Darum geht es
Der Bewerbungsbrief ist das erste, was ein Betrieb von dir liest. Er zeigt, ob du dich ernsthaft für die Stelle interessierst und ob du einen formellen Brief korrekt schreiben kannst. Ein Geschäftsbrief hat feste Teile, und in der Schweiz gelten dabei ein paar eigene Regeln, die sich von Deutschland unterscheiden. In dieser Lektion lernst du den Aufbau und schaust dir einen vollständigen Musterbrief an.
Erklärung
Die zehn Teile eines Bewerbungsbriefs
- Absender: dein Vorname und Name, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse.
- Empfänger: Firma, Ansprechperson mit Frau oder Herr, Adresse. In der Schweiz steht die Empfängeradresse oft rechts, damit sie im Fenster des Couverts sichtbar ist. Links ist ebenfalls erlaubt.
- Ort und Datum: Uster, 14. September 2026. Den Monat schreibst du aus.
- Betreff: fett, ohne das Wort «Betreff». Er nennt die Stelle genau: Bewerbung um eine Lehrstelle als Gärtnerin EFZ, Fachrichtung Pflanzenproduktion.
- Anrede: Sehr geehrte Frau Frei oder Sehr geehrter Herr Bachmann. In der Schweiz steht nach der Anrede kein Komma, und der Brief beginnt danach mit einem Grossbuchstaben.
- Einleitung: Wie bist du auf die Stelle aufmerksam geworden? Worum bewirbst du dich?
- Hauptteil: Warum dieser Beruf? Warum dieser Betrieb? Was bringst du mit? Hier stehen deine Erfahrungen aus der Schnupperlehre und konkrete Beispiele für deine Stärken.
- Schluss: Bitte um ein Vorstellungsgespräch oder eine weitere Schnupperlehre.
- Grussformel, Unterschrift, Name: Freundliche Grüsse, ohne Komma und ohne Punkt. Darunter deine Unterschrift und dein Name in Druckschrift.
- Beilagen: Liste der Unterlagen, die du mitschickst.
Schweizer Regeln auf einen Blick
| Schweiz | Deutschland (zum Vergleich) |
|---|---|
| Sehr geehrte Frau Frei (ohne Komma), danach Grossbuchstabe | Sehr geehrte Frau Frei, danach Kleinbuchstabe |
| Freundliche Grüsse | Mit freundlichen Grüssen (dort mit Eszett geschrieben) |
| immer ss, nie Eszett | Eszett nach bestimmten Regeln |
| Empfänger oft rechts | Empfänger links |
Die Formel Mit freundlichen Grüssen ist in der Schweiz nicht falsch, wirkt aber eher altmodisch.
Länge und Form
- Eine A4-Seite, nicht mehr.
- Gut lesbare Schrift (zum Beispiel Arial oder Calibri, 11 Punkt), klare Absätze.
- Als PDF verschicken. Bei einer Bewerbung per Mail schreibst du zusätzlich einen kurzen Begleittext in die Mail selbst.
Beispiele
Beispiel 1: Ein vollständiger Musterbrief
Lara Meier
Seestrasse 18
8610 Uster
079 123 45 67
lara.meier@beispiel.chKita Sonnenschein
Herr Marco Bachmann
Brunnenstrasse 5
8610 UsterUster, 14. September 2026
Bewerbung um eine Lehrstelle als Fachfrau Betreuung EFZ, Fachrichtung Kinder
Sehr geehrter Herr Bachmann
Im Oktober durfte ich drei Tage bei Ihnen schnuppern. Dabei haben Sie mir erzählt, dass Sie für August 2027 eine Lernende suchen. Ich bewerbe mich gern um diese Lehrstelle.
In der Schnupperlehre hat mir besonders gefallen, wie Ihr Team die Kinder selbst ausprobieren lässt. Beim Basteln mit der Bärengruppe habe ich gemerkt, dass ich Geduld habe und ruhig bleibe, auch wenn es laut wird. Seit einem Jahr leite ich in der Pfadi Uster zusammen mit einer Kollegin eine Gruppe von zwölf Wölfli. Ich plane die Nachmittage mit und weiss, wie wichtig klare Abmachungen sind. Darum kann ich mir gut vorstellen, jeden Tag mit Kindern zu arbeiten.
Zurzeit besuche ich die 3. Sekundarschule in Uster. Meine Stärken sind Deutsch und Gestalten. Den Multicheck habe ich im August gemacht.
Gern stelle ich mich Ihnen in einem Gespräch persönlich vor. Ich freue mich auf Ihre Antwort.
Freundliche Grüsse
Lara Meier (Unterschrift)
Lara MeierBeilagen
Lebenslauf
Zeugnisse der Sekundarschule
Schnupperlehrbericht Kita Sonnenschein
Multicheck
Beispiel 2: Fehler in Anrede und Schluss
Ein Schüler schreibt:
«Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte mich bei ihnen bewerben. … Mit freundlichen Grüssen, Jonas»
Fehler und Verbesserung:
- Die Ansprechperson steht im Inserat. Darum: Sehr geehrte Frau Steiner.
- Kein Komma nach der Anrede, danach Grossbuchstabe: Ich bewerbe mich …
- Die Höflichkeitsform Ihnen schreibst du gross.
- Freundliche Grüsse, ohne Komma, danach Unterschrift und vollständiger Name.
Merksatz
Ein Bewerbungsbrief hat zehn feste Teile, vom Absender bis zu den Beilagen. In der Schweiz steht nach der Anrede kein Komma, der Text beginnt mit einem Grossbuchstaben, die Grussformel lautet Freundliche Grüsse, und du schreibst immer ss.
Übungen
Grundlagen
- Bring die Teile in die richtige Reihenfolge: Grussformel, Betreff, Absender, Anrede, Beilagen, Ort und Datum, Empfänger, Hauptteil.
- Korrigiere: «Winterthur, den 3.11.26» und «Betreff: Lehrstelle».
Weiter
- Schreib den Briefkopf (Absender, Empfänger, Ort und Datum, Betreff, Anrede) für eine Bewerbung als Polymechanikerin EFZ bei der erfundenen Firma Präzisa AG, Herr Thomas Gubler, Industriestrasse 22, 8400 Winterthur.
- Finde in Laras Brief die Einleitung, den Hauptteil und den Schluss. Welche Fragen beantwortet sie im Hauptteil?
Knobeln
- Ein Kollege aus Deutschland sagt: «Nach der Anrede kommt doch immer ein Komma.» Erkläre ihm die Schweizer Regel und warum der Satz danach gross beginnt.
- Lara schreibt nichts über ihre Schulnoten in Mathematik. Ist das klug? Begründe.
Lösungen
- Absender, Empfänger, Ort und Datum, Betreff, Anrede, Hauptteil, Grussformel, Beilagen.
- «Winterthur, 3. November 2026» (ohne den, Monat ausgeschrieben, Jahr vierstellig). Betreff ohne das Wort «Betreff», fett und genau: Bewerbung um eine Lehrstelle als Kauffrau EFZ (oder der passende Beruf).
- Zum Beispiel: Vorname Name, Adresse, Telefon, E-Mail / Präzisa AG, Herr Thomas Gubler, Industriestrasse 22, 8400 Winterthur / Ort, 3. November 2026 / Bewerbung um eine Lehrstelle als Polymechanikerin EFZ / Sehr geehrter Herr Gubler
- Einleitung: der erste Absatz (Schnupperlehre, Bewerbung). Hauptteil: zweiter und dritter Absatz. Sie beantwortet, warum dieser Betrieb (das Team lässt die Kinder ausprobieren), warum dieser Beruf (Geduld, Freude an der Arbeit mit Kindern) und was sie mitbringt (Pfadileiterin, Schule, Multicheck). Schluss: Bitte um ein Gespräch.
- In der Schweiz steht nach der Anrede kein Satzzeichen. Die Anrede bildet eine eigene Zeile, und der Brieftext beginnt als neuer Satz. Darum steht dort ein Grossbuchstabe. In Deutschland schliesst ein Komma die Anrede an den folgenden Satz an, darum geht es dort klein weiter.
- Ja. Im Brief nennt man vor allem, was zur Stelle passt. Für Fachfrau Betreuung sind Deutsch und Gestalten wichtiger. Die Noten sieht der Betrieb ohnehin in den Zeugnissen.