Darum geht es
Lea schreibt ihrer Kollegin aus dem Klassenlager eine Nachricht: «Wir sind gestern auf den Pilatus gegangen, und dann hat es geregnet.» In einem Aufsatz würde man eher lesen: «Wir gingen auf den Pilatus. Dann regnete es.» Beides ist richtiges Deutsch, aber die Verben stehen in verschiedenen Formen. Wer Zeitformen sicher verwenden will, muss zuerst wissen, aus welchen Bausteinen ein Verb besteht. Darum geht es in dieser Lektion.
Erklärung
Personalform und Infinitiv
Jedes Verb hat eine Grundform, den Infinitiv. So steht es im Wörterbuch: gehen, lernen, schreiben, sein.
Im Satz verändert sich das Verb. Es passt sich der Person an, die etwas tut. Diese veränderte Form heisst Personalform (auch: finite Verbform). Du erkennst sie mit der Personenprobe: Wenn du die Person änderst (ich, du, er, wir …), ändert sich auch die Personalform.
| Person | Singular | Plural |
|---|---|---|
| 1. Person | ich lerne | wir lernen |
| 2. Person | du lernst | ihr lernt |
| 3. Person | er, sie, es lernt | sie lernen |
Jeder vollständige Satz hat genau eine Personalform. Im Aussagesatz steht sie an zweiter Stelle: «Morgen fährt unsere Klasse nach Luzern.»
Mehrteilige Verbformen
Viele Zeitformen bestehen aus zwei Teilen: einer Personalform eines Hilfsverbs (sein, haben, werden) und einer weiteren Verbform, die sich nicht verändert.
- «Wir haben den Zug verpasst.» haben ist die Personalform, verpasst ist das Partizip II.
- «Sie wird morgen anrufen.» wird ist die Personalform, anrufen ist der Infinitiv.
Die beiden Teile bilden eine Verbklammer: Die Personalform steht an zweiter Stelle, der Rest am Satzende.
Die drei Stammformen
Um alle Zeitformen bilden zu können, brauchst du von jedem Verb drei Stammformen:
- Infinitiv: lernen
- Präteritum (3. Person Singular): er lernte
- Partizip II: gelernt
Nach der Art, wie diese Formen gebildet werden, unterscheidet man drei Gruppen.
Schwache Verben behalten ihren Stammvokal. Im Präteritum kommt -te dazu, das Partizip II endet auf -t: lernen, lernte, gelernt; kaufen, kaufte, gekauft.
Starke Verben wechseln den Stammvokal (Ablaut). Das Präteritum hat keine Endung -te, das Partizip II endet meist auf -en: gehen, ging, gegangen; schreiben, schrieb, geschrieben; finden, fand, gefunden.
Gemischte Verben wechseln den Vokal, haben aber trotzdem -te und -t: bringen, brachte, gebracht; denken, dachte, gedacht; kennen, kannte, gekannt; wissen, wusste, gewusst.
Die starken und gemischten Verben musst du lernen. Es sind nicht sehr viele, aber es sind die häufigsten Verben der Sprache. Im Wörterbuch findest du die Stammformen in einer Liste der unregelmässigen Verben.
Beispiele
Beispiel 1: Personalform finden
Satz: «Nach der Schnupperlehre schreibt Elias dem Betrieb eine Dankeskarte.»
- Personenprobe: «Nach der Schnupperlehre schreiben Elias und Mia …» Das Verb verändert sich, also ist schreibt die Personalform.
- Infinitiv: schreiben.
- Stellung: schreibt steht an zweiter Stelle, obwohl der Satz mit «Nach der Schnupperlehre» beginnt. Das ganze Satzglied zählt als eine Stelle.
Beispiel 2: Stammformen bestimmen und Gruppe zuordnen
| Infinitiv | Präteritum | Partizip II | Gruppe | Begründung |
|---|---|---|---|---|
| fragen | fragte | gefragt | schwach | kein Vokalwechsel, -te, -t |
| fahren | fuhr | gefahren | stark | Vokalwechsel a, u, a; Partizip auf -en |
| rennen | rannte | gerannt | gemischt | Vokalwechsel e, a, aber -te und -t |
| verlieren | verlor | verloren | stark | Vokalwechsel; Partizip ohne ge-, weil das Verb mit ver- beginnt |
Achtung: Verben mit untrennbarer Vorsilbe (be-, ver-, er-, ent-, zer-, ge-) und Verben auf -ieren bilden das Partizip II ohne ge-: besucht, verstanden, telefoniert.
Merksatz
Die Personalform ist die Verbform, die sich nach der Person richtet. Jeder Satz hat genau eine. Die Stammformen (Infinitiv, Präteritum, Partizip II) zeigen, ob ein Verb schwach (lernte, gelernt), stark (ging, gegangen) oder gemischt (brachte, gebracht) ist.
Übungen
Grundlagen
- Unterstreiche in jedem Satz die Personalform und nenne den Infinitiv. a) Am Samstag hilft Noah im Hofladen seiner Tante. b) Die Gemeinde baut im Frühling einen neuen Spielplatz. c) Habt ihr die Hausaufgaben schon gemacht?
- Ordne die Verben den drei Gruppen zu: spielen, singen, denken, warten, trinken, brennen, wohnen, steigen.
Weiter
- Ergänze die Tabelle der Stammformen: bleiben, bitten, nennen, reisen, liegen, verstehen.
- Bilde zu jedem Satz die Form für «wir» und für «du»: «Sie liest die Zeitung.» «Er weiss die Antwort.» «Sie nimmt den Bus.»
Knobeln
- Warum ist «Er hat gestern viel geschlafen» richtig, aber «Er hat gestern viel geschlaft» falsch? Erkläre mit den Begriffen dieser Lektion.
- Im Satz «Morgen wird es wohl schneien» stehen zwei Verbformen. Welche ist die Personalform, welche nicht? Begründe mit der Personenprobe.
Lösungen
- a) hilft, Infinitiv helfen. b) baut, Infinitiv bauen. c) Habt (Personalform von haben); gemacht ist das Partizip II von machen und keine Personalform.
- Schwach: spielen, warten, wohnen. Stark: singen, trinken, steigen. Gemischt: denken, brennen.
- bleiben, blieb, geblieben (stark); bitten, bat, gebeten (stark); nennen, nannte, genannt (gemischt); reisen, reiste, gereist (schwach); liegen, lag, gelegen (stark); verstehen, verstand, verstanden (stark, Partizip ohne ge-).
- «Wir lesen die Zeitung. Du liest die Zeitung.» «Wir wissen die Antwort. Du weisst die Antwort.» «Wir nehmen den Bus. Du nimmst den Bus.»
- schlafen ist ein starkes Verb (schlafen, schlief, geschlafen). Starke Verben bilden das Partizip II mit -en. Die Form geschlaft wäre die Bildung eines schwachen Verbs und ist darum falsch.
- Personalform ist wird. Ersetzt du das Subjekt es durch du oder wir, verändert sich wird: «Morgen wirst du wohl …», «Morgen werden wir wohl …». schneien bleibt immer gleich. Es ist der Infinitiv.