Darum geht es
Nach dem Basissatz kommt der Hauptteil. Hier gibst du die Handlung wieder, Schritt für Schritt. Das klingt leicht. Trotzdem passieren genau hier die meisten Fehler: Die Zeitform rutscht ins Präteritum, Sätze werden aus dem Original abgeschrieben, Nebensachen nehmen zu viel Platz ein. In dieser Lektion lernst du fünf Regeln, mit denen dein Hauptteil sicher gelingt.
Erklärung
Fünf Regeln für den Hauptteil
1. Schreib im Präsens. Was vor der Handlung geschehen ist, steht im Perfekt.
Lena gibt ihr Handy ab, weil sie behauptet hat, sie könne jederzeit aufhören.
2. Schreib mit eigenen Worten. Übernimm keine Sätze aus dem Text. Fasse zusammen, statt abzuschreiben. Zitate gehören nicht in eine Inhaltsangabe.
3. Beschränke dich auf das Wesentliche. Wichtig ist, was die Handlung voranbringt oder für das Ende nötig ist. Beschreibungen, Nebenfiguren und Ausschmückungen lässt du weg.
4. Zeige Zusammenhänge. Verbinde die Handlungsschritte mit Wörtern, die Gründe, Folgen und Zeitabläufe ausdrücken:
| Zusammenhang | Verknüpfungswörter |
|---|---|
| Grund | weil, da, denn |
| Folge | deshalb, daher, sodass |
| Gegensatz | obwohl, jedoch, trotzdem |
| Zeit | als, nachdem, während, schließlich |
5. Schreib sachlich. Keine Spannungswörter wie „plötzlich“ oder „auf einmal“, keine Ausrufe, keine eigene Meinung. Gefühle der Figuren darfst du nennen, aber sachlich: „Sara ist gekränkt.“
Abschnitte bilden
Halte dich an deine Sinnabschnitte aus Lektion 1. Ein Sinnabschnitt wird meist zu zwei oder drei Sätzen. Beginne bei einem neuen Handlungsschritt einen neuen Absatz.
Beispiele
Beispiel 1: Vom Original zur Inhaltsangabe
Original (Abs. 2):
Der Montag war leicht. In der Schule durfte sie ihr Handy ohnehin nicht benutzen, und am Nachmittag hatte sie Training. Erst abends merkte sie, wie oft ihre Hand zur Hosentasche wanderte.
Zu nah am Original:
Der Montag war leicht. In der Schule durfte sie ihr Handy nicht benutzen.
Fehler: Präteritum, abgeschriebene Sätze, Nebensache (Training).
Gelungen:
Der erste Tag fällt Lena leicht. Erst am Abend merkt sie, wie sehr sie an das Handy gewöhnt ist.
Beispiel 2: Zusammenhänge herstellen
Unverbunden:
Sara fragt Lena nach dem Samstag. Lena weiß nichts. Sara ist gekränkt.
Verbunden:
Als Sara sie auf ihre Geburtstagsfeier anspricht, weiß Lena von nichts, weil die Einladung im Gruppenchat verschickt worden ist. Sara ist deshalb gekränkt.
Beispiel 3: Hauptteil zu „Sieben Tage ohne“
Lena wettet mit ihrem Bruder Tim, dass sie eine Woche lang ohne Handy auskommt. Wer verliert, muss einen Monat lang abwaschen. Lena gibt ihm ihr Handy, weil sie überzeugt ist, jederzeit darauf verzichten zu können.
Der erste Tag fällt ihr leicht. Am Abend merkt sie jedoch, wie oft sie nach dem Handy greifen will, und liest stattdessen ein Buch.
Am Mittwoch fühlt sie sich in der Schule ausgeschlossen, weil sie bei Gesprächen über ein Video nicht mitreden kann. Außerdem erfährt sie von ihrer Freundin Sara, dass sie die Einladung zu deren Geburtstag im Gruppenchat verpasst hat. Sara ist gekränkt, weil Lena nicht geantwortet hat.
Zu Hause ist Lena kurz davor, die Wette zu brechen. Stattdessen ruft sie Sara über das Festnetz an. Die beiden telefonieren lange, und Sara findet das Gespräch schöner als den Austausch von Nachrichten.
Am Ende der Woche gibt Tim seine Niederlage zu. Als Lena ihr Handy einschaltet, warten über 300 Nachrichten auf sie, von denen kaum eine noch wichtig ist. Sie schaltet das Handy stumm, verzichtet auf ihren Gewinn und fordert Tim auf, nun selbst eine Woche ohne Handy auszukommen.
Der Hauptteil hat etwa 180 Wörter, der Originaltext etwa 330. Bei sehr kurzen Texten ist eine Inhaltsangabe oft gut halb so lang, bei längeren Texten deutlich kürzer.
Merksatz
Der Hauptteil gibt die Handlung im Präsens, mit eigenen Worten und sachlich wieder. Er beschränkt sich auf das Wesentliche und zeigt Zusammenhänge mit Wörtern wie „weil“, „deshalb“ und „obwohl“. Vorzeitiges steht im Perfekt.
Übungen
Grundlagen
- Setze ins Präsens: „Tim holte das Handy aus der Schublade und gab zu, dass er verloren hatte.“
- Streiche, was nicht in eine Inhaltsangabe gehört: „Plötzlich, als es draußen schon dunkel war, stand Lena vor der Tür ihres Bruders, ihr Herz klopfte wie wild, und sie überlegte, ob sie hineingehen sollte.“ Schreib den Satz danach neu.
- Verbinde mit einem passenden Wort: „Lena ruft Sara an. Sie hat ihr Handy nicht.“
Weiter
- Fasse diesen Abschnitt in höchstens zwei Sätzen zusammen: „Er stand auf, ging zum Fenster und sah hinaus. Draußen regnete es. Die Straße war leer, nur eine Katze lief vorbei. Er dachte an seinen Vater, der seit drei Jahren in Kanada arbeitete und nie anrief. Dann setzte er sich wieder hin und begann, ihm einen Brief zu schreiben.“
- Schreib den Hauptteil einer Inhaltsangabe zu „Kannitverstan“ (Text in Lektion 1), etwa 120 bis 160 Wörter.
Knobeln
- In manchen Geschichten wird nicht der Reihe nach erzählt, sondern es gibt Rückblenden. Wie gehst du in der Inhaltsangabe damit um? Erkläre am Beispiel aus Aufgabe 4.
Lösungen
- „Tim holt das Handy aus der Schublade und gibt zu, dass er verloren hat.“ (Vorzeitig: Perfekt.)
- Streichen: „Plötzlich“, „als es draußen schon dunkel war“, „ihr Herz klopfte wie wild“. Neu: „Lena überlegt, ob sie ihr Handy aus dem Zimmer ihres Bruders holen soll.“
- „Lena ruft Sara an, weil sie ihr Handy nicht hat.“ Auch möglich: „Da sie ihr Handy nicht hat, ruft Lena Sara an.“
- Zum Beispiel: „Ein Junge denkt an seinen Vater, der seit drei Jahren in Kanada arbeitet und sich nie meldet. Daraufhin beginnt er, ihm einen Brief zu schreiben.“ Wetter, Straße und Katze sind Nebensachen.
- Musterlösung: „Ein junger Handwerksbursche aus Tuttlingen bewundert in Amsterdam ein prächtiges Haus. Als er einen Passanten nach dem Besitzer fragt, antwortet dieser auf Niederländisch, dass er ihn nicht verstehe: ‚Kannitverstan‘. Der Bursche hält das Wort für den Namen des Hausbesitzers. Am Hafen fragt er nach dem Eigentümer eines Schiffes voller Waren aus Ostindien und erhält dieselbe Antwort. Daraufhin hält er Herrn Kannitverstan für sehr reich und bedauert seine eigene Armut. Kurz darauf begegnet er einem Leichenzug. Als er einen der Trauernden nach dem Verstorbenen fragt, hört er wieder ‚Kannitverstan‘. Er ist gerührt, begleitet den Toten bis zum Grab und versteht, dass dem reichen Mann sein Besitz nichts mehr nützt. Getröstet isst er in einer Herberge und denkt künftig an Herrn Kannitverstan, wann immer er andere um ihren Reichtum beneidet.“ (etwa 130 Wörter)
- Die Inhaltsangabe ordnet die Ereignisse meist in ihrer zeitlichen Reihenfolge oder nennt die Rückblende ausdrücklich. Im Beispiel denkt der Junge an etwas, das vor der Handlung liegt (der Vater ist vor drei Jahren nach Kanada gegangen). Man kann es so wiedergeben: „Sein Vater ist vor drei Jahren nach Kanada gegangen und meldet sich seitdem nicht.“ Das Perfekt zeigt die Vorzeitigkeit.