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Aus der Vorlage Ökosystem Gewässer: Bach und See untersuchen

Nahrungsnetz im See: Plankton, Felchen, Hecht

Lektion 4 von 5

Einstieg: Was frisst der Felchen?

Im Restaurant am See steht „Felchenfilet“ auf der Karte. Felchen sind in vielen Schweizer Seen der wichtigste Speisefisch. Doch wovon lebt ein Felchen eigentlich? Von winzigen Krebschen, die du ohne Lupe kaum siehst. Und diese leben von noch kleineren Algen. Wer in einem See wen frisst, lässt sich als Netz darstellen.

Erklärung: Nahrungsbeziehungen im See

Produzenten, Konsumenten, Destruenten

  • Produzenten stellen mit Licht durch Fotosynthese energiereiche Stoffe her. Im See sind das vor allem winzige frei schwebende Algen, das Phytoplankton, sowie Wasserpflanzen am Ufer.
  • Konsumenten ernähren sich von anderen Lebewesen. Konsumenten 1. Ordnung fressen Produzenten, zum Beispiel das Zooplankton: Wasserflöhe und Hüpferlinge, kaum einen Millimeter gross. Konsumenten 2. Ordnung fressen Konsumenten 1. Ordnung, zum Beispiel Felchen oder junge Egli. Konsumenten 3. Ordnung fressen diese, etwa Hecht oder Kormoran.
  • Destruenten wie Bakterien und Pilze bauen abgestorbene Lebewesen und Kot ab. Dabei werden Nährstoffe wie Phosphat und Nitrat wieder frei, die die Algen erneut aufnehmen.

Nahrungskette und Nahrungsnetz

Eine Nahrungskette zeigt eine einzelne Abfolge, zum Beispiel:

Phytoplankton → Wasserfloh → Felchen → Hecht

Die Pfeile zeigen in die Richtung, in die Stoffe und Energie fliessen, also „wird gefressen von“. In Wirklichkeit fressen die meisten Tiere mehrere Arten und werden von mehreren gefressen. Die Ketten verbinden sich zu einem Nahrungsnetz:

Interaktive Grafik

Konkurrenz

Nutzen zwei Arten dieselbe knappe Ressource, stehen sie in Konkurrenz. Im See konkurrieren zum Beispiel Felchen und junge Egli um das Zooplankton. Konkurrenz kann es auch um Raum, Licht oder Laichplätze geben. Arten, die ähnliche Ansprüche haben, weichen oft aus: Sie fressen zu anderen Zeiten, in anderen Tiefen oder andere Beute.

Energie geht von Stufe zu Stufe verloren

Jedes Lebewesen braucht den grössten Teil seiner Nahrungsenergie für Bewegung, Wachstum und Wärme. Nur ein kleiner Teil, als grobe Faustregel etwa ein Zehntel, wird in der nächsten Stufe zu Körpermasse. Deshalb gibt es in einem See sehr viel Plankton, weniger Felchen und nur wenige Hechte.

Beispiele

Beispiel 1: Die Quagga-Muschel Die Quagga-Muschel stammt aus dem Gebiet des Schwarzen Meers. In der Schweiz wurde sie erstmals 2014 im Rhein bei Basel gefunden, seit 2016 lebt sie im Bodensee, und 2024 wurde sie im Zugersee nachgewiesen. Sie siedelt in riesiger Zahl auf dem Seegrund und filtert Phytoplankton aus dem Wasser. Damit wird sie zur Konkurrentin des Zooplanktons. Weniger Zooplankton bedeutet weniger Nahrung für Felchen. Fachleute befürchten deshalb, dass die Felchenerträge weiter sinken.

Beispiel 2: Was passiert, wenn der Hecht fehlt? Ohne Hecht überleben mehr Egli. Sie fressen mehr Zooplankton. Weniger Zooplankton frisst weniger Algen, das Wasser wird grüner. Ein Eingriff an der Spitze des Netzes wirkt also bis zu den Produzenten hinunter.

Merksatz

Im See bilden Phytoplankton und Wasserpflanzen die Produzenten. Zooplankton, Fische und fischfressende Vögel sind Konsumenten verschiedener Ordnung, Bakterien und Pilze die Destruenten. Nahrungsketten verbinden sich zu einem Nahrungsnetz. Arten, die dieselbe knappe Ressource nutzen, stehen in Konkurrenz.

Übungen

Grundlagen

  1. Ordne zu: Produzent, Konsument 1. Ordnung, Konsument 2. Ordnung, Destruent. Wasserfloh, Bakterie, Phytoplankton, Felchen.
  2. Schreibe zwei Nahrungsketten aus dem Nahrungsnetz ab.
  3. Was zeigt die Pfeilrichtung in einer Nahrungskette an?

Weiter

  1. Nenne zwei Arten aus dem Netz, die in Konkurrenz stehen, und die Ressource, um die sie konkurrieren.
  2. Erkläre, warum es in einem See viel mehr Wasserflöhe als Hechte gibt.
  3. Welche Rolle spielen Destruenten für das Wachstum der Algen?

Knobeln

  1. Ein Fischer sagt: „Die Kormorane fressen uns die Felchen weg.“ Ein Naturschützer sagt: „Die Felchen werden weniger, weil die Seen sauberer und nährstoffärmer sind.“ Welche Informationen bräuchtest du, um zu entscheiden, wer recht hat?
  2. Ein Hobbyaquarianer setzt Goldfische in einen kleinen Weiher. Stelle eine begründete Vermutung auf, wie sich das Nahrungsnetz verändert.

Lösungen

  1. Produzent: Phytoplankton. Konsument 1. Ordnung: Wasserfloh. Konsument 2. Ordnung: Felchen. Destruent: Bakterie.
  2. Zum Beispiel: Phytoplankton → Zooplankton → Felchen → Kormoran. Wasserpflanzen → Insektenlarven → grosse Egli → Hecht.
  3. Der Pfeil zeigt vom Gefressenen zum Fressenden, also in die Richtung, in die Stoffe und Energie weitergegeben werden.
  4. Zum Beispiel Felchen und junge Egli, beide fressen Zooplankton. Oder Zooplankton und Quagga-Muschel, beide fressen Phytoplankton. Oder Hecht und Kormoran, beide fressen Fische.
  5. Auf jeder Stufe wird nur ein kleiner Teil der Energie an die nächste Stufe weitergegeben, der Rest wird für Bewegung, Wärme und Stoffwechsel genutzt. Für einen Hecht braucht es deshalb sehr viele Fische und für diese noch viel mehr Plankton.
  6. Destruenten bauen abgestorbene Lebewesen ab und setzen dabei Nährstoffe wie Phosphat und Nitrat frei. Diese Nährstoffe brauchen die Algen zum Wachsen.
  7. Zum Beispiel: Zahl der Kormorane und wie viele Felchen sie pro Tag fressen, Entwicklung der Felchenfänge über viele Jahre, Phosphatgehalt des Sees und Menge an Plankton über dieselben Jahre, Vergleich mit Seen ohne Kormorane. Wahrscheinlich spielen mehrere Ursachen zusammen.
  8. Goldfische fressen Zooplankton, Insektenlarven und Pflanzen und vermehren sich stark. Es gibt weniger Zooplankton, deshalb weniger Fressfeinde für die Algen, und das Wasser wird trüb und grün. Larven von Amphibien und Libellen werden gefressen. Gebietsfremde Tiere dürfen deshalb nicht in Gewässer ausgesetzt werden.

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