Einstieg: Wer frisst wen?
Im Frühsommer fressen in einem Eichenwald unzählige kleine grüne Raupen die jungen Blätter. Genau dann füttern Kohlmeisen ihre Jungen, ein Paar trägt an einem Tag Hunderte Raupen ins Nest. Und die Kohlmeisen? Auf sie macht der Sperber Jagd. Solche Fressbeziehungen verbinden alle Lebewesen eines Waldes.
Erklärung: Produzenten und Konsumenten
Produzenten (Erzeuger) sind grüne Pflanzen. Sie stellen durch Fotosynthese energiereiche Stoffe aus Kohlenstoffdioxid und Wasser selbst her. Im Wald sind das vor allem die Bäume, aber auch Sträucher, Kräuter, Moose und Algen auf der Rinde.
Konsumenten (Verbraucher) können keine Fotosynthese betreiben. Sie nehmen energiereiche Stoffe mit der Nahrung auf.
- Konsumenten 1. Ordnung sind Pflanzenfresser, zum Beispiel Raupen, Rehe, Rötelmäuse.
- Konsumenten 2. Ordnung fressen Pflanzenfresser, zum Beispiel Kohlmeisen, die Raupen fressen.
- Konsumenten 3. Ordnung fressen Konsumenten 2. Ordnung, zum Beispiel der Sperber, der Meisen schlägt.
Am Ende stehen oft große Beutegreifer wie Habicht, Waldkauz oder Wolf, die selbst kaum Fressfeinde haben.
Nahrungskette und Nahrungsnetz
Eine Nahrungskette zeigt eine einzelne Folge von Fressbeziehungen. Die Pfeile zeigen dabei vom Gefressenen zum Fresser, also in die Richtung, in die Stoffe und Energie weitergegeben werden:
Eiche → Raupe des Eichenwicklers → Kohlmeise → Sperber
In Wirklichkeit fressen die meisten Tiere mehrere Arten und werden von mehreren Arten gefressen. Die Ketten verzweigen sich und bilden ein Nahrungsnetz:
Beispiele
Beispiel 1: Eine Nahrungskette aus dem Netz Buche → Rötelmaus → Waldkauz. Die Rötelmaus frisst die Samen der Buche, die Bucheckern. Samen sind Teil des Produzenten und keine eigene Stufe. Die Buche ist Produzent, die Rötelmaus Konsument 1. Ordnung, der Waldkauz Konsument 2. Ordnung.
Beispiel 2: Was passiert, wenn eine Art fehlt? In einem Jahr fallen kaum Bucheckern und Eicheln, weil die Bäume nur alle paar Jahre reichlich Samen bilden. Folge: Im nächsten Frühjahr gibt es weniger Rötelmäuse. Waldkauz und Fuchs finden weniger Mäuse. Der Waldkauz zieht in solchen Jahren weniger Junge groß, der Fuchs weicht stärker auf andere Beute aus. In einem Netz mit vielen Verbindungen kann ein Tier oft ausweichen. In einer einfachen Kette wäre der Ausfall gravierender.
Beispiel 3: Ein Eingriff des Menschen Werden in einem Wald Insektizide gegen Raupen gesprüht, sterben nicht nur die Raupen, sondern auch viele andere Insekten. Meisen und andere Singvögel finden weniger Futter für ihre Jungen. Auch räuberische Insekten und Spinnen, die Raupen fressen, gehen zurück. Ein Eingriff an einer Stelle wirkt sich über das Netz auf viele Arten aus.
Merksatz
Produzenten stellen durch Fotosynthese energiereiche Stoffe her, Konsumenten nehmen sie mit der Nahrung auf. Die Pfeile einer Nahrungskette zeigen vom Gefressenen zum Fresser. Viele verknüpfte Nahrungsketten bilden ein Nahrungsnetz. Je mehr Verbindungen es hat, desto besser kann es den Ausfall einer Art abfedern.
Übungen
Grundlagen
- Erkläre die Begriffe Produzent und Konsument.
- Bilde aus dem Nahrungsnetz drei Nahrungsketten. Eine davon soll vier Glieder haben.
- Bestimme in der Kette Eiche → Raupen → Kohlmeise → Sperber für jedes Glied die Rolle.
Weiter
- Nenne ein Tier aus dem Netz, das Nahrung von zwei verschiedenen Pflanzen bezieht, und eines, das von zwei verschiedenen Fressfeinden gefressen wird.
- Erkläre, warum die Pfeile in die Richtung vom Gefressenen zum Fresser zeigen.
- Ein Fuchs frisst Mäuse, Regenwürmer, Beeren und Käfer. Zu welcher Ordnung gehört er? Begründe, warum die Einteilung bei ihm schwierig ist.
Knobeln
- Durch Krankheit gehen die Rötelmäuse in einem Wald stark zurück. Sage mit dem Nahrungsnetz voraus, wie sich das auf Bucheckern, Waldkauz und Eichhörnchen auswirken kann. Begründe jede Vorhersage.
- Begründe, warum ein Nahrungsnetz mit vielen Arten stabiler ist als eine einzelne Nahrungskette.
Lösungen
- Produzenten sind grüne Pflanzen, die durch Fotosynthese aus Kohlenstoffdioxid und Wasser energiereiche Stoffe herstellen. Konsumenten sind Lebewesen, die keine Fotosynthese betreiben und energiereiche Stoffe mit der Nahrung aufnehmen müssen.
- Vier Glieder: Eiche → Raupen → Kohlmeise → Sperber. Weitere Ketten zum Beispiel: Buche → Eichhörnchen → Baummarder, Eiche → Rötelmaus → Waldkauz, Kräuter und junge Bäume → Reh → Wolf. Bucheckern und Eicheln sind Teile des Produzenten und keine eigene Stufe der Kette.
- Eiche: Produzent. Raupen: Konsument 1. Ordnung. Kohlmeise: Konsument 2. Ordnung. Sperber: Konsument 3. Ordnung.
- Die Rötelmaus frisst Eicheln und Bucheckern. Sie wird vom Waldkauz und vom Fuchs gefressen.
- Der Pfeil zeigt, wohin Stoffe und Energie weitergegeben werden. Wenn die Meise die Raupe frisst, gehen die Stoffe der Raupe in die Meise über.
- Er frisst Pflanzen (Beeren), Pflanzenfresser (Mäuse), Destruenten (Regenwürmer) und auch Fleischfresser (manche Käfer, etwa Laufkäfer). Er ist also Konsument 1., 2. und zum Teil 3. Ordnung. Allesfresser lassen sich keiner einzelnen Ordnung zuordnen.
- Bucheckern: Weniger werden gefressen, mehr bleiben liegen und keimen. Waldkauz: Er findet weniger Beute, kann weniger Junge aufziehen oder muss auf andere Beute wie Vögel ausweichen. Eichhörnchen: Es hat weniger Nahrungskonkurrenz um Bucheckern und kann zunehmen. Mehr Eichhörnchen können dann auch dem Baummarder mehr Nahrung bieten.
- In einem Netz haben die meisten Tiere mehrere Nahrungsquellen. Fällt eine aus, weichen sie auf andere aus. In einer einzelnen Kette hängt jedes Glied von genau einem anderen ab. Fällt es weg, bricht die ganze Kette zusammen.