Einstieg: Nur eine auf der Party?
Auf einer Party bietet dir jemand eine Zigarette oder eine E-Zigarette an: „Eine schadet doch nicht.“ Was passiert dabei in deinem Herz-Kreislauf-System? Und warum ist die Entscheidung trotzdem nicht nur eine Frage der Biologie? Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache, sie verursachen etwa jeden dritten Todesfall. Viele davon hängen mit dem Lebensstil zusammen.
Erklärung: Was Rauchen im Kreislauf bewirkt
Tabakrauch enthält Tausende Stoffe. Für Herz und Kreislauf sind zwei besonders wichtig:
Kohlenstoffmonooxid ist ein giftiges Gas aus der Verbrennung. Es bindet sich etwa 200- bis 300-mal stärker an das Hämoglobin der roten Blutkörperchen als Sauerstoff. Rote Blutkörperchen, die Kohlenstoffmonooxid tragen, fallen für den Sauerstofftransport aus. Bei Rauchern ist dauerhaft ein Teil des Hämoglobins blockiert. Die Muskeln bekommen weniger Sauerstoff, die Ausdauer sinkt.
Nikotin ist ein Nervengift, das schnell abhängig macht. Es steckt auch in den meisten E-Zigaretten. Kurzfristig erhöht es die Herzfrequenz und den Blutdruck, und es verengt die Blutgefäße, besonders in Händen und Füßen. Das Herz muss also mehr arbeiten und bekommt gleichzeitig weniger Sauerstoff.
Langfristige Folgen
Über Jahre schädigt Rauchen die Innenwände der Arterien. An den geschädigten Stellen lagern sich Fett, Kalk und Blutzellen ab, die Gefäße werden enger und steifer. Das nennt man Arteriosklerose.
Verschließt sich ein Herzkranzgefäß, bekommt ein Teil des Herzmuskels keinen Sauerstoff mehr und stirbt ab. Das ist ein Herzinfarkt.
Was das Herz schützt
- Bewegung: Regelmäßige Ausdauerbelastung stärkt den Herzmuskel und hält die Gefäße elastisch. Für Kinder und Jugendliche empfehlen Fachleute mindestens eine Stunde Bewegung am Tag.
- Nicht rauchen. Wer gar nicht erst anfängt, muss auch nicht aufhören.
- Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten.
- Genug Schlaf und Entspannung, denn dauerhafter Stress erhöht den Blutdruck.
Bewerten: Eine Entscheidung begründen
Biologie liefert dir Sachargumente: Was passiert im Körper? Eine Entscheidung hängt aber auch von Werten ab: Was ist dir wichtig? Gesundheit, Dazugehören, Freiheit, Geld, sportliche Ziele?
| Sachaussage (überprüfbar) | Wertaussage (persönliche Gewichtung) |
|---|---|
| Kohlenstoffmonooxid verringert den Sauerstofftransport im Blut. | Meine Fitness im Fußball ist mir wichtig. |
| Nikotin macht abhängig. | Ich möchte selbst bestimmen, was ich tue. |
| Rauchen erhöht das Risiko für Herzinfarkt. | Dazuzugehören ist mir auf der Party wichtig. |
Eine begründete Entscheidung nennt Sachargumente, sagt, welche Werte den Ausschlag geben, und bedenkt kurz- und langfristige Folgen.
Beispiele
Beispiel 1: Weniger Sauerstoff im Blut Angenommen, bei einer Raucherin sind 6 von 100 Hämoglobin-Molekülen dauerhaft durch Kohlenstoffmonooxid besetzt. Dann kann ihr Blut bei gleicher Blutmenge nur etwa 94 Prozent des Sauerstoffs transportieren, den es ohne Rauchen tragen könnte. In Ruhe merkt sie davon kaum etwas. Beim Sport fehlt der Sauerstoff aber genau dann, wenn die Muskeln am meisten brauchen. Ihr Herz muss mit höherer Frequenz ausgleichen.
Beispiel 2: Eine begründete Entscheidung Mehmet spielt Handball im Verein. Er schreibt: „Nikotin macht abhängig und erhöht Puls und Blutdruck. Kohlenstoffmonooxid verringert den Sauerstofftransport. Kurzfristig wäre ich auf der Party vielleicht cooler, langfristig würde meine Ausdauer leiden, und ich könnte abhängig werden. Mir ist meine Leistung im Handball wichtiger als der Moment auf der Party. Deshalb lehne ich ab.“ Seine Antwort enthält Sachargumente, nennt einen Wert, wägt kurz- und langfristige Folgen ab und kommt zu einem klaren Schluss.
Merksatz
Kohlenstoffmonooxid aus dem Rauch blockiert das Hämoglobin, Nikotin macht abhängig, erhöht Puls und Blutdruck und verengt Gefäße. Langfristig fördert Rauchen Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall. Bewegung, Nichtrauchen und ausgewogene Ernährung schützen das Herz. Bei einer Entscheidung trennst du Sachargumente von Werten.
Selbsttest
Grundlagen
- Nenne die vier Räume des Herzens und die beiden Klappenarten.
- Ordne zu: Arterie, Vene, Kapillare. a) Wand aus einer Zellschicht b) führt zum Herzen hin c) hier fühlt man den Puls.
- Nenne die drei Arten von Blutzellen und ihre Aufgaben.
Weiter
- Erkläre, warum ein Raucher beim Treppensteigen schneller außer Atem kommt als ein Nichtraucher.
- Ordne die Aussagen zu, ob sie Sachaussage oder Wertaussage sind: a) „Nikotin erhöht den Blutdruck.“ b) „Gesundheit ist wichtiger als Spaß.“ c) „E-Zigaretten enthalten meist Nikotin.“ d) „Jeder soll selbst entscheiden dürfen.“
- Verfolge den Weg eines Kohlenstoffdioxidteilchens von einer Muskelzelle im Bein bis zur Ausatmung. Nenne alle Stationen im Herzen.
Knobeln
- Bei einem Herzinfarkt stirbt ein Teil des Herzmuskels ab. Erkläre, warum das auch dann gefährlich ist, wenn der Mensch überlebt.
- Schreibe eine begründete Antwort (6 bis 8 Sätze) an eine Freundin, die fragt, ob sie mit E-Zigaretten anfangen soll. Nutze mindestens zwei Sachargumente aus der Lektion und nenne ausdrücklich einen Wert, der für deine Antwort entscheidend ist.
Lösungen
- Rechter Vorhof, rechte Kammer, linker Vorhof, linke Kammer. Segelklappen und Taschenklappen.
- a) Kapillare b) Vene c) Arterie.
- Rote Blutkörperchen: Sauerstofftransport. Weiße Blutkörperchen: Abwehr von Krankheitserregern. Blutplättchen: Blutgerinnung und Wundverschluss.
- Beim Raucher ist ein Teil des Hämoglobins durch Kohlenstoffmonooxid blockiert. Das Blut transportiert weniger Sauerstoff. Nikotin verengt zudem Gefäße. Die Beinmuskeln bekommen bei Belastung schneller zu wenig Sauerstoff für die Zellatmung. Atmung und Herzschlag müssen das durch höhere Frequenz ausgleichen.
- Sachaussagen: a und c. Wertaussagen: b und d.
- Muskelzelle → Kapillare → Venen → untere Hohlvene → rechter Vorhof → rechte Kammer → Lungenarterie → Kapillaren der Lunge → Lungenbläschen → Ausatmung.
- Abgestorbener Herzmuskel wird durch Narbengewebe ersetzt, das sich nicht zusammenziehen kann. Das Herz pumpt danach schwächer. Der Körper wird bei Belastung schlechter versorgt, und das Risiko für weitere Herzprobleme steigt.
- Erwartungshorizont: klare Antwort; mindestens zwei zutreffende Sachargumente (zum Beispiel Nikotin macht abhängig, erhöht Puls und Blutdruck, verengt Gefäße); ein ausdrücklich genannter Wert (zum Beispiel Gesundheit, sportliche Leistung, Unabhängigkeit von einer Sucht); Berücksichtigung eines Gegenarguments, etwa des Wunsches dazuzugehören; respektvoller Ton.