Darum geht es
Du kennst jetzt alle Bausteine: den Text erschließen, den Basissatz formulieren, den Hauptteil schreiben, Reden wiedergeben. In dieser Lektion setzt du alles zusammen. Du siehst eine vollständige Musterlösung zu Hebels „Kannitverstan“, prüfst einen fehlerhaften Text mit einer Checkliste und testest dich selbst. Danach bist du für die Klassenarbeit vorbereitet.
Erklärung
Der Weg zur Inhaltsangabe
Braucht eine Inhaltsangabe einen Schluss?
Das hängt von der Aufgabe ab. Viele Aufgaben verlangen nur Basissatz und Hauptteil. Wenn ein Schluss gefordert ist, nennst du in ein bis zwei Sätzen die Kernaussage des Textes, also was er zeigen will. Eine persönliche Meinung gehört nur hinein, wenn die Aufgabe ausdrücklich danach fragt.
Checkliste
| Bereich | Prüffrage |
|---|---|
| Basissatz | Nennt er Textsorte, Titel, Autorin oder Autor, Jahr und Thema? |
| Zeitform | Steht alles im Präsens, Vorzeitiges im Perfekt? |
| Inhalt | Sind alle wichtigen Handlungsschritte enthalten, Nebensachen weggelassen? |
| Zusammenhänge | Sind Gründe und Folgen mit „weil“, „deshalb“, „obwohl“ verbunden? |
| Sprache | Eigene Worte, sachlich, keine Spannungswörter, keine Wertung? |
| Reden | Keine wörtliche Rede, stattdessen indirekte Rede oder Redebericht? |
| Länge | Deutlich kürzer als das Original? |
Beispiele
Beispiel 1: Musterlösung zu „Kannitverstan“
Basissatz: Die Kalendergeschichte „Kannitverstan“ von Johann Peter Hebel, erschienen 1808, handelt von einem Handwerksburschen, der durch ein Missverständnis erkennt, dass auch Reichtum nicht vor dem Tod schützt.
Hauptteil: Ein junger Handwerksbursche aus Tuttlingen kommt auf seiner Wanderschaft nach Amsterdam. Dort bewundert er ein prächtiges Haus und fragt einen Passanten, wem es gehöre. Dieser versteht kein Deutsch und antwortet auf Niederländisch, er könne ihn nicht verstehen. Der Bursche hält das Wort „Kannitverstan“ jedoch für den Namen des Besitzers.
Im Hafen beobachtet er, wie ein großes Schiff mit wertvollen Waren aus Ostindien entladen wird. Als er einen Träger nach dem Eigentümer fragt, erhält er dieselbe Antwort. Er glaubt deshalb, Herr Kannitverstan sei unermesslich reich, und beklagt seine eigene Armut.
Kurz darauf begegnet ihm ein Leichenzug. Er fragt einen der Trauernden nach dem Verstorbenen und hört wieder „Kannitverstan“. Erschüttert begleitet er den Toten bis zum Grab und ist von der niederländischen Predigt gerührt, obwohl er sie nicht versteht. Ihm wird klar, dass dem reichen Mann am Ende nur ein Totenhemd und ein enges Grab bleiben, so wie ihm selbst.
Getröstet isst er danach in einer Herberge. Immer wenn er später andere um ihren Reichtum beneidet, denkt er an Herrn Kannitverstan und sein enges Grab.
Schluss (falls gefordert): Die Geschichte zeigt mit Humor, dass Besitz vergänglich ist und dass Zufriedenheit nicht vom Reichtum abhängt.
Der Hauptteil hat etwa 170 Wörter. Hebels Original ist rund fünfmal so lang.
Beispiel 2: Einen fehlerhaften Text überarbeiten
Schülertext:
Ich finde die Geschichte „Kannitverstan“ sehr lustig. Ein Mann kam nach Amsterdam und sah ein Haus. Er fragte: „Wem gehört das Haus?“ Der Mann sagte: „Kannitverstan.“ Plötzlich kam ein Schiff. Das Schiff war voll mit Zucker und Kaffee und Reis und Pfeffer.
Befund nach der Checkliste:
- Basissatz fehlt, stattdessen eine Wertung in der Ich-Form.
- Präteritum statt Präsens.
- Wörtliche Rede.
- Spannungswort „Plötzlich“, das Schiff „kommt“ zudem nicht, es liegt schon im Hafen.
- Nebensachen: die Aufzählung der Waren.
- Der entscheidende Zusammenhang fehlt: Warum hält er „Kannitverstan“ für einen Namen?
Merksatz
Eine Inhaltsangabe besteht aus Basissatz und Hauptteil, bei Bedarf mit kurzem Schluss zur Kernaussage. Prüfe deinen Text am Ende mit der Checkliste: Bausteine des Basissatzes, Präsens, Wesentliches, Zusammenhänge, sachliche eigene Worte, keine wörtliche Rede.
Übungen
Grundlagen
- Überarbeite den Schülertext aus Beispiel 2 zu zwei bis drei korrekten Sätzen.
- Selbsttest: Richtig oder falsch? a) In einer Inhaltsangabe darf man spannende Stellen besonders ausführlich darstellen. b) Was vor der Handlung geschehen ist, steht im Perfekt. c) Der Basissatz enthält das Thema des Textes. d) Zitate machen eine Inhaltsangabe genauer und sind deshalb erwünscht.
Weiter
- Schreib eine vollständige Inhaltsangabe zu „Sieben Tage ohne“ (Basissatz und Hauptteil). Prüfe sie danach mit der Checkliste und markiere, was du verbessert hast.
- Formuliere einen Schluss zu „Sieben Tage ohne“, der die Kernaussage in einem Satz nennt.
Knobeln
- Schreib eine Inhaltsangabe zu „Kannitverstan“ in genau fünf Sätzen. Was musst du weglassen, was darf auf keinen Fall fehlen?
Lösungen
- Zum Beispiel: „Ein Handwerksbursche bewundert in Amsterdam ein prächtiges Haus. Als er nach dem Besitzer fragt, antwortet ein Passant auf Niederländisch, dass er ihn nicht verstehe. Der Bursche hält das Wort ‚Kannitverstan‘ für den Namen des Hausbesitzers.“
- a) falsch. Die Inhaltsangabe ist sachlich und erzeugt keine Spannung. b) richtig. c) richtig. d) falsch. Eine Inhaltsangabe gibt den Inhalt mit eigenen Worten wieder.
- Vergleiche mit dem Basissatz aus Lektion 2 und dem Hauptteil aus Lektion 3. Achte besonders auf Präsens, indirekte Rede (zum Beispiel Saras Vorwurf als Redebericht) und auf die Verbindung der Abschnitte mit „weil“, „deshalb“, „stattdessen“.
- Zum Beispiel: „Die Erzählung zeigt, dass ein persönliches Gespräch für eine Freundschaft mehr bedeuten kann als viele Nachrichten.“
- Zum Beispiel: „Die Kalendergeschichte ‚Kannitverstan‘ von Johann Peter Hebel (1808) handelt von einem Handwerksburschen, der durch ein Missverständnis zufrieden wird. In Amsterdam fragt er nach den Besitzern eines prächtigen Hauses und eines reichen Schiffes und erhält jedes Mal die niederländische Antwort ‚Kannitverstan‘, die er für einen Namen hält. Deshalb beneidet er den vermeintlich reichen Herrn Kannitverstan. Als er bei einem Leichenzug erneut diese Antwort bekommt, glaubt er, der Reiche sei gestorben, und begleitet ihn bis zum Grab. Seitdem tröstet er sich mit dem Gedanken, dass auch dem reichsten Menschen am Ende nur ein enges Grab bleibt.“ Weglassen musst du Einzelheiten wie die Waren, die Blumen am Haus und den Limburger Käse. Nicht fehlen dürfen das Missverständnis, die drei Fragen und die Einsicht am Schluss.