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Aus der Vorlage Zeitformen, Konjunktiv und Passiv: Verbformen bestimmen

Präteritum, Perfekt und Plusquamperfekt beim Erzählen

Lektion 3 von 6

Darum geht es

Erzähl jemandem in Mundart, was du am Wochenende gemacht hast. Du sagst vielleicht: «Mir sind go bade gange, und nachher hämmer grilliert.» Das ist Perfekt. Eine Form wie «mir badeten» gibt es im Schweizerdeutschen nicht. Die meisten Schweizer Mundarten haben das Präteritum verloren. In der Sprachwissenschaft heisst das oberdeutscher Präteritumschwund.

In der Standardsprache brauchst du das Präteritum aber, vor allem beim Schreiben von Geschichten und Berichten. Darum fühlt es sich für viele Schweizer Jugendliche fremd an, und darum lohnt es sich, es gezielt zu üben.

Erklärung

Präteritum oder Perfekt?

Beide Zeitformen drücken Vergangenes aus. Der Unterschied liegt vor allem in der Textsorte:

PräteritumPerfekt
Wo?geschriebene Erzählungen, Berichte, Zeitungsartikel, ProtokolleGespräche, persönliche Nachrichten, Briefe, Interviews
Wirkungerzählend, abgeschlossen, Abstandmündlich, nah, Bezug zur Gegenwart
BeispielDer Zug fuhr um 7.12 Uhr ab.Hast du den Zug noch erwischt?

Auch im Gespräch und in Nachrichten verwendest du das Präteritum fast immer bei sein, haben und den Modalverben (konnte, musste, wollte, durfte, sollte). «Ich war müde» klingt natürlicher als «Ich bin müde gewesen».

Einheitlich erzählen

Eine Erzählung bleibt in einer Grundzeitform, meist im Präteritum. Ein häufiger Fehler ist das Springen zwischen den Zeitformen:

  • falsch: «Ich öffnete die Tür. Da steht plötzlich mein Bruder vor mir und hat gelacht.»
  • richtig: «Ich öffnete die Tür. Da stand plötzlich mein Bruder vor mir und lachte.»

Das Plusquamperfekt: die Vorvergangenheit

Wenn du im Präteritum erzählst und auf etwas zurückblickst, das noch früher geschah, verwendest du das Plusquamperfekt. Typische Signalwörter sind nachdem, zuvor, schon, bereits, vorher.

«Als ich am Bahnhof ankam, war der Bus schon abgefahren.»

Nach nachdem steht im Nebensatz das Plusquamperfekt, im Hauptsatz das Präteritum: «Nachdem wir das Zelt aufgestellt hatten, kochten wir Spaghetti.»

Stolpersteine bei starken Verben

Weil das Präteritum im Alltag fehlt, sind manche Formen unsicher. Hier die häufigsten:

InfinitivPräteritumnicht
fragenfragtefrug (veraltet)
backenbacktebuk (veraltet)
winkenwinktewank
schwimmenschwammschwimmte
rufenriefrufte
gewinnengewanngewinnte

Beispiele

Beispiel 1: Mündlich zu schriftlich

Ein Schüler erzählt in der Pause (Perfekt, Mundart nah):

«Wir sind am Samstag auf den Uetliberg gewandert. Oben hat es dann angefangen zu regnen, und wir haben uns unter einem Dach versteckt.»

Für den Aufsatz im Präteritum:

«Am Samstag wanderten wir auf den Uetliberg. Oben fing es an zu regnen, und wir versteckten uns unter einem Dach.»

wandern und verstecken sind schwach (-te), anfangen ist stark (fing an).

Beispiel 2: Vorvergangenheit einbauen

Ausgangstext: «Lara stand vor dem Schulhaus. Sie vergass am Morgen ihr Velo abzuschliessen. Jetzt war es weg.»

Das Vergessen geschah vor dem Stehen vor dem Schulhaus. Darum:

«Lara stand vor dem Schulhaus. Sie hatte am Morgen vergessen, ihr Velo abzuschliessen. Jetzt war es weg.»

Merksatz

In geschriebenen Erzählungen und Berichten steht das Vergangene im Präteritum, im Gespräch meist im Perfekt. Bleib in einer Grundzeitform. Was noch früher geschah, steht im Plusquamperfekt.

Übungen

Grundlagen

  1. Setze ins Präteritum: Ich gehe, du rufst, er bringt, wir schwimmen, ihr denkt, sie gewinnen.
  2. Präteritum oder Perfekt? Entscheide, welche Zeitform besser passt, und begründe kurz. a) WhatsApp an deinen Kollegen: «Ich (verpassen) den Bus, komme zehn Minuten später.» b) Zeitungsbericht: «Am Dienstagabend (brennen) in Wädenswil eine Scheune.»

Weiter

  1. Schreib die Erzählung einheitlich im Präteritum: «Gestern bin ich mit dem Velo nach Winterthur gefahren. Unterwegs hat es plötzlich einen Knall gegeben. Ich steige ab und sehe: Der Reifen ist platt.»
  2. Verbinde die Sätze mit nachdem und achte auf die Zeitformen: «Wir assen zu Abend. Wir spielten noch eine Runde Jass.»

Knobeln

  1. Erkläre einer Kollegin aus Deutschland, warum Schweizer Schülerinnen und Schüler beim Präteritum öfter unsicher sind. Schreib drei bis vier Sätze und verwende das Fachwort aus dieser Lektion.
  2. Schreib eine kurze Geschichte (sechs bis acht Sätze) über einen verpassten Zug. Verwende das Präteritum als Grundzeitform und mindestens zweimal das Plusquamperfekt.

Lösungen

  1. ich ging, du riefst, er brachte, wir schwammen, ihr dachtet, sie gewannen.
  2. a) Perfekt: «Ich habe den Bus verpasst.» Eine persönliche Nachricht ist mündlich geprägt. b) Präteritum: «Am Dienstagabend brannte in Wädenswil eine Scheune.» Ein Zeitungsbericht ist ein geschriebener Bericht.
  3. «Gestern fuhr ich mit dem Velo nach Winterthur. Unterwegs gab es plötzlich einen Knall. Ich stieg ab und sah: Der Reifen war platt.»
  4. «Nachdem wir zu Abend gegessen hatten, spielten wir noch eine Runde Jass.» Das Essen kam zuerst, darum Plusquamperfekt im Nebensatz.
  5. Zum Beispiel: «In den meisten Schweizer Mundarten gibt es kein Präteritum. Man erzählt im Alltag alles im Perfekt. Das nennt man oberdeutschen Präteritumschwund. Darum müssen wir die Formen des Präteritums für die Standardsprache bewusst lernen, vor allem bei starken Verben.»
  6. Individuelle Lösung. Prüfe: Grundzeitform Präteritum ohne Sprünge ins Präsens; Plusquamperfekt für frühere Ereignisse, zum Beispiel «Ich hatte den Wecker nicht gehört» oder «Der Zug war gerade abgefahren».

Zur Vorlage: Zeitformen, Konjunktiv und Passiv: Verbformen bestimmen

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