Darum geht es
Du kennst jetzt die Merkmale einer Fabel. Du weißt, wie man Fabeln liest und die Lehre findet. Jetzt prüfst du dein Wissen an einer neuen Fabel. Danach schreibst du eine eigene.
Die Fabel
Der Fuchs und der Storch (nacherzählt nach Äsop)
Der Fuchs lud den Storch zum Essen ein. Er servierte eine leckere Suppe auf einem flachen Teller. Der Fuchs schleckte seinen Teller schnell leer. Der Storch aber konnte mit seinem langen, spitzen Schnabel nichts aufnehmen. Hungrig ging er nach Hause.
Ein paar Tage später lud der Storch den Fuchs ein. „Ich habe auch etwas Feines gekocht“, sagte er freundlich. Er servierte das Essen in einem hohen Krug mit einem schmalen Hals. Der Storch steckte seinen Schnabel hinein und fraß sich satt. Der Fuchs kam mit seiner Schnauze nicht hinein. Er konnte nur am Rand schnuppern.
„Du hast mich hereingelegt“, schimpfte der Fuchs. Der Storch antwortete: „Ich habe dich nur so bewirtet, wie du mich bewirtet hast.“
Erklärung
Der Bauplan für deine Fabel
So schreibst du eine eigene Fabel:
- Wähle zwei Tiere mit gegensätzlichen Eigenschaften, zum Beispiel stark und schwach, schnell und langsam, eitel und bescheiden.
- Überlege dir die Lehre. Was sollen die Leserinnen und Leser lernen?
- Ausgangslage: Wo treffen sich die Tiere?
- Konflikt: Ein Tier will etwas vom anderen. Lass die Tiere miteinander reden.
- Ende: Wie geht es aus? Wer hat recht?
- Lehre: Schreib sie in einem Satz ans Ende.
Halte deine Fabel kurz. Sieben bis zwölf Sätze reichen.
Beispiele
Beispiel 1: Die Merkmale in „Der Fuchs und der Storch“
- Tiere: Fuchs und Storch
- Eigenschaften: Der Fuchs ist gemein und schadenfroh. Der Storch ist klug.
- Rede und Gegenrede: Der Fuchs schimpft. Der Storch antwortet.
- Lehre: Wie du mir, so ich dir.
Beispiel 2: Eine selbst geschriebene Fabel
Das Eichhörnchen und die Elster
Ein Eichhörnchen vergrub im Herbst Nüsse im Wald. Eine Elster saß auf einem Ast und sah zu. „Du hast so viele Nüsse“, sagte sie. „Gib mir doch die Hälfte ab.“ Das Eichhörnchen antwortete: „Sammle dir selbst welche. Es gibt genug.“ Die Elster aber wartete, bis das Eichhörnchen weg war, und grub die Nüsse aus. Doch sie war so gierig, dass sie zu viele auf einmal tragen wollte. Alle Nüsse fielen in den Bach. Am Ende hatte sie keine einzige.
Lehre: Wer zu gierig ist, verliert am Ende alles.
Merksatz
Merke: Eine eigene Fabel planst du mit dem Bauplan: zwei Tiere mit gegensätzlichen Eigenschaften, ein Konflikt mit Rede und Gegenrede, ein Ende und eine Lehre.
Übungen
Aufgabe 1 ★ Warum kann der Storch beim Fuchs nichts essen?
Aufgabe 2 ★ Woran erkennst du, dass „Der Fuchs und der Storch“ eine Fabel ist? Nenne zwei Merkmale.
Aufgabe 3 ★★ Gib den drei Abschnitten der Fabel Zwischenüberschriften.
Aufgabe 4 ★★ Welche Lehre passt? Wähle aus und begründe. a) Wie du mir, so ich dir. b) Morgenstund hat Gold im Mund.
Aufgabe 5 ★★ Wähle zwei Tiere mit gegensätzlichen Eigenschaften für eine eigene Fabel. Schreib ihre Eigenschaften auf.
Aufgabe 6 ★★★ Schreib deine eigene Fabel mit dem Bauplan. Schreib die Lehre ans Ende.
Lösungen
Aufgabe 1: Die Suppe ist auf einem flachen Teller. Mit seinem langen, spitzen Schnabel kann der Storch sie nicht aufnehmen.
Aufgabe 2: Zum Beispiel: Tiere sprechen wie Menschen. Es gibt Rede und Gegenrede. Die Geschichte ist kurz.
Aufgabe 3: Zum Beispiel: 1. Der Fuchs lädt den Storch ein. 2. Der Storch lädt den Fuchs ein. 3. Der Fuchs ärgert sich.
Aufgabe 4: a) Wie du mir, so ich dir. Der Storch macht mit dem Fuchs genau das, was der Fuchs vorher mit ihm gemacht hat.
Aufgabe 5: Zum Beispiel: Elefant (groß, stark) und Maus (klein, flink). Oder: Pfau (eitel) und Spatz (bescheiden).
Aufgabe 6: Jede Fabel ist richtig, wenn sie diese Teile hat: zwei Tiere mit Eigenschaften, einen Konflikt mit wörtlicher Rede, ein Ende und eine Lehre. Vergleiche mit der Fabel vom Eichhörnchen und der Elster.