Darum geht es
Auf der Website deiner Gemeinde steht: «Die Hauptstrasse wird ab Montag saniert.» Wer saniert die Strasse? Das steht nicht da, und es ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, dass etwas mit der Strasse geschieht. Genau dafür gibt es das Passiv. In dieser Lektion lernst du, wie du Aktiv und Passiv bildest und wann welche Form passt.
Erklärung
Aktiv und Passiv: zwei Blickrichtungen
Das Aktiv (Tatform) stellt die Person oder Sache in den Vordergrund, die etwas tut:
«Die Hauswartin schliesst das Schulhaus ab.»
Das Passiv (Leideform) stellt den Vorgang oder das Betroffene in den Vordergrund:
«Das Schulhaus wird (von der Hauswartin) abgeschlossen.»
Das Akkusativobjekt des Aktivsatzes (das Schulhaus) wird im Passivsatz zum Subjekt. Die handelnde Person kann mit von oder durch genannt werden, sie kann aber auch wegfallen.
Das Vorgangspassiv bilden
Das Vorgangspassiv bildest du mit einer Form von werden und dem Partizip II. Das Passiv gibt es in allen Zeitformen:
| Zeitform | Passiv |
|---|---|
| Präsens | Der Brief wird geschrieben. |
| Präteritum | Der Brief wurde geschrieben. |
| Perfekt | Der Brief ist geschrieben worden. |
| Plusquamperfekt | Der Brief war geschrieben worden. |
| Futur I | Der Brief wird geschrieben werden. |
Achtung: Im Perfekt und Plusquamperfekt heisst es im Passiv worden, nicht geworden. «Das Velo ist gestohlen worden.» Geworden steht nur, wenn werden als Vollverb gebraucht wird: «Sie ist Polymechanikerin geworden.»
Das Zustandspassiv
Neben dem Vorgang gibt es auch das Ergebnis. Das Zustandspassiv bildest du mit sein und dem Partizip II:
- Vorgangspassiv: «Die Türe wird um 18 Uhr geschlossen.» (Etwas geschieht.)
- Zustandspassiv: «Die Türe ist geschlossen.» (So ist es jetzt.)
Wann passt das Passiv?
- wenn die handelnde Person unbekannt ist: «Am Wochenende wurde in der Garderobe ein Handy gestohlen.»
- wenn sie unwichtig oder selbstverständlich ist: «Im Frühling werden die Felder gedüngt.»
- in Anleitungen, Rezepten, Sachtexten und Protokollen: «Die Kartoffeln werden geschält und in Würfel geschnitten.»
Zu viele Passivsätze machen einen Text aber schwerfällig. In Erzählungen und in Bewerbungen wirkt das Aktiv lebendiger und persönlicher: «Ich habe in der Schnupperlehre Kabel verlegt» statt «In der Schnupperlehre wurden von mir Kabel verlegt».
Beispiele
Beispiel 1: Aktiv in Passiv umformen
Aktiv: «Die Gemeinde baut im Sommer einen neuen Veloweg.»
- Akkusativobjekt finden: einen neuen Veloweg.
- Es wird zum Subjekt: ein neuer Veloweg (Nominativ).
- Zeitform bestimmen: Präsens, also wird + Partizip II gebaut.
- Handelnde Person mit von anfügen oder weglassen.
Passiv: «Im Sommer wird (von der Gemeinde) ein neuer Veloweg gebaut.»
Beispiel 2: Passiv im Perfekt
Aktiv Perfekt: «Unbekannte haben die Skulptur beim Bahnhof beschädigt.»
Passiv Perfekt: «Die Skulptur beim Bahnhof ist (von Unbekannten) beschädigt worden.»
Hier passt das Passiv besser, weil die Täterinnen oder Täter nicht bekannt sind. Darum lässt man von Unbekannten meist ganz weg.
Merksatz
Das Aktiv zeigt, wer handelt. Das Passiv zeigt, was geschieht. Das Vorgangspassiv bildest du mit werden + Partizip II (wird gebaut, wurde gebaut, ist gebaut worden), das Zustandspassiv mit sein + Partizip II (ist gebaut). Im Perfekt-Passiv heisst es worden.
Übungen
Grundlagen
- Aktiv oder Passiv? a) Die Klasse besucht das Verkehrshaus. b) Das Verkehrshaus wird jedes Jahr von vielen Schulklassen besucht. c) Der Lernende repariert die Heizung. d) Die Heizung ist repariert.
- Forme ins Passiv um (Präsens): a) Der Bäcker backt die Gipfeli. b) Die Lehrperson korrigiert die Aufsätze. c) Man sortiert den Abfall.
Weiter
- Setze den Passivsatz «Die Brücke wird erneuert» in Präteritum, Perfekt und Plusquamperfekt.
- Vorgangspassiv oder Zustandspassiv? Begründe. a) Das Fenster wird geöffnet. b) Das Fenster ist geöffnet. c) Der Laden ist am Sonntag geschlossen.
Knobeln
- Schreib das Rezept im Passiv: «Zuerst schneidest du die Äpfel in Stücke. Dann kochst du sie mit etwas Zucker weich. Am Schluss pürierst du alles.»
- Ein Schüler schreibt in seinen Bewerbungsbrief: «In der Schnupperlehre wurde mir gezeigt, wie Leitungen verlegt werden, und es wurde von mir mitgeholfen.» Was ist hier ungeschickt? Formuliere den Satz im Aktiv.
Lösungen
- a) Aktiv. b) Passiv (Vorgangspassiv). c) Aktiv. d) Passiv (Zustandspassiv).
- a) Die Gipfeli werden (vom Bäcker) gebacken. b) Die Aufsätze werden (von der Lehrperson) korrigiert. c) Der Abfall wird sortiert. (man fällt im Passiv immer weg.)
- Präteritum: Die Brücke wurde erneuert. Perfekt: Die Brücke ist erneuert worden. Plusquamperfekt: Die Brücke war erneuert worden.
- a) Vorgangspassiv: Jemand öffnet das Fenster gerade. b) Zustandspassiv: Das Fenster steht offen, das ist das Ergebnis. c) Zustandspassiv: Es beschreibt einen Zustand am Sonntag, keinen Vorgang.
- «Zuerst werden die Äpfel in Stücke geschnitten. Dann werden sie mit etwas Zucker weich gekocht. Am Schluss wird alles püriert.»
- Die zwei Passivkonstruktionen machen den Satz schwerfällig, und der Schreiber versteckt sich selbst. Im Bewerbungsbrief soll man sehen, was er getan hat. Besser: «In der Schnupperlehre zeigte mir der Elektroinstallateur, wie man Leitungen verlegt, und ich durfte selbst mithelfen.»