrzahlprobe: „man“ hat keine Mehrzahl. Ersetze es daher zum Beispiel durch „die Kinder“: „Nach dem Regen sehen die Kinder einen Regenbogen.“ Das Verb ändert sich mit. „einen Regenbogen“ ist kein Subjekt, denn es steht im Akkusativ (Wen oder was sieht man?). b) Prädikat: fehlt. Subjekt: ein Stuhl. Mehrzahlprobe: „Seit Montag fehlen im Klassenzimmer zwei Stühle.“ Das Verb ändert sich mit.
- Perfekt: „Die Feuerwehr hat den Brand gelöscht.“ Mit Modalverb: „Die Feuerwehr konnte den Brand löschen.“ Das gebeugte Verb steht an zweiter Stelle, der zweite Verbteil am Ende.
- Das Subjekt ist „ein Hund“. Frageprobe: Wer oder was hat gebissen? Ein Hund. Mehrzahlprobe: „Mich haben zwei Hunde gebissen.“ Das Verb ändert sich mit „Hunde“, nicht mit „mich“. Außerdem steht „mich“ im Akkusativ, ein Subjekt steht aber immer im Nominativ.
- Nein. „das Mädchen“ sieht im Nominativ und im Akkusativ gleich aus. „der Junge“ steht aber eindeutig im Nominativ (im Akkusativ hieße es „den Jungen“). Deshalb ist „der Junge“ das Subjekt: Der Junge sieht das Mädchen. Nicht die Stellung im Satz entscheidet, sondern der Fall.